Dass Augmented oder Mixed Reality weit mehr bedeuten als die Brille auf dem Kopf, zeigt Apples neue Animoji-Funktion mit dem iPhone X.

Apple-Chef Tim Cook ist ein großer Fan von Augmented Reality. In den vergangenen Monaten bezeichnete er die digital erweiterte Realität mehrfach als grundlegende Veränderung in der Mensch-Computer-Interaktion, die ähnlich wichtig werden soll wie das Smartphone selbst. Zuletzt sprach er allerdings davon, dass die Technologie für eine fortschrittliche AR-Brille noch gar nicht existiere. Wie geht das zusammen?

Ganz einfach: Bei Augmented Reality denkt man zwar reflexartig an Google Glass, Hololens oder ähnlich aufwendige Brillen, die digitale Projektionen in das Sichtfeld einblenden. Das ist zwar nicht verkehrt, aber eine Brillentechnologie ist nur ein kleiner Ausschnitt der großen Vision einer Mischrealität, in der sich digitale und reale Welt immer stärker überlagern. Im Grunde fängt diese Mischrealität schon mit Instagram-Filtern oder Snapchat-Linsen an.

Oder mit Apples neuen Animojis für das iPhone X, mit denen Nutzer ihre Mimik auf digitale Avatare übertragen und im Netz oder in Messengern teilen können. Das funktioniert mit einer speziellen 3D-Kamera an der Vorderseite des iPhone X, die das Gesicht mit Infrarotlicht vermisst. Mehr als 50 Gesichtsmuskeln soll das System laut Apple in Echtzeit erfassen und animieren können. Das reicht offenbar, um die eigene Ausdrucksstärke mit Wiedererkennungswert zu digitalisieren.

Animojis schützen Privatsphäre und könnten digitale Avatare etablieren

Der Vorteil an Apples animierten Smileys ist, dass sie keinen so großen Eingriff in die Privatsphäre darstellen wie reale Videoaufnahmen, aber dennoch einen Teil der eigenen Persönlichkeit in sich tragen. Das gleiche Prinzip greift beim Virtual-Reality-Meeting in Facebook Spaces, wo man ebenfalls durch Avatare mit Wiedererkennungseffekt miteinander spricht und ein Video davon als Livestream bei Facebook teilen kann. Diese neuen Technologien könnten dafür sorgen, dass digitale Videobotschaften beim Messaging oder in sozialen Netzen ihre Rolle verändern und eine größere Bedeutung bekommen.

Apple selbst oder App-Entwickler könnten Anwendungen nachlegen, die das Avatar-Prinzip vom Smiley-Paradigma lösen und eine höhere Bandbreite an virtuellen Alter Egos anbieten. Die könnten dann dauerhaft benutzt werden, um über digitale Kanäle zu kommunizieren, ohne sein Gesicht oder seine Lebensumgebung zeigen zu müssen. Das Entwicklerstudio Kite & Lightning demonstriert, wie so ein individueller Charakter aussehen könnte. Die Figur stammt aus einer Anwendung des Studios.

Animoji-Karaoke

Wenige Tage nach dem Launch des iPhone X gibt es zahlreiche Videos, die zeigen, wie Animojis im Alltag der Nutzer ankommen. Der YouTuber brazilliandanny stellt mit den animierten Smileys berühmte Filmszenen nach. Das sieht dann so aus wie im folgenden Video:

Eine Tochter schickt ihrem Vater im Huhn-Kostüm eine Zuneigungsbekundung:

Bei Twitter versuchen sich einige Nutzer an einer digitalen Karaoke-Show. Besonders spektakulär ist diese mehrstimmige Animoji-Interpretation des Star-Wars-Titelsongs.

Auch bei Instagram ist Animoji-Karaoke schon angekommen. In diesem Video interpretiert die US-Rapperin Nicki Minaj ihren Song “Motorsport” als Avatar neu.

| Featured Image: brazilliandanny (Screenshot bei YouTube)

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