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HTC Vive: Viveport ist keine Konkurrenz für Steam

von Tomislav Bezmalinovic30. September 2016

Rikard Steiber ist einer der führenden Köpfe in HTCs VR-Sparte. Seine derzeitige Aufgabe ist der weltweite Launch von Viveport, der hauseigenen Vertriebsplattform für VR-Anwendungen. Im Interview sprechen wir über die Philosophie hinter Viveport, über exklusive Inhalte und das Verhältnis zu Valve.

VRODO: Hallo Rikard. Was sind die längerfristigen Ziele, die HTC mit Viveport verfolgt?

Rikard Steiber: Unsere Mission ist, VR-Anwendungen allen Menschen zugänglich zu machen. In der virtuellen Realität können Menschen den Gipfel des Mount Everest besteigen oder zum Meeresgrund hinabtauchen, sie können sogar den Mars erforschen. Wir wollen, dass alle Menschen diese Orte besuchen können. Außerdem wollen wir über den Tellerrand des Gaming schauen und neue Kategorien von VR-Erfahrungen fördern. Unsere Kunden sollen Welten entdecken, Dinge erschaffen, sich mit ihren Freunden treffen und neue Formen des Storytelling erleben.

VRODO: HTC muss Viveport sowohl Entwicklern als auch Nutzern schmackhaft machen, damit sich die Plattform neben Steam und Oculus Home etablieren kann. Mit “Premieres” lanciert HTC ein Programm, das zeitlich begrenzte Exklusivität für bestimmte Inhalte vorsieht. Kannst Du uns mehr über Premieres sagen?

Rikard Steiber: Premieres sind Inhalte, die von Entwicklern zuerst auf Viveport veröffentlicht werden, bevor sie auf anderen Plattformen erscheinen. Wie gesagt wollen wir uns mit Viveport auf neue Kategorien von VR-Erfahrungen fokussieren, die über reines Gaming hinausgehen, wie zum Beispiel Bildung und Kreativität. Würden diese Anwendungen in einem anderen App Store veröffentlicht, würden sie gar nicht wahrgenommen.

Wir sorgen dafür, dass Entwickler solcher Anwendungen die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen, sodass sie Erfolg haben und wachsen können. Zugleich eröffnen wir VR damit einer sehr viel breiteren Schicht von Kunden, etwa Lehrern oder Künstlern.

“Wir haben keine Exklusivdeals mit Entwicklern.” Rikard Steiber, HTC

VRODO: Ich habe an der diesjährigen E3 mit Joel Breton, dem Vice President of Content für HTC Vive, gesprochen. Er sagte zu mir, dass HTC einen sehr offenen Ansatz verfolge, was die Distribution von Inhalten angehe. Er meinte, dass offene Plattformen sowohl für Kunden als auch für die VR-Industrie vorteilhaft seien. Widerspricht Premieres nicht dieser Philosophie, da Inhalte für eine gewisse Zeit nur auf Viveport erhältlich sein werden?

Rikard Steiber: Nein, wir haben keine Exklusivdeals mit Entwicklern. Wir empfehlen Entwicklern ihre Inhalte auf so vielen Plattformen wie möglich zu veröffentlichen. Aber auf welchen Plattformen und Geräten sie ihre Software veröffentlichen, darauf haben wir keinen Einfluss. Es ist allein ihre Entscheidung, zuerst auf Viveport zu veröffentlichen.

VRODO: Die Entwickler entscheiden also, ob und wie lange ihre Software ausschließlich auf Viveport erhältlich ist?

Rikard Steiber: Ja, das entscheiden sie zu 100 Prozent selbst. Aber ich bin sicher, dass sie ihre Produkte auch auf anderen Plattformen veröffentlichen werden.

VRODO: Aber ist es nicht auch im Interesse von HTC, dass Inhalte, wenn auch nur für gewisse Zeit, exklusiv auf Viveport erhältlich sind? Die Kunden sollen ihre Software künftig auf Viveport und nicht in anderen App Stores wie Steam kaufen, weil das große Geld nicht mit dem Verkauf von Hardware, sondern von Software verdient wird.

Rikard Steiber: Wir stellen keine Konkurrenz für Steam dar, sondern ergänzen Steam mit unserer Philosophie, VR-Erfahrungen abseits des Gamings zu fördern. Es gibt einen Laden für Schuhe und einen Laden für Kleider. Wichtig ist, dass die Inhalte auf beiden Plattformen verfügbar sind.

