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HTC Vive: TPCast erscheint im zweiten Quartal, kostet 249 US-Dollar *Update*

von Matthias Bastian10. Januar 2017

Update vom 10. Januar 2017:

Norman Chan von der US-Seite Tested hat TPCast auf der CES ausprobieren können und ein Youtube-Video dazu veröffentlicht. Das Fazit fällt durchweg positiv aus. Der Techjournalist habe nach eigenen Aussagen keinen Unterschied zur kabelgebundenen VR-Erfahrung gemerkt.

Im Video sieht man, dass der Receiver, der auf dem Kopf des Anwenders ruht, mit mehreren Kabel verbunden ist: Einerseits ein HDMI- und ein USB-Kabel, welche die vom Transmitter übermittelten Bild- und Toninformationen an die VR-Brille weiterleiten. Andererseits ein Netz- und USB-Kabel, das zur Batterie führt.

Wird das Videosignal unkomprimiert übermittelt?

Norman Chan spricht im Video mit einem Gründer von TPCast. Diesem zufolge werden die Bild- und Toninformationen, die der Transmitter vom PC erhält und drahtlos an den Receiver übermittelt, nicht komprimiert (zu hören bei 1:20) . Das System setzt für die drahtlose Datenübertragung auf WirelessHD, das in einem Frequenzbereich von 60 Ghz operiert und bis zu 3,5 Gigabyte an Daten pro Sekunde übermitteln kann.

Der Nachteil von WirelessHD und ähnlicher Technologien ist, dass sie nur über eine kurze Distanz von bis zu 10 Metern funktionieren und dass der Transmitter zum Receiver Sichtkontakt haben muss, da es ansonsten zu Unterbrüchen bei der Datenübertragung kommt. Das ist ein Grund, weshalb der Transmitter wie HTCs Basisstationen erhöht positioniert wird.

Die Technologie des Wireless-Moduls sei aber sehr robust, versichert der Gründer von TPCast. Norman Chan versucht in dem Video, das Signal mit den Händen zu unterbrechen. Ihm zufolge sei es erst zu Unterbrüchen bei der Datenübertragung gekommen, als er den Receiver mit beiden Händen vollständig abdeckte.

An den PC angeschlossen wird der Transmitter und ein USB-Dongle

Norman Chan fragt als nächstes, wie die Bewegungsinformationen der VR-Brille zurück zum PC gelangt. Der TP-Cast Gründer sagt, dass das System die Daten drahtlos an den PC übermitteln könne. Die VR-Brille ist über ein USB-Kabel mit dem auf dem Kopf ruhenden Receiver verbunden. Wahrscheinlich ist es der Receiver, der die Bewegungsinformationen über Wi-Fi an einen USB-Dongle weiterleitet, der mit dem PC verbunden wird.

Die Batterie, die bekanntlich bis zu zwei Stunden durchhält, kann auf leichte Weise mit der größeren XL-Batterie ausgetauscht werden, die fünf Stunden halten und etwas später erscheinen soll. Das Gewicht der Batterie ist nicht bekannt, der Receiver soll abzüglich der Kabel 86 Gramm schwer sein.

Norman Chan berichtet außerdem davon, dass der Receiver während des Spielens warm werden kann. Dieser Effekt werde allerdings durch den neuen Audio Deluxe Strap abgemildert.

Update vom 9. Januar 2017:

Nach UploadVR und The Verge berichtet nun auch Heise positiv über TPCast. Jan-Keno Janssen schreibt, dass er im Vergleich zur kabelgebundenen Vive keine zusätzliche Latenz gespürt habe. Kompressionsartefakte seien ebenfalls nicht auszumachen gewesen. Gelegentlich sei es zwar zu kurzen Rucklern gekommen, die allerdings auch bei der normalen Vive auftreten und auf Interferenzen im Raum zurückzuführen sein könnten.

