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Knockout League für Oculus Rift und HTC Vive ausprobiert: Boxen wie in Punch Out

von Matthias Bastian29. Januar 2017

Wer in der 8-Bit-Ära vor Nintendos NES saß, das Boxspiel “Punch Out” spielte und sich dabei fragte, wie es wohl wäre, in den TV zu springen und selbst in den Ring zu steigen: Bitte, mit Oculus Rift und HTC Vive ist jetzt die Gelegenheit da.

Wie Nintendos offensichtliches Vorbild ist Knockout League kein Versuch, den Boxsport akkurat zu simulieren. Der simple Spaß im Arcade-Stil steht im Vordergrund. Dass Knockout League dennoch nicht zu sinnfreiem Controllergeschüttel verkommt, liegt am rundenbasierten Spielablauf.

Zwar boxt man sich prinzipiell in Echtzeit mit dem Gegner, doch gewinnen kann man einen Fight nur, wenn man die Strategie des Gegenübers durchschaut und Schläge ganz gezielt und im richtigen Moment platziert.

Der Kern des Spielprinzips basiert darauf, dass man als virtueller Boxer die Hände im letzten Augenblick zum Block hochreißt, um anschließend einen Konterangriff zu setzen.

Einigen Schlägen kann man ausweichen, indem man sich nach links und rechts neigt oder duckt. Wohl aus Sicherheitsgründen und um den Spielbereich klein zu halten, sind keine Ausweichmanöver in die Tiefe des Raumes erlaubt. Das Match findet stets in der Ringmitte statt.

Entkommt man dem gegnerischen Angriff, ergibt sich für einen kurzen Moment die Gelegenheit, zurückzuhauen. Schläge, die man zwischendurch einfach so verteilt, erzielen hingegen keine Wirkung. Der Kampfverlauf ist komplett vorgegeben, die Gegner folgen fixen Bewegungsmustern.

Einfach zu lernen, schwer zu meistern

Ha, denkt sich der trickreiche Spieler, dann halte ich meine Boxhandschuhe einfach permanent vors Gesicht und wehre automatisch alle Angriffe ab. Doch die Entwickler haben mitgedacht: Wer ständig die Fäuste oben hat, blockt zwar alle gegnerischen Schläge, kann aber keinen Konter mehr setzen – und hat folglich keine Chance, zu gewinnen. Nur wer schnell reagiert und in Bewegung bleibt, darf zum Gegenangriff übergehen.

Hat man den Gegner einmal auf die Matte geschickt, verändert er anschließend die Strategie und versucht es mit neuen, teils verheerenden Superschlägen. Nach jedem Knock-out wird die gegnerische Choreographie fintenreicher, komplexer und gefährlicher, sodass man zunehmend unter Druck gerät.

Denn um den Angriffen zu entgehen, muss man nicht nur reaktionsschnell die Fäuste hochreißen, sondern auch die Bewegungsabfolgen des Gegners im Gedächtnis behalten. Sonst hat man keine Chance. Wem das über einige Runden hinweg erfolgreich gelingt, der hat früher oder später Gelegenheit, dem Gegner endgültig die Lichter auszupusten.

Knockout League hat einen nicht zu unterschätzenden physischen Moment. Wenn einem die übermächtig wirkenden gegnerischen Boxer virtuell auf die Pelle rücken, ist das durchaus bedrohlich. Schnell geht der Puls nach oben und der Schweiß fließt.

Für reine Schreibtisch- oder Sofaspieler ist Knockout League daher der falsche Titel. Man muss schon Spaß haben an Bewegung, um dem Titel etwas abgewinnen zu können. Eine halbe Stunde VR-Boxen geht als Workout durch.

Fazit: Viel Spaß, viel Schweiß

Knockout League ist – ähnlich wie die VR-Games Job Simulator oder Fantastic Contraption und vergleichbare Titel – ein gutes Beispiel dafür, wie man spannende und sehr körperliche Spielerlebnisse auf engem Raum umsetzen kann. Obwohl – oder gerade weil – das Boxspiel im Kern ein einfacher Reaktionstest ist, völlig frei von einem strategischen Moment, macht es jede Menge Spaß.

Das liegt auch an der gelungenen Präsentation: Die Grafik ist auf einem hohen Niveau, die Gegner sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet und toll animiert. Knockout League wirkt trotz Early-Access-Status schon ausgereift. Bei VR-Spielen hat das noch Seltenheitswert.

Derzeit ist Knockout League für 17,99 Euro bei Steam und Oculus Home erhältlich. Das Spiel bietet in der frühen Version neben einem Tutorial vier sehr unterschiedliche Gegner, mit denen man sich duellieren kann. Die fertige Version soll im zweiten Quartal 2017 erscheinen und deutlich mehr Inhalt bieten.

Unter anderem möchten die Entwickler die neuen Vive-Tracker unterstützen. Das Zubehör kann an reale Objekte angebracht werden, die so vom Trackingsystem erfasst und in die Virtual Reality integriert werden können. Denkbar wäre, dass man zwei mit Vive-Trackern ausgestattete Boxhandschuhe überzieht, anstatt nur die 3D-Controller in der Hand zu halten.

Die zeitgleiche Veröffentlichung für HTC Vive und Oculus Rift ist bemerkenswert, da Grab Games den Titel in Kooperation mit den Vive Studios produzierte, HTCs Initiative für hochwertige VR-Inhalte.

| Featured Image: Grab Games

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