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HTC Vive: The Thrill of the Fight – Schattenboxen für Schönlinge

von Matthias Bastian4. Juli 2016

Indie-Entwickler Ian Fitz präsentiert “The Thrill of the Fight”, die erste und unausweichliche Boxsimulation in Virtual Reality mit HTC Vive. Man bleibt zwar garantiert ohne Veilchen, Schwitzen ist aber dennoch angesagt.

Ja, ich weiß: Ausgerechnet Boxen kann man doch nicht virtualisieren. Der Kampf Mann gegen Mann, Platzwunden, Grunzen, starrer Augenkontakt, harte Schläge, Klammern, Schweißgeruch in der Luft, acht, neun, zehn, AUS. Das kann man doch unmöglich in einer VR-Brille einfangen, oder?

Nein, natürlich geht das nicht. Aber Boxer prügeln sich ja bekanntlich nicht nur im Ring und wenn es hart auf hart kommt, sondern machen auch so etwas wie Training. Und neben maximaler Schlagkraft zählen dabei auch Beinarbeit und Reaktionsgeschwindigkeit. Nicht umsonst gibt es ja das Schattenboxen, bei dem sich der Kämpfer in erster Linie mit der eigenen Technik befasst. Und wie Schattenboxen fühlt sich auch “The Thrill of the Fight” an.

Das ist keinesfalls als Kritik zu verstehen, die Mechanik funktioniert erstaunlich gut. Zum einen hält man die Vive-Controller nicht wie gewohnt, sondern mit dem Touchpad nach innen gerichtet in der Hand. Das fühlt sich in der Tat ein wenig so an, als würde man in einem Boxhandschuh die Faust ballen. Zum anderen hatte Fitz eine clevere Idee, um völlig sinnloses Gekloppe zu unterbinden. Schlägt man zu oft in die Deckung des Gegners, dann verliert man für einen kurzen Zeitraum die Boxhandschuhe und kann weder angreifen noch blocken. Dauerfeuer ist also nicht. Auch die Schlagkraft wird in Virtual Reality simuliert. Umso ausladender die Ausholbewegung, desto vernichtender trifft anschließend der Kinnhaken. Rückt einem der Gegner zu stark auf die Pelle, kann man sogar in den Klammergriff wechseln. Spätestens dann hat es sich aber mit der Immersion, denn man greift nur in die Luft.

Natürliches Interface: Der eigene Körper wird zum Controller

Das war es aber auch schon mit der Anleitung, viel mehr künstliches Interface braucht so eine virtuelle Boxsimulaton nicht. Denn man bewegt sich ja ganz natürlich und mit dem eigenen Körper durch den Ring, tänzelt um den Gegner herum, duckt sich unter Schlägen hinweg oder seitlich vorbei und feuert je nach Bedarf Jabs, Haken und Uppercuts. Restriktionen für den Bewegungsablauf gibt es nicht, ein erfahrener Boxer wäre daher bestimmt im Vorteil. Schönes Detail: An der Mimik des Gegners lässt sich ablesen, wie sehr ihr ihm schon zugesetzt habt.

Das macht “The Thrill of the Fight” natürlich nicht zu einer realistischen Simulation. Dafür fehlt die Haptik. Aber als unterhaltsames Fun-Training mit sportlichem Mehrwert taugt der Early-Access-Titel schon jetzt. Ich war nach zwei Runden – als nicht ganz unsportlicher Mensch – ziemlich außer Atem. Jetzt fehlt nur noch eine VR-Brille mit Schweißrinne und die Vollversion, dann kann es losgehen mit dem Workout im virtuellen Ring.

“The Thrill of the Fight” ist aktuell bei Steam im Angebot und kostet 7,99 Euro, der Normalpreis liegt bei 9,99 Euro. Wer den Titel schon jetzt kauft, sollte sich darüber im Klaren sein, dass das in erster Linie dem Entwickler hilft. Aktuell bietet der Titel nur ein wenig Sparring und einen einzelnen Gegner.

| Featured Image: Toasted Loaf / YouTube