Wer erinnert sich an den Horrorfilm “Cube” aus dem Jahre 1997, in dem sich sechs Menschen in einem endlosen Labyrinth würfelförmiger Räume wiederfinden, das mit tödlichen Fallen gespickt ist? Das VR-Knobelspiel “Neverout” beschwört gekonnt die Atmosphäre des Horrorstreifens und bringt die Köpfe von Rätselfreunden zum Rauchen.

In Neverout begegnet man keinen Monstern, Gespenstern oder Zombies. Und dennoch ist das VR-Spiel eine beklemmende Erfahrung mit seiner schier unendlichen Reihe kahler, steriler Räume, aus denen es keinen Ausweg zu geben scheint.

Die Isolation, die Enge und der Entzug sinnlicher Reize: All das zerrt an den Nerven. Man fühlt sich wie eine Laborratte, die unfreiwillig Teil eines perversen, wissenschaftlichen Experiments geworden ist. Neverout könnte man auch auf einem Monitor spielen, die bedrohliche Atmosphäre ginge damit aber verloren.

Von Kachel zu Kachel

Das Ziel von Neverout ist, alle sechzig Räume zu durchqueren. Diese sind aus Kacheln zusammengesetzt, zwischen denen man sich wie in alten Rollenspielen hin- und herbewegt. Wer empfindlich auf künstliche Fortbewegung reagiert, kann sich von Kachel zu Kachel teleportieren.

Diagonale oder seitliche Schritte sind nicht möglich, daher muss man sich per Knopfdruck zuerst nach links oder rechts drehen. Diese Einschränkungen wurden von der Urversion des Spiels übernommen, die für Samsung Gear VR entwickelt wurde. Dafür lässt sich das Spiel bequem mit der Oculus-Fernbedienung steuern.

Die Wände hochgehen

Läuft man gegen eine Wand, dreht sich der Raum, so dass die Wand zum Boden wird. Deshalb sind “Oben” und “Unten”  in Neverout relative Begriffe. Gleich verhält es sich, wenn man gegen Blöcke oder Stahlgitter läuft: Auch hier  dreht sich die Welt, sodass aus der Vertikalen eine Horizontale wird.

Da diese Drehungen desorientiert sein können, haben die Entwickler eine magenschonende Visualisierung dieses Übergangs implementiert: Hierbei öffnet sich ein Portal, durch das man in den bereits gedrehten Raum schlüpft.

Räumliche Rätsel

Jeder Raum birgt eine Kachel mit einem Ausgang. Die ist jedoch meist durch Stahlgitter oder Löcher versperrt, sodass man die Wand hochgehen und sich in den Ausgang hineinfallen lassen muss. Diese Aufgabe wird von Raum zu Raum komplexer, da man elektrischen Fallen ausweichen, Portale nutzen und Stahlblöcke mit Hilfe der Schwerkraft bewegen muss, indem man die Wände dreht.

Da die Räume mit jeder Drehung anders aussehen, braucht man für das Lösen der Rätsel vor allem eines: ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Geschicklichkeit spielt in Neverout keine Rolle.

Fazit: Ein Denkspiel mit wenig Interaktion und viel Atmosphäre

Neverout spricht Spieler an, die abstrakte Rätsel mögen. Eine packende Geschichte wie bei “Cube” oder “Portal” darf man nicht erwarten, da man ganz allein unterwegs ist.

Ja, die Fortbewegung und Interaktion ist simpel. Das liegt daran, dass der Titel für Samsung Gear VR entwickelt wurde, das beschränkte Eingabemöglichkeiten hat und keine 3D-Controller unterstützt. Wen das nicht stört, wird Freude an Neverout haben.

Grafisch merkt man dem Titel nicht an, dass er zuerst für ein mobiles VR-System erschien. Die Räume sind naturgemäß sehr kahl, die Texturen und 3D-Modelle aber detailliert genug, dass man den Eindruck hat, an einem anderen, unheimlichen Ort zu sein.

Neverout ist im Oculus Store für Oculus Rift und Samsung Gear VR und bei Steam für HTC Vive erhältlich.

| Featured Image: Setapp

Tagesaktuelle und redaktionell ausgewählte Tech- und VR-Deals: Zur Übersicht
VRODO-Podcast #120: Cebit-Erinnerungen, Duplex-Menschen und KI-Vorurteile | Alle Podcast-Folgen


Unsere Artikel enthalten vereinzelt sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über einen dieser Links erhalten wir eine kleine Provision. Der Kaufpreis bleibt gleich.