0

Am 13. Oktober treffen sich die Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten zur ersten TV-Debatte, unter anderem mit Hillary Clinton. Übertragen wird das TV-Ereignis von CNN – in diesem Jahr erstmals live in 360-Grad. CNN kooperiert mit dem US-Unternehmen NextVR, das zuvor mit 360-Live-Streaming von Sportveranstaltungen auf sich aufmerksam gemacht hat. Zahlreiche bekannte Investoren haben in das Virtual-Reality-Startup investiert, in der Überzeugung, dass immersive Live-Berichterstattung eine Zukunft hat. Als Testlauf haben CNN und NextVR zuvor die Ronald Reagan Debatte in 360-Grad aufgezeichnet. Besitzer von Samsung GearVR finden diese als Download im Oculus Store. Der US-Comedian Stephen Colbert hat die VR-Debatte vorab ausprobiert – ein bisschen Humor gehört dazu.

Berichterstattung in 360-Grad: Überflüssiges Gimmick oder eine Chance für objektiven Journalismus?

Klar ist, dass wir uns noch in einer sehr frühen Experimentierphase mit immersiven Medien befinden. CNN und anderen großen Medienhäusern ist es anzurechnen, dass sie dem neuen Medium aufgeschlossen gegenüber stehen und auch bei wichtigen Ereignissen bereits damit experimentieren. Und das obwohl die erreichbare Zielgruppe noch denkbar klein ist. Aber CNN hat einen guten Grund, denn das Potenzial von Berichterstattung in 360-Grad ist groß: Kommunikation besteht nicht nur aus dem gesprochenen Wort, sondern eben auch aus Mimik und Gestik, aus Räumlichkeit und Atmosphäre. Das zeigen beispielsweise eindrucksvoll 360-Aufnahmen von Demonstrationen. Zwar werden all diese Elemente auch in der herkömmlichen TV-Berichterstattung abgebildet, aber eben immer nur inszeniert. Wir sehen das, was die Regie uns zeigen will und der Kameramann entsprechend umsetzt. Die Regie wählt, wann wer in Nahaufnahme gezeigt wird, welche Emotion groß im Bild zu sehen ist und welche Geste am Rande verloren geht. Das ist kein Vorwurf gewollter Manipulation, sondern schlicht und ergreifend eine Eigenschaft von TV-Übertragungen wie sie seit vielen Jahrzehnten Standard ist. Selbst dann, wenn das Ziel der Übertragung größtmögliche Objektivität ist, ist sie immer inszeniert. Das gilt ganz speziell für visuelle Medien wie TV, wo im Zweifelsfall das eindrucksvolle Bild den nüchternen Gesamteindruck schlägt.

Der Zuschauer führt selbst Regie – und sitzt virtuell im Publikum

Mit einem 360-Video ändern sich jedoch potenziell die Voraussetzungen: Zwar bleibt die Inszenierung subjektiv, aber sie wird vom Zuschauer selbst bestimmt. Er wird zum Regisseur und hat so die Möglichkeit, ähnlich wie wenn er direkt im Publikum sitzen würde, die für ihn relevanten Wahrnehmungen zu filtern. Für den Journalismus und die Berichterstattung ist das eine große Chance, besonders im Kontext von Live-Berichten: Noch mehr als in der klassischen Reportage oder einer Dokumentation können Sachverhalte so dargestellt werden, wie sie gerade passieren. Das Risiko: Der Inhalt ist zu nüchtern und langweilig, erfordert Denk- und Arbeitseinsatz, denn die Kamera muss manuell bedient werden. Der Zuschauer springt ab.

Bill Clinton ist zurück – in 360-Grad

Ein Ex-Präsident der USA meldet sich ebenfalls in 360-Grad zurück. In der 360-Doku “Inside Impact: East Africa” begleitet man Clinton und Tochter Chelsea in den Osten Afrikas. Der kurze Film zeigt, welche Maßnahmen der Clinton Global Initiative dort umgesetzt werden, um den Menschen vor Ort Hilfestellung zu bieten. Der Film prämierte  auf dem Jahrestreffen der Clinton Global Initiative und soll in den kommenden Tagen auch im Oculus-Store für Samsung GearVR erscheinen. Umgesetzt wurde der Film von den Felix & Paul Studios aus Kanada, Produzenten sind Matter Unlimited.

Immersive Medien im Journalismus: Gimmick oder sinnvolle Ergänzung? #virtualreality Klick um zu Tweeten

| SOURCE: CNN, Road to VR
| IMAGE TITLE: Felix & Paul Studios