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HTC Vive: Überarbeitetes Trackingsystem soll deutlich günstiger werden

von Matthias Bastian29. November 2016

Das Trackingsystem Lighthouse ist das Aushängeschild der VR-Brille HTC Vive. Entwickelt wurde es komplett von Valve – und das Unternehmen arbeitet bereits an einem Upgrade, das in 2017 erscheinen soll und möglicherweise deutlich günstiger wird.

Auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz “Steam Dev Days” sprach Valves Ingenieur Ben Jackson über mögliche Verbesserungen für die Basisstationen des Trackingsystems Lighthouse. Derzeit arbeiten in jeder kleinen Box zwei Motoren, die in hoher Frequenz Laserlicht in den Raum werfen. Das Licht trifft auf die VR-Brille sowie die 3D-Controller und wird von dort weiterverarbeitet, um die Position im Raum zu bestimmen. Ein Motor wirft die Laserstrahlen senkrecht, der andere waagrecht aus – so werden die Koordination der VR-Brille samt Zubehör auf einer X- und einer Y-Achse erfasst.

Jackson beschreibt eine neue Methode, bei der die Laserstrahlen in einer V-Form durch den Raum gesendet werden, um beide Koordinaten gleichzeitig zu erfassen. Die Folge: Es müsste pro Trackingbox nur noch ein Motor verbaut werden. Das reduziert das Gewicht, den Stromverbrauch, die Fehleranfälligkeit und die Lautstärke der Basisstationen sowie den Preis. Hinzu kommt, dass der Hersteller des Trackingchips Triad Semiconductor an einem speziell auf die Bedürfnisse von SteamVR abgestimmten Prozessor arbeitet. Das könnte die Kosten bei der Herstellung weiter senken.

Die Webseite Road to VR spekuliert, dass die Ersparnis bei bis zu 50 Prozent pro Trackingbox liegen könnte. Eine Trackingbox kostet derzeit 155 Euro, wenn man den Preis einer Ersatzlieferung als Maßstab nimmt – in der Herstellung dürften die Geräte deutlich günstiger sein. Dennoch könnte HTC den Preis für die Vive-Brille wohl deutlich senken, wenn die von Valve für Lighthouse geplanten Verbesserungen greifen.

Dass eine neue Version von Lighthouse in Entwicklung ist und 2017 erscheint, kündigte Valve ebenfalls auf der eigenen Entwicklerkonferenz Mitte Oktober an.

Macht Valve mit Lighthouse einen Alleingang?

Womöglich hat Valve eine gänzlich andere Interessenlage, die mit der Vive-Brille und HTC nur mehr am Rande zu tun hat. Das Unternehmen dürfte versuchen, Lighthouse als Industriestandard für das räumliche Tracking zu etablieren. Laut Jackson plant Valve im kommenden Jahr, OEM-Versionen der Basisstationen zu produzieren und diese anderen Herstellern zur Verfügung zu stellen.

Gleichzeitig bildet Valve seit September 2016 Ingenieure und Entwickler aus Unternehmen weiter und bringt ihnen bei, wie sie das Trackingsystem optimal einsetzen können. Wer den Kurs erfolgreich durchläuft, darf Lighthouse anschließend kostenfrei lizenzieren. Laut Valve sind mehr als 300 trackbare Zusatzgeräte für das Entertainment, die Automobilindustrie sowie die Bereiche TV und Spielzeug in Planung. Viele davon sollen in 2017 erscheinen.

Natürlich gibt Valve all das Wissen nicht aus reiner Nächstenliebe frei: Diese Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, dass die Steam-Plattform wächst und sich in Bereichen außerhalb des Gaming als Marke und Vertriebskanal für Software etabliert.

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