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HTC Vive: Tipps und Tricks für die Room-Scale VR-Brille

von Matthias Bastian12. Juli 2016

HTC Vive und Room-Scale-VR sind toll, aber die Technik ist relativ komplex in der Einrichtung und noch dazu pflegeintensiv. Die folgenden Tipps erleichtern neuen VR-Enthusiasten den Einstieg.

Setup-Programm statt gedruckter Anleitung benutzen

Ersteinrichter können die mitgelieferte und etwas umständliche Papieranleitung ruhig beiseitelegen. HTC bietet ein eigenes Programm an, das durch die Installation führt. Das Vive-Setup kann man hier kostenlos herunterladen. Das Programm ist zwar derzeit nur in englischer Sprache verfügbar, bietet aber anschauliche Erklärvideos für die wichtigsten Aspekte des physischen Setups, unter anderem für die korrekte Verkabelung. Auch die Installation der Steam- und Vive-Software ist integriert.

Monitor und VR-Brille müssen an die gleiche Grafikkarte angeschlossen sein

Dieser Punkt gehört wahrscheinlich zu den häufigsten Fehlern bei der Einrichtung, da er an keiner Stelle richtig erklärt wird. Das Vive-Setup fordert dazu auf, die VR-Brille mit dem beigelegten HDMI-Kabel an die Grafikkarte anzuschließen. Bei vielen Nutzern steckt da aber schon der Monitor drin. Der wird dann in den HDMI-Port des Mainboards umgesteckt, logisch. Nur funktioniert die VR-Brille dann nicht mehr.

Für dieses Problem gibt es zwei mögliche Lösungen. Zum einen kann man die VR-Brille auch via Minidisplayport- auf Displayport-Kabel mit der Grafikkarte verbinden. Der Monitor bleibt dann via HDMI angeschlossen. Falls man das Audio von HTC Vive aber via HDMI übertragen möchte, kann man den Monitor alternativ mit einem HDMI auf DVI-Adapter mit der GPU verkabeln.

Letzte Aktualisierung am 9.12.2016 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

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Floorfix – die Höhe des Bodens via Mausklick anpassen

Ab und an vergisst das Trackingsystem die ursprünglich ausgemessene Bodenhöhe. Dann steht man mit den Knöcheln im virtuellen Straßenbelag. Um das Problem zu beheben, musste man bisher Steam VR neustarten oder gar den Kalibrierungsvorgang erneut durchführen. Einfacher wird es mit dem Programm Floorfix, das man hier herunterladen kann. Damit die Rekalibrierung funktioniert, muss man einen Controller auf den Boden legen, den anderen in der Hand halten. Das Programm misst den Abstand zwischen den beiden Controllern und trägt den Wert in die Konfigurationsdatei von Lighthouse ein. Das alles funktioniert direkt aus dem Steam-Dashboard.

Entspannt das Kabel regelmäßig

Das Kabel ist wahrscheinlich der größte Schwachpunkt der Vive-Brille. Nicht nur, dass allein die Existenz schon stört, nein, es neigt auch noch dazu, sich schnell zu verheddern und aufzurollen. Die Knoten, die sich dabei bilden, verkürzen nicht nur die Länge des Kabels, sondern können auch zu Kabelbrüchen führen. Um das zu vermeiden, solltet ihr das Kabel nach jeder längeren VR-Session abschließen, straff ziehen und entspannen. Für den Fall eines Kabelbruchs bietet HTC Ersatzkabel an, diese sind allerdings nicht günstig.

Basisstationen: Lichtständer und Kugelkopf für die Montage verwenden

Standardmäßig liegen der Vive-Brille zwei Halterungen bei, mit denen sich die Trackingboxen an der Wand montieren lassen. Flexibler und portabler wird das System, wenn man stattdessen Lichtständer verwendet. Warum Lichtständer? Weil diese im Unterschied zu herkömmlichen Kamerastativen die Mindesthöhe von 2,20m erreichen, die von HTC für Positionierung der Basisstationen empfohlen wird. Umsto stabiler der Lichtständer, desto besser. Denn wenn der Ständer wackelt, beispielsweise durch Vibrationen, die über den Boden übertragen werden, wackelt auch die virtuelle Welt. Das ist ziemlich unangenehm. Zusätzlich braucht man dann noch einen Kugelkopf (1/4″), den man direkt mit den Basisstationen und anschließend mit den Lichtständern verschrauben kann. Dank der Kugellagerung kann man den Winkel der Trackingboxen perfekt auf die eigene Trackingfläche abstimmen. Empfohlen wird ein Winkel von 30 bis 45 Grad.

