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In diesen Virtual-Reality-Garten können sich Menschen mit Autismus flüchten

von Matthias Bastian31. März 2017

Wenn die reale Welt sie überfordert, soll ein Virtual-Reality-Garten Menschen mit Autismus als Zufluchtsort dienen.

Grelle Farben breiten sich im Raum aus, ein tropfender Wasserhahn wird zu ohrenbetäubendem Lärm, eine Kerze strahlt wie ein Flutlicht. Für durchschnittlich wahrnehmende Menschen ist so etwas kaum vorstellbar. Menschen mit Autismus hingegen kennen diese Form der Reizüberflutung.

Wenn sie auftritt, können sie sich ausgeliefert fühlen, machtlos. Helfen kann der Rückzug an einen Ort, an dem sie sämtliche Variablen in der Umgebung kontrollieren können. Genau das soll der virtuelle Garten in der VR-Anwendung “Botanika” bieten. Er ist eine digitale Zuflucht, die man nur mit einer VR-Brille besuchen und in der man die Realität vollständig ausblenden kann.

In dem Garten können Besucher virtuelle Pflanzen setzen und die Umgebung kreativ einrichten, beispielsweise mit Bäumen, Bänken, Ornamenten und mehr. Zum Zeitvertreib gibt es spielerische Elemente wie Bogenschießen. Autistische Kinder sind nicht in ihrem eigenen Garten isoliert, sondern können – auf Wunsch – den Garten anderer Nutzer besuchen oder besucht werden.

Fähigkeiten trainieren, Ängste kontrollieren

Entwickelt wurde die Anwendung von der britischen Agentur Visr VR in Kooperation mit der Universität Hull, der Autismus-Stiftung CASPA und Microsoft. Sie erscheint für alle gängigen Systeme (Xbox, Playstation VR, PC, Mobil).

Bei einer Veranstaltung in London wurde Botanika von 30 jungen Menschen getestet. Eine Sprecherin der CASPA zieht ein positives Fazit: “Sie trainierten ihre Fähigkeiten, erhöhten ihr Selbstbewusstsein, begegneten der Angst vor dem Unbekannten, sie eroberten – und hatten jede Menge Spaß.”

Das Spiel sei befreiend für Menschen mit Autismus, da sie in eine völlig andere Welt eintauchen könnten, sagt Ellie Battersby von Visr VR. “Das befreit sie vom Stress der echten Welt, da sie die virtuelle Welt selbst erschaffen und alles unter Kontrolle haben.” Weitere Informationen gibt es auf der Webseite der Universität Hull.

Wer die autistische Reizüberflutung einmal selbst erfahren möchte, kann den “Autism Simulator” für Oculus Rift ausprobieren. Die VR-App zeigt in einer kurzen Szene, wie es sich anfühlen könnte, wenn die reale Welt zu laut, zu grell und zu bedrohlich wird.

| Featured Image: University of Hull

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