Janssen konnte auf der Messe auch zwei Konkurrenzprodukte ausprobieren: Mach-2K von Immersive Robotics und Rivvr von Sixa. Bei Mach-2K mache sich wie bei TPCast keine zusätzliche Latenz spürbar, allerdings hinterlasse das Kompressionsverfahren deutliche Spuren: Bei der Demonstration von “The Blu: Whale Encounter” seien Abstufungen bei Farbverläufen zu sehen, die bei der kabelgebundenen Version nicht zu erkennen sind. Bei der Ankündigung des Produkts im Dezember hat Immersive Robotics die Vorzüge des hauseigenen Kompressionsverfahrens besonders hervorgehoben. Die Demo wurde mit HTC Vive gezeigt, Oculus Rift soll bei Erscheinen des Produkts ebenfalls unterstützt werden.

Bei Rivvr verhält es sich umgekehrt: Die Bildqualität leide zwar nicht, aber die Latenz sei deutlich spürbar, schreibt Janssen. Im Gegensatz zu TPCast soll Rivvr sowohl HTC Vive als auch Oculus Rift unterstützen. Laut dem Bericht will Sixa bereits ab diesem Wochenende Vorbestellungen entgegennehmen, ausgeliefert wird das Kit im Frühling.

Das vierte und letzte Wireless-Kit, das bisher angekündigt wurde, ist KwikVR für HTC Vive und Oculus Rift. Upload VR konnte das Gerät auf der CES ausprobieren und berichtet im Gegensatz zu TPCast von einer spürbaren Latenz. Somit scheint TPCast derzeit noch die überzeugendste Wireless-Lösung zu sein, da sowohl Latenz als auch Bildqualität stimmen.

Update vom 6. Janur 2017:

Die weltweiten Vorbestellungen starten am Ende des ersten Quartals, der Versand soll im zweiten Quartal erfolgen.

Update vom 5. Januar 2017:

HTC kündigt im einem Blogeintrag an, dass TPCasts Wireless-Kit im zweiten Quartal 2017 auf den Markt kommen und 249 US-Dollar kosten wird. Die Batterie soll 90 Minuten durchhalten, eine XL-Version, die 5 Stunden ohne Strom auskommt, wird später auf den Markt kommen. Das Wireless-Kit wird nicht von HTC, sondern vom Hersteller direkt vertrieben.

“Unser Ansatz für Wireless und Virtual Reality ist derselbe wie bei der Vive-Brille: Wireless wird ein offener Standard und wir wollen jedes Unternehmen unterstützen, das eine Lösung für drahtlose VR mit tiefer Latenz anbietet”, sagte Daniel O’Brien, der Präsident von HTC Vive für Nordamerika und Europa während einer Pressekonferenz auf der CES. “Wir sind sicher, dass drahtlose VR einen bedeutenden Beitrag zum Vive-Ökosytem in 2017 leisten wird.”

Das US-Techblog The Verge konnte TPCast auf der Messe ausprobieren. In dem Bericht heißt es: “TPCast weist wenig bis gar keinen Lag auf. Manchmal wurden einige Bilder übersprungen, aber das könnte auch an Beeinträchtigungen des Trackings in einem überfüllten Demobereich gelegen haben. […] Das Beste, was ich über TPCast sagen kann ist, dass ich often vergessen habe, dass ich es nutzte. […] Wenn TPCast in der Praxis so gut funktioniert wie hier gezeigt, könnte es ein Game-Changer für raumfüllende VR werden.”

Bemängelt wurde, dass die Lösung nicht ganz frei von Kabeln wäre: Die Batterie muss mit einem Kabel an die VR-Brille angeschlossen und in die Hosentasche gesteckt werden. Wer ein Kleid trägt, könnte damit Probleme bekommen.

Ursprünglicher Artikel vom 20. Dezember 2016:

Der US-Blog UploadVR hatte Gelegenheit zu einem ersten Hands-on mit Tpcasts Wireless-Receiver für HTC Vive. Mitarbeiter von Tpcast waren anwesend und beaufsichtigten den Test, halfen bei der Installation.

In China werden ab nächstem Jahr zwei Versionen des Wireless-Kits verkauft mit unterschiedlich großen Batterien. Der Akku wirkt sich am stärksten auf das Gesamtgewicht der Brille aus. Der stärkere Akku hält fünf Stunden, der kleinere und leichtere soll es auf zwei Stunden bringen. Trotz des zusätzlichen Gewichts soll sich die VR-Brille insgesamt leichter anfühlen als mit dem recht schweren Standardkabel, das auf der Rückseite herausragt.