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Bassistationen: Bluetooth-Standby aktivieren

Ein Feature, das bei der Consumer-Version von HTC Vive gegenüber der sonst baugleichen Entwicklerversion noch hinzugefügt wurde, sind Bluetooth-Empfänger in den Basisstationen. Diese kommunizieren direkt mit der VR-Brille und können die Basisstationen in einen Standby-Modus schicken, sobald man Steam VR ausschaltet. Dieses Feature muss man jedoch erst aktivieren.

Dafür klickt man in Steam VR auf “Einstellungen” und setzt beim Reiter “Allgemein” den Haken bei “Bluetooth-Kommunikation”. Dafür muss man zuvor die Bluetooth-Treiber installieren. Sind diese installiert, findet ihr den Menüpunkt “Basisstationen in den Standby-Modus versetzen”. Auch hier muss ein Haken gesetzt werden. Wenn man Steam VR ausschaltet, kann es zwei bis drei Minuten dauern, bis die Basisstationen in Standby schalten. Sobald das passiert ist, leuchtet zwar das grüne Lämpchen noch, aber das Surren hört auf. Normalerweise sollten die Basisstationen wieder anspringen, sobald Steam VR hochgefahren wird – auch hier braucht es mitunter etwas Geduld. Man kann den Prozess erzwingen, indem man bei der Steam-VR-Benutzeroberfläche einen Rechtsklick auf eine Basisstation tätigt und den Menüpunkt “Basisstationen aufwecken” auswählt.

Knacksgeräusche und Audioprobleme bei der Tonwiedergabe

Vereinzelt berichten Nutzer über Störgeräusche bei der Tonwiedergabe. Dafür kann es mehrere Ursachen geben. Zuerst sollte man überprüfen, ob der Kopfhöreranschluss richtig in der VR-Brille steckt. Dieser verbirgt sich unter der Frontklappe der Vive-Brille, wo auch der Kabelstrang verbunden ist. Die Frontklappe kann man einfach nach vorne schieben. Der Kopfhöreranschluss ist der zweite von links. Falls das das Problem nicht behebt, dann ist wahrscheinlich die USB-Dekodierung schuld an den Störgeräuschen und ein Wechsel auf HDMI könnte helfen. HTC Vive bietet zwei Audio-Treiber: USB und HDMI. Zwischen den beiden Treibern kann man im Windows-Soundmanager oder in den Audio-Einstellungen bei Steam VR wechseln. Sollte auch das keine Abhilfe bringen und der Kopfhörer ist intakt, ist sehr wahrscheinlich ein Upgrade auf eine schnellere CPU fällig.

Supersampling für bessere Grafik

Einen sehr leistungsfähigen PC vorausgesetzt, kann Super- oder Downsampling die Qualität der grafischen Darstellung deutlich verbessern. Beim Super- oder Downsampling berechnet die Grafikkarte eine Auflösung, die über der eigentlichen Ausgabeauflösung (2160 x 1200 Pixel) der Vive-Brille liegt. Das kann zu einem deutlich klareren Bild führen, insbesondere hässliche Treppchenkanten (Aliasing) werden reduziert. Allerdings kostet die höhere Auflösung auch massiv Performance. Und eine stabile Bildwiederholrate ist für Virtual Reality wichtiger als eine schöne Grafik. Eine Anleitung für das Supersampling gibt es hier.

