Anfang 2017 eröffnete Imax das erste “VR Experience Centre” in Los Angeles. Sechs weitere folgten, darunter in Kanada, England, Thailand und Shanghai. In einer quartalsmäßigen Telefonkonferenz mit Investoren zeigt sich Imax-CEO Bob Gelfond vom Umsatz enttäuscht und will vorerst keine weiteren VR-Arcades eröffnen.

Imax versuchte als eines der ersten Unternehmen, eine internationale VR-Arcade-Kette aufzubauen. Die Berichte nach der Eröffnung des ersten Standorts in Los Angeles klangen positiv: Journalisten waren von den Räumlichkeiten beeindruckt und Imax berichtete, dass der Umsatz die Erwartungen des Unternehmens deutlich übertraf.

Mehr als ein Jahr später zeigt sich der Imax-CEO ernüchtert. “Die Reaktion der Besucher war extrem positiv, aber die Zahlen enttäuschten. Von den sieben Örtlichkeiten erreicht nur eine den Spitzenumsatz, der unseren Erwartungen entspricht.” Um welche VR-Arcade es sich handelt, verrät Gelfond nicht.

“Wir haben ein paar Dinge ausprobiert: Verschiedene Bezahlmodelle, Pakete und Marketingstrategien. Wir investieren derzeit nicht in weitere VR-Arcades. […] Wir mögen dieses Geschäft und wir mögen unsere Stellung darin, aber wir glauben, dass die Umsätze derzeit nicht genug Anreize bieten, weitere Investitionen zu tätigen.”

Nur ein Testballon

Dass der Erfolg der VR-Arcades unter den Erwartungen bleibt, dürfte Gelfond nicht überrascht haben. Dem Imax-CEO war  bereits vor Eröffnung des ersten VR Experience Centers klar, dass Virtual Reality “noch nicht reif fürs Abendprogramm ist”. Die VR-Arcades seien lediglich ein Pilotprojekt, um das eigene VR-Produkt auf dem Markt zu testen.

“Es gibt viele offene Fragen. […] Wir werden flexibel sein, weil wir die Antworten noch nicht haben”, sagte Gelfond Anfang 2017 gegenüber Fortune. “Es könnte sein, dass wir zu früh dran sind. Es ist möglich, aber ich werde nicht auf kurze Sicht so viel Geld investieren. Falls wir zu früh dran sind, haben wir noch immer die Ressourcen, falls es richtig losgeht.”

Wie es mit den bestehenden VR-Arcades weitergeht, sagte der CEO im Investorengespräch nicht. Eine unmittelbare Schließung steht aber offenbar nicht bevor.

Das Potenzial nicht ausgeschöpft?

Ein grundsätzliches Problem der Imax-Arcades dürfte sein, dass sie kaum Mehrwert gegenüber Heim-VR bieten. Die Imax-Standorte sind zwar aufwendig eingerichtet, nutzen jedoch nur handelsübliche Geräte wie HTC Vive und Oculus Rift. Die Highend-Brille StarVR kommt nur bei speziellen VR-Erfahrungen zum Einsatz.

Ähnlich ist es bei der Software: Die Mehrheit der VR-Apps im Angebot findet man ebenso bei Steam und im Oculus Store, darunter bekannte Titel wie Superhot, Sprint Vector, Star Trek: Bridge Crew und Raw Data. Exklusive VR-Erfahrungen kann man an einer Hand abzählen.

Die Imax-Arcades schöpfen das Potenzial ortsbasierter Virtual Reality also nicht ansatzweise aus. Ganzkörpererfassung, kabellose VR-Technik mit großer Bewegungsfreiheit, Überlagerungen von echter und virtueller Realität, Simulation haptischer und olfaktorischer Sinneseindrücke sowie eigens entwickelte VR-Erlebnisse – das wären echte Vorteile, die man im eigenen Zuhause nicht erleben kann.

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| Featured Image: IMAX | Source: Seeking Alpha | Via:  Techcrunch

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