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Im Biohub erforscht Facebook Biomedizin – Perspektive für VR und AR?

von Matthias Bastian22. September 2016

Mit 600 Millionen US-Dollar bauen Facebook-Chef Marc Zuckerberg und Kinderärztin Priscilla Chan eine Forschungseinrichtung auf, die für einen Durchbruch in der Biomedizin sorgen soll.

Das Ziel der beiden Milliardäre erscheint allemal ehrenhaft: Sie wollen bis Ende des Jahrhunderts sämtliche Krankheiten besiegen. Schon die aktuelle Generation Kinder soll ohne die Angst aufwachsen, lebensbedrohlich zu erkranken.

Um dieses große Versprechen Realität werden zu lassen, bringt Facebook im sogenannten “Biohub” etablierte Wissenschaftler aus naturwissenschaftlichen Feldern wie Biologie und Chemie mit Ingenieuren zusammen. Gemeinsam sollen sie die Werkzeuge entwickeln, mit denen Krankheiten früher erkannt und besser behandelt werden können. Der Biohub wird mit 600 Millionen US-Dollar über einen Zeitraum von zehn Jahren finanziert.

Das unabhängige Forschungszentrum wird in Partnerschaft mit den Universitäten von Stanford, San Francisco und Berkeley betrieben. Leiter sind Joseph DeRisi, Professor für Biochemie und Biophysik an der Universität Kalifornien und Stephen Quake, Professor für Bioengenieering und angewandte Physik an der Universität Stanford.

Schwerpunkte in der Forschung sind unter anderem die Neurowissenschaften und künstliche Intelligenz, um besser zu verstehen, wie unser Gehirn arbeitet. Selbstlernende Algorithmen und spezielle Biochips sollen Warnsignale frühzeitig erkennen und Diagnosen präzisieren – bevor die Krankheit überhaupt ausbricht.

Auch Virtual und Augmented Reality werden vom Biohub profitieren

Zwar sprachen Chan und Zuckerberg bei der Vorstellung des Biohubs ausschließlich über die medizinische Forschung. Klar ist jedoch, dass die Forschungs- und Arbeitsergebnisse für ein grundlegenderes Verständnis dafür sorgen sollen, wie unser Körper und speziell das Gehirn funktioniert. Die zu erforschenden Werkzeuge dürften daher auch der Techindustrie dabei dienen, neue Medien und Interfaces zu entwickeln.

Gerade die Virtual- und Mixed-Reality-Branche ist auf Fortschritte in der Biomedizin angewiesen. Viele grundlegende Probleme rein virtueller Welten – fehlendes Gewicht, eingeschränkte Fortbewegung, keine Haptik – sind mit dem derzeitigen Stand der Technologie kaum zu bewältigen.

Aktuellen VR-Systemen gelingt es gerade einmal, unsere Sicht und das Gehör einigermaßen überzeugend zu täuschen. Für die Realisierung glaubhafter virtueller Parallelwelten, wie man sie aus zahlreichen Sci-Fi-Erzählungen kennt und wie sie im Silicon Valley teils prophezeit werden, bräuchte es grundlegend anderer technologischer Ansätze auf Basis der Biomedizin und des Bioengineering.

Gegenüber Bloomberg äußerte Oculus-Rift-Erfinder Palmer Luckey eine recht konkrete Perspektive: “Die Leute, die hier arbeiten, haben fast alle Sci-Fi-Literatur gelesen. Wir wissen, was Virtual Reality in Sci-Fi ist. Das Produkt, das wir heute haben, ist nicht das, was wir in zehn oder 20 Jahren noch haben wollen. Das möchte jeder hier erreichen”, sagt Luckey.

Schon Ende letzten Jahres räumte Luckey in einem Interview ein, dass es das Ziel sei, virtuelle Welten zu erschaffen, die von der bekannten Realität nicht mehr zu unterscheiden seien. Dafür bräuchte es aber “medizinischen und keinen technologischen Fortschritt”. Ein Durchbruch sei jedoch nicht in Sicht.

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