Schmeißt den Vive-Karton nicht weg oder kauft einen Dekokopf

Es ist wichtig, dass man die Linsen der VR-Brille vor Staub schützt. Dafür eignet sich der mitgelieferte Karton sehr gut, der aus vielen kleinen einzelnen Kartons besteht. Den für die VR-Brille und auch die Controller kann man entnehmen und beispielsweise in eine entsprechend tiefe Schublade stellen. Damit der Karton dort nicht ständig rutscht, hat HTC sogar eine selbstklebende Mini-Antirutschmatte beigelegt. Alternativ kann man die VR-Brille auch schützen, indem man sie auf einen Dekokopf oder Kopfhörerständer setzt. Achtet in jedem Fall darauf, dass kein direktes Sonnenlicht auf die Linsen trifft. Sonst können schnell bleibende Schäden an Linsen und Display entstehen.

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HTC Vive passt in eine ausreichend tiefe Schublade. Bild: Reddit Raojason

HTC Vive passt in eine ausreichend tiefe Schublade, die Schaumstoffumrandung wird mit der Originalverpackung mitgeliefert. Bild: Reddit Raojason

Probleme bei der Installation oder dem Tracking

Pauschale Ratschläge sind hier schwierig, aber es gibt häufige Übeltäter, die man ausschließen kann. Zuerst sollte man die Steam-VR-Umgebung neu installieren und sich für das Beta-Programm einschreiben. Dort könnten mögliche Software-Bugs bereits behoben sein.

Bei Trackingproblemen können Spiegelungen im Raum der Verursacher sein. Selbst eine relativ kleine, aber reflektierende Oberfläche, kann das Trackingsystem grundlegend stören. Spiegelnde TVs und Monitore oder Fenster mit viel Sonnenlicht sollte man abdecken. Im Auslieferungszustand sind auf den Lighthouse-Boxen Plastikfolien angebracht, die entfernt werden müssen. Außerdem sollten die Boxen ausreichend hoch und im richtigen Winkel angebracht werden, damit sie sich jederzeit gegenseitig sehen. Wenn die Boxen sich nicht gegenseitig sehen, muss das beigelegte Kabel für die Synchronisation eingesteckt werden.

Kamera und Bluetooth ausschalten

Falls die Probleme weiterhin bestehen, sollte man versuchen, die Bildwiederholrate der integrierten Kamera von 60FPS auf 30FPS zu reduzieren oder sie sogar ganz zu deaktivieren. Das spart Bandbreite und vermeidet mögliche Fehler im Zusammenspiel mit den Anwendungen. Auch die Bluetooth-Treiber können vereinzelt Ausfälle verursachen. Die Basisstationen der Consumer-Version haben Bluetooth-Empfänger integriert, die mit der VR-Brille kommunizieren und das Trackingsystem synchron mit Steam VR an- oder ausschalten. Das ist ungemein praktisch, funktioniert aber nicht auf jedem System immer reibungslos.

Zusätzlicher USB-Port versteckt sich unter der Frontklappe

Ähnlich wie das zweite Entwicklerkit der Oculus-Rift-Brille hat auch HTC Vive einen USB-Port direkt im Gehäuse verbaut. Dieser verbirgt sich unter der Frontklappe, wo der Kabelstrang mit der VR-Brille verbunden ist. Die Frontklappe kann man einfach nach vorne wegschieben. Leider ist der Port nicht für die Trackingkamera Leap Motion geeignet, da er nicht die notwendige Bandbreite bereitstellt und daher die Präzision des Fingertrackings leidet.

Oculus Rift an die Kabelbox von HTC Vive anschließen

Wer beide VR-Brillen für den PC besitzt, muss nicht jedes Mal hinter den Rechner krabbeln, um die Kabel auszutauschen. Auch Oculus Rift läuft mit der mitgelieferten Kabelbox von HTC Vive. Allerdings ist dafür meist ein Reset notwendig. Dafür reicht es, wenn man kurz den Stromadapter an der Rückseite der Kabelbox herauszieht, die Rift-Brille anschließt und dann die Box wieder mit dem Strom verbindet. Auf die gleiche Art funktioniert natürlich auch der Wechsel von Oculus Rift zurück auf HTC Vive.

| Featured Image: HTC