Das Highspeed-Wlan von Tpcast soll bei idealen Bedingungen eine Fläche von 25 Quadratmetern abdecken können. Getestet wurde das Kit in einem Trackingbereich von 4 x 2,6 Meter.

Die Installation ist etwas aufwendiger: Der Videotransmitter hat ein Sichtfeld von circa 160 Grad und wird im Optimalfall mittig über der Trackingfläche montiert. Laut Tpcast kann der Transmitter alternativ direkt neben einer der beiden Trackingboxen installiert werden, bietet dort aber nicht die maximale Performance.

Ergänzend wird noch ein Router benötigt, der mit einem PC verbunden ist. Bei einer kommerziellen Veröffentlichung des Wifi-Kits soll ein einfacher Dongle reichen, der direkt an den PC gesteckt wird. Das Streaming der Bilddaten erfolgt über den Transmitter am Kopf, die Bewegungsdaten von Kopf und Händen werden via Router transportiert.

So sieht der Wireless-Transmitter aus. Bild: UploadVR

So sieht der Wireless-Transmitter aus. Bild: UploadVR

Keine spürbare Latenz im Vergleich mit der kabelgebundenen VR-Brille

Der wohl wichtigste Teil des Reviews: Der Tester gibt an, “hunderte Stunden” mit der kabelgebundenen HTC Vive durch VR-Welten gewandert zu sein. Im Vergleich zur verkabelten Version spürte er mit dem Wireless-Kit keinen Unterschied bei der Latenz – das Bild wird beinahe ohne Verzögerung übertragen. Laut Tpcast soll der kabellose Übertragungsweg weniger als 2 ms Latenz hinzufügen.

Berichtet wird über vereinzelte Bildaussetzer und Kompressionsartefakte, wie bei einem niedrig aufgelösten Videostream. Diese Aussetzer sollen jedoch nur selten vorkommen. Insgesamt sei das Nutzererlebnis auf Augenhöhe mit der kabelgebundenen HTC Vive.

Laut UploadVR soll der Videostream im 60-Ghz-Netz funken und die Videodaten mit einer Auflösung von 2160 x 1200 Pixel senden. Das entspricht der nativen Auflösung der Vive-Brille. Details zum Kompressionsalgorithmus verrät Tpcast nicht. Dieser sei die “geheime Zutat”.

Veröffentlichung in den USA in 2017

Ein kommerzieller Release in den USA ist für 2017 geplant. Ein genaues Datum oder der Preis stehen noch nicht fest. In China erscheint die kommerzielle Version im ersten Quartal 2017. Im Herbst wurden erste Entwicklerkits versendet. Neuigkeiten zu den Veröffentlichungsplänen soll es auf der CES 2017 Anfang Januar in Las Vegas geben.

Sicherheitsbedenken hat das Unternehmen nicht. Laut dem Gründer Michael Liu soll ein Smartphone potenziell gefährlicher sein. Der Adapter ist gerade im Sicherheitscheck bei der FCC, der US-amerikanischen Zulassungsstelle für Kommunikationsgeräte.

Derzeit kann Tpcast nicht garantieren, dass die Wireless-Technologie unter allen Bedingungen optimal läuft. Es könne zu Interferenzen mit anderen Funknetzen kommen. “Die Technologie ist kompliziert”, sagt Liu. “Wir versuchen unser Bestes.”

Für die Zukunft plant Tpcast die Unterstützung anderer VR-Brillen. Ein Zeitplan dafür exisitiert noch nicht, aktuell ist das Unternehmen voll auf HTC Vive fokussiert. Tpcast arbeitet auch an einer 4K-Version des Wifi-Adapters, der mit der kommenden Generation VR-Brillen kompatibel sein könnte.

Eine Alternative für Besitzer von Oculus Rift könnte das Wireless-Kit des Unternehmens Rivvr sein, das laut einem ersten Testbericht ebenfalls gut funktioniert.

| Featured Image: UploadVR | Source: UploadVR

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