Die letzte Woche in deutschen Kinos gestartete James-Bond-Parodie “Johnny English – Man lebt nur dreimal” mit dem britischen Komiker Rowan Atkinson zieht Virtual Reality ordentlich durch den Kakao – und sagt dabei viel über den aktuellen Stand der Technik aus.

Hinweis für die Leser: Wer den Film oder die Virtual-Reality-Szene noch nicht im Kino gesehen hat und dies noch tun möchte, sollte wegen erheblicher Spoiler nicht weiterlesen.

Der trottelige Geheimagent Johnny English kommt im Film hinter die kriminellen Machenschaften des Silicon-Valley-Milliardärs Jason Volta, der die Weltherrschaft mittels vollständiger Datenkontrolle und cleverer KI an sich reißen möchte. In einer Szene muss English die Villa des Unternehmers infiltrieren, um Beweise zu sammeln.

Für die Vorbereitung auf seinen Einsatz stellt ihm die britische Geheimdienst-Organisation MI:7 hochentwickelte Virtual-Reality-Technologie inklusive kabelloser VR-Brille und Laufmaschine zur Verfügung.

Der Agent soll damit eine virtuelle Rekonstruktion der Villa samt Wachpersonal betreten, sich in der Virtual Reality mit den Räumlichkeiten vertraut machen und gefährliche Situationen konsequenzfrei durchspielen.

Auf dem Stand heutiger Technik

Das VR-Anwendungsszenario ist nicht gänzlich aus der Luft gegriffen und dürfte im geheimdienstlichen, polizeilichen oder militärischen Kontext bereits zum Einsatz gekommen sein.

Die im Film gezeigten VR-Systeme spiegeln zudem den aktuellen Stand der Technik wieder: Die VR-Brille des MI:7 erfasst wie die autarken Geräte Oculus Quest, Vive Focus und Lenovo Mirage Solo räumliche Bewegungen ohne externe Hardware, kommt jedoch ohne fortschrittliche Mixed-Reality-Technologie, die den Nutzer auf die äußere Welt aufmerksam macht.

Die Einsatzleiter warnen den Geheimagenten noch vor dem Aufsetzen der VR-Brille vor diesem Umstand: Man gehe voll in der Virtual Reality auf, sodass man die reale Umgebung vollkommen zu vergessen droht. Doch das hilft natürlich nichts und so nimmt das Unheil seinen Lauf.

Reale und virtuelle Welten überlagern sich

Ganz sich selbst überlassen, setzt English die VR-Brille auf und merkt nicht, dass die Laufmaschine deaktiviert wurde. Er nimmt nur noch die virtuelle Umgebung wahr und spaziert aus dem Simulationsraum der Geheimdienstorganisation hinaus auf die Straßen Londons.

In den folgenden Minuten passiert etwas, was in der Realität mehr als unwahrscheinlich wäre. Die virtuelle und physische Wirklichkeit überlagern sich so exakt, dass Johnny English nichts merkt. Er läuft nicht gegen Wände und findet reale Gegenstände stets dort vor, wo er in der Virtual Reality nach ihnen greift – ähnlich wie in Highend-VR-Arcades, nur völlig zufällig.

Zunächst belächelt, wird der Agent für seine Mitmenschen zur Gefahr, weil er in der Simulation computergenerierte Feinde vor sich sieht: Er richtet ein Chaos an, wirft einen Touristenführer von einem Londoner Bus und verprügelt einen Kellner mit zwei Baguettes, die er für Schlagstöcke hält. Die Haptik hält er für einen Teil der Simulation.

Eine Momentaufnahme der Technologie

Der Film macht sich über den isolierenden Faktor der Virtual Reality lustig. Komisch ist die Szene deshalb, weil das Gezeigte nicht allzu weit hergeholt ist: Bei Reddit erscheinen im Wochentakt Bilder unabsichtlich zertrümmerter Fernseher und Einrichtungsgegenstände und wer Freunde schon einmal Superhot VR hat spielen lassen, der weiß, dass der Sicherheitsabstand Pflicht ist.

Da der technologische Trend zu Brillen geht, mit denen Nutzer ihre Umgebung jederzeit einblenden oder wahrnehmen können, dürfte diese Szene in einigen Jahren wie eine Momentaufnahme veralteter Technik erscheinen, auf die wir VR-Enthusiasten mit einem Lächeln oder Kopfschütteln zurückblicken werden.

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| Featured Image: Universal Pictures (Trailer-Screenshot)

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