“Wir beginnen mit der VR-Brille Vive, aber wir planen, weitere Geräte hinzuzufügen.” Rikard Steiber, HTC

 VRODO: Steam unterstützt auch Oculus Rift, sodass ich mit Oculus Rift VR-Spiele auf Steam spielen kann. Wird Viveport das auch anbieten?

Rikard Steiber: Wir glauben, dass VR nur dann erfolgreich sein wird, wenn Entwickler und Nutzer frei entscheiden können, welche Plattformen sie nutzen möchten. Unsere längerfristige Vision ist es, aus Viveport einen App Store zu machen, der plattform- und geräteunabhängig ist. Wir beginnen mit der VR-Brille Vive, aber wir planen, weitere Geräte hinzuzufügen. Ich denke, dass Steam ein sehr gutes Modell hat.

VRODO: Auf der Gamescom hatten wir Gelegenheit, mit Graham Breen zu reden, der HTC Vive Projektmanager für Europa ist. Er sagte uns, dass die Partnerschaft mit Valve exzellent sei. Kannst Du uns etwas über eure Partnerschaft mit Valve sagen, jetzt da HTC einen eigenen App Store startet?

Rikard Steiber: Zwischen HTC und Valve besteht eine sehr starke Verbindung. Wir arbeiten täglich mit ihnen zusammen. Viveport gibt es ja schon seit längerem in China, weil es für amerikanische Unternehmen schwierig ist, dort Geschäfte zu treiben. Jetzt bauen wir auf dem Erfolg von Steam auf und ergänzen das Angebot mit einer Vermarktungsphilosophie, die Entwicklern zugute kommt, die VR-Erfahrungen abseits von Spielen anbieten.

VRODO: Mit dem weltweiten Launch von Viveport erscheinen viele neue Anwendungen für HTC Vive. Was für Anwendungen werden das sein?

Rikard Steiber: Es werden zahlreiche neue Titel erscheinen, die außerhalb Asiens bisher noch niemand gesehen hat. Wir sind noch in der Startphase, aber unsere Nutzer werden in den kommenden Wochen und Monaten eine Flut herausragender Software erleben.

“Unsere Inhalte sind handverlesen und müssen den höchsten Ansprüchen genügen.” Rikard Steiber, HTC

VRODO: Was muss ein Entwickler tun, damit seine Software auf Viveport erscheint?

Rikard Steiber: Es ist ganz simpel. Man geht auf unsere Entwicklerseite und registriert sich als Entwickler. Dann lädt man seine Software hoch, wählt eine Kategorie aus und definiert, in welchen Ländern die Anwendung verkauft werden soll. Danach überprüfen wir die Software in technischer und qualitativer Hinsicht und geben das Feedback an die Entwickler zurück.

Wir helfen Entwicklern auch, ihre Produkte in China zu vermarkten, indem wir ihnen Lizenzen besorgen und Übersetzungen in die chinesische Sprache anbieten. Die Entwickler sagen uns anschließend, wann die Anwendung veröffentlicht werden soll und dann sorgen wir dafür, dass gut für das Projekt geworben wird. Unsere Inhalte sind handverlesen und müssen den höchsten Ansprüchen genügen. Dank Filtern findet man als Nutzer sehr schnell, was man sucht. Als Entwickler kann man auf Verkaufsstatistiken und dergleichen zurückgreifen.

VRODO: Kannst Du mir noch etwas über Vive Home erzählen, die VR-Benutzeroberfläche von Viveport?

Rikard Steiber: Vive Home soll dein ganz persönlicher Raum werden. Es bietet virtuelle Umgebungen, die man austauschen kann, etwa eine Villa am Meer oder der Kontrollraum des Todessterns. In diesen Raum können animierte Objekte importiert werden, etwa ein R2D2-Roboter.

Viveport wird viele solcher Objekte anbieten, mit denen man seinen Raum ausstatten kann. Außerdem kann der Nutzer in Vive Home auf einfache Weise Fotos betrachten oder ein Browserfenster öffnen, um sich Youtube-Videos anzuschauen. Filme können aber auch direkt von der Festplatte geladen und in einem virtuellen Kinosaal geschaut werden. Der soziale Faktor ist uns auch wichtig. Vive Home soll ein Ort werden, wo man sich mit Freunden trifft, miteinander Zeit verbringt und gemeinsam in die virtuelle Realität aufbricht.

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