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Kandidat für Kopftransplantation wird mit Virtual Reality auf neuen Körper vorbereitet

von Tomislav Bezmalinovic21. November 2016

Der italienische Chirurg Sergio Canavero will 2017 den Kopf eines an Muskelschwund leidenden Patienten auf einen gesunden Körper transplantieren. Nun hat der Arzt angekündigt, dass sein Patient mit Hilfe von Virtual Reality auf einen wieder voll funktionsfähigen Körper vorbereitet wird.

Die Operation soll an Waleri Spiridonow durchgeführt werden. Der 31-jährige Informatiker hat sich freiwillig bei Canavero gemeldet. Spiridonow leidet an einer seltenen Form des Muskelschwunds, bei der Nervenzellen im Rückenmark nach und nach absterben. Dadurch kann der Russe seine Muskeln kaum mehr bewegen.

Das Training ist psychologischer Natur

Am vergangenen Freitag stellte Canavero in Glasgow auf einer Konferenz für Ärzte und Chirurgen eine VR-Lösung vor, die Spiridinow auf sein neues Leben vorbereiten soll: “Dieses Virtual-Reality-System bereitet den Patienten bestmöglich auf eine neue Welt mit einem neuen Körper vor. Eine Welt, in der er wieder gehen kann.”

Bei dem Training soll es sich um eine psychologische Maßnahme handeln. Spiridinow ist seit seiner Kindheit an den Rollstuhl gefesselt. Der Russe äußert sich gegenüber Dailymail positiv über das Training: “Als ein Informatiker bin ich absolut überzeugt davon, dass diese Technologie essenziell für den Erfolg des Projekts ist.”

Ein US-amerikanisches Unternehmen namens Inventum ist für die Umsetzung des Systems zuständig, das im Wesentlichen aus einem Metallgestell, einem Brustharnisch und einem Laufband besteht. Wird dem Patienten der Brustharnisch angelegt, kann er in einer stehenden Position Übungen ausführen. Den veröffentlichten Bildern zufolge kommt als VR-Brille eine HTC Vive zum Einsatz.

Erfolgschance der Operation ist gering

Inventum ist ein Unternehmen, das medizinische Anwendungen für Virtual Reality entwickelt. Die Firma hat eine Software entwickelt, mit der sich zweidimensionale MRT- und CT-Scans in 3D-Modelle umwandeln lassen. Diese lassen sich anschließend in einer VR-Umgebung von allen Seiten betrachten. Auf diese Weise erhalten Chirurgen eine genauere Vorstellung davon, wie sie bei einer Operation vorgehen müssen. Außerdem können sie vor dem eigentlichen Eingriff die Operation virtuell trainieren.

Bei der geplanten Kopftransplantation wird das Rückenmark des Patienten vollständig durchtrennt. Der Kopf wird anschließend auf den Körper eines Spenders transplantiert. Eine Chemikalie soll beim Zusammenwachsen der durchtrennten Nervenfasern helfen. Die Operation ist in Medizinerkreisen höchst umstritten. Ähnliche Versuche mit Tieren sind wenig erfolgversprechend.

| Featured Image: Inventum Bioengineering Technologies