0

HTC Vive: Tobii zeigt neue Anwendungsszenarien fürs Eye-Tracking

von Matthias Bastian24. Juni 2017

Eye-Tracking für VR-Brillen ist eine echte Tausendsassa-Technologie. Das schwedische Unternehmen Tobii zeigt einige Anwendungsszenarien.

Seit Ende Mai bietet Tobii Entwicklern eine modifizierte Vive-Brille an, die hinter den Linsen mit zusätzlichen Infrarotkameras ausgerüstet ist. Die kleinen Kameras scannen die Bewegungen der Pupille in Echtzeit und übermitteln die Blickrichtung ohne spürbare Verzögerung an Tobiis Entwicklungsumgebung.

Mit dieser können Entwickler die Augenbewegungen des VR-Brillenträgers in ihre App integrieren. Beispielsweise lassen sie den Nutzer virtuell Blickkontakt mit anderen digitalen Charakteren aufnehmen oder Menüs nur mit Blicken steuern.

Die Blickerfassung ermöglicht außerdem ein neues Renderverfahren, bei dem nur der vom Auge fokussierte Punkt mit aufwendigen Effekten und maximaler Auflösung berechnet wird. Beim sogenannten “Foveated Rendering” werden alle grafischen Elemente außerhalb des Fokuspunkts mit weniger Details dargestellt, was potenziell eine Menge Performance freisetzt.

Allerdings ist das fortschrittliche Renderverfahren laut Oculus-Technikchef Michael Abrash noch einige Jahre von der Marktreife entfernt.

VR-Eye-Tracking in der Werbeanalyse, Psychologie und Medizin

In einem Video (siehe unten) zeigt Tobii mögliche Anwendungsszenarien für Virtual Reality samt Blickerfassung. Supermärkte könnten untersuchen, welche Produkte im Einkaufsregal besonders stark beachtet werden und wie sich ein veränderter Aufbau auf die Wahrnehmung auswirkt. Die identische Untersuchung wäre in der Realität bei gleichem Ergebnis deutlich zeitaufwendiger.

In anderen Anwendungsszenarien analysiert das Eye-Tracking, wie Chirurgen im Operationssaal ihre Aufmerksamkeit verteilen oder wie Piloten im Flugzeug ihre Bordinstrumente betrachten. Basierend auf dem Ergebnis der Analyse kann die reale Arbeitsumgebung optimiert werden.

Auch in der Therapie könnte Eye-Tracking helfen. Ein Patient mit Arachnophobie, der sich mit virtuellen Spinnen quälen lässt, könnte die Augen nicht mehr verschließen oder wegschauen, ohne dass es der Therapeut oder die App registriert. Außerdem könnten die Therapieprogramme noch genauer auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt werden und neue Trainingsszenarien ermöglichen.

Laut T0bii-CEO Tom Englund soll die aktuelle Version der Tracking-Kameras nahtlos ins Gehäuse der Vive-Brille passen und nicht weiter auffallen. Vorherige Implementierungen seien umständlich gewesen und hätten Teile des Sichtfelds verdeckt. Tobii unterstützt zwar primär HTC Vive, die Kameras können aber auch in jede andere VR-Brille integriert werden.

Eye-Tracking kommt – aber wann und wie gut?

Auch das chinesische Startup 7invensun arbeitet an einem Modul, mit dem man HTC Vive um Eye-Tracking erweitern kann. Das Produkt heißt aGlass und wird seit Mai an Entwickler in China ausgeliefert.

Es kostet umgerechnet 220 US-Dollar und soll ab dem dritten Quartal 2017 auch außerhalb Chinas erhältlich sein. Laut HTC könnten sich Spieler mit dem Eye-Tracking-Upgrade den Kauf einer neuen, teuren Grafikkarte sparen, da das Zubehör die Bildwiederholrate mitunter verdoppeln können soll.

Bereits als Entwicklerversion erhältlich ist die VR-Brille Fove mit integriertem Eye-Tracking-System. Das Gerät wird jedoch kaum einen signifikanten Marktanteil erreichen können. Viel wahrscheinlicher ist es, dass das Wissen des gleichnamigen Herstellers für eine Next-Generation-Brille der großen Konzerne verwertet wird.

| Featured Image: Tobii

Empfohlene Artikel: