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Kausimulator für Virtual Reality: Elektroden stimulieren Kiefermuskel

von Matthias Bastian7. November 2016

Es gibt derzeit durchaus einige illustre Erfindungen im Kontext der Virtual Reality. Der elektrische Kausimulator liegt definitiv ganz weit vorne.

Mit der VR-Brille kann man bekanntlich nicht nur Videos anschauen oder Spiele spielen, sondern im virtuellen Raum auch andere Menschen treffen. Im echten Leben sind solche Treffen meist ein Anlass, um gemeinsam ein Glas Wein zu trinken oder einen Happen zu essen. In der virtuellen Welt ist das schwierig – sie besteht ja nur aus Luft.

Ein Team der Universität Tokyo forscht an einem Gerät, das das Kaugefühl und die Textur von Lebensmitteln durch elektrische Signale simulieren kann. Die Elektroden werden außen am Kaumuskel angebracht und leisten den Widerstand, der normalerweise beim Kauen eines echten Lebensmittels auftritt. “Man hat kein Essen im Mund, aber das haptische Feedback der Elektroden vermittelt ein Gefühl, als würde man kauen”, sagt der beteiligte Wissenschaftler Arinobu Niijima.

Sogar die Textur und Konsistenz der virtuellen Nahrung kann dargestellt werden. Für eher feste Nahrungsmittel wird der Muskel mit einer hohen Frequenz stimuliert. Ein langer, durchgängiger Impuls erweckt den Eindruck, dass man auf einem weichen Gegenstand herumkaut. Laut Niijima arbeitet das Gerät besonders effektiv, wenn es Kaugummi simuliert.

Zukünftig sollen die elektrischen Signale verfeinert werden, sodass sie komplexere Texturen in den Muskel übertragen können. Um die Immersion zu verstärken, möchten die Wissenschaftler authentische Kaugeräusche mit der Elektrostimulation synchronisieren.

Neben dem Einsatz im Kontext der Virtual Reality wollen die Wissenschaftler die Technologie nutzen, um Menschen zu mehr Lebensqualität zu verhelfen, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr normal kauen können.

Vielleicht gibt es ja in einigen Jahren tatsächlich multisensorische Headsets, die neben unserer Sicht und unserem Gehör auch unsere anderen Sinne überzeugen können. Einen Haken hätte die Sache dann aber doch: Beim virtuellen Date in Tinders VR-Raum wird man selbst vom schmackhaftesten Abendessen nicht satt.

 

| Featured Image: Arinobu Niijima (Screenshot bei YouTube)