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HTC Vive: Vive-Zone kommt in chinesische Internetcafés

von Carolin Albrand24. Dezember 2015

HTC arbeitet in Zukunft mit ShunWang-Technology zusammen, Chinas größtem Software-Provider für Internetcafés. Das gab das Unternehmen auf dem HTC ‘Vive Unbound’-Event für VR-Entwickler in Beijing bekannt. Damit sichert sich HTC Millionen potenzieller neuer Virtual-Reality-Nutzer.

Als Produkt möchten die beiden Unternehmen Internetcafé-Besuchern in China eine Art Arcade im Café bieten, die sogenannte “Vive-Zone”: Im Pilotprojekt können Nutzer einen speziellen Vive-Raum mieten, in dem die VR-Brille mit aktuellen Spielen ausprobiert werden kann. Je nach Spiel kosten zehn Minuten umgerechnet rund zwei bis fünf US-Dollar. „Die nachhaltige Entwicklung von VR-Spielen braucht Hardcore-Spiele, die hauptsächlich von Internetcafé-Plattformen unterstützt werden,” meint Hua Yong, Vorsitzender von ShunWang und ist sich sicher: „Als größter Internetcafé-Provider in China werden wir unser vorhandenes Netzwerk und unsere Anpassungsfähigkeit in der Industrie nutzen, um die besten VR-Experiences zu Millionen von Internetcafé-Spielern zu bringen.”

Die Software von ShungWang-Technology nutzen mehr als 100.000 Internetcafés in China, womit das Unternehmen 70 Prozent des dortigen Marktes dominiert. Nach Angaben des Unternehmens werden bis zu 100 Millionen Kunden erreicht. Ein großer potenzieller Markt für HTC Vive. Wie viele Internetcafés letztlich mit einer speziellen “Vive Zone” ausgestattet werden sollen, steht noch nicht fest. Allerdings wird Vive exklusiv mit ShungWang-Technology arbeiten. Bei der Kooperation wird HTC ausschließlich die Geräte stellen – der Internetcafé-Provider wird sich um die Kosten, die gezeigten Spiele und den täglichen Betrieb der Vive-Spielräume kümmern.

Im asiatischen Raum sind Internetcafés speziell für Spieler deutlich populärer als im westlichen Raum. Das hat insbesondere mit den relativ hohen Kosten für die entsprechende PC-Hardware zu tun, die sich viele chinesische Spieler nicht leisten können. Gegen einen geringen Betrag pro Stunde können die Café-Besucher einen hochwertigen PC nutzen, um damit Spiele zu spielen oder im Netz zu surfen. Da HTC Vive in Kombination mit einem sehr leistungsfähigen PC für viele Chinesen zu teuer sein dürfte, passt das angedachte Modell perfekt zum Markt. Nicht zuletzt, da auch der Wohnraum in China begrenzt ist und Vive eine großzügige Fläche braucht, um das leistungsfähige Trackingsystem voll auszureizen. Für HTC ist diese Kooperation ein wichtiger Schachzug, um im VR-Wettrennen in China gegenüber Oculus und Co. die Oberhand zu gewinnen.

Da in Europa und speziell in Deutschland Internetcafés und Spielhallen fast ausgestorben sind, ist es unwahrscheinlich, dass sich das Modell gut auf den hiesigen Markt übertragen lässt. Denkbar ist, dass wenigstens zu Demozwecken in Kaufhäusern, Kinos, Freizeitparks und ähnlichen Entertainment-Umgebungen entsprechende Vive-Zones aufgebaut werden. Das würde auch die Probleme des Marketing lösen: Virtual Reality lässt sich am besten verkaufen, wenn Menschen sie selbst erfahren – klassische Werbespots dürften kaum Wirkung erzielen.