Bilder von VR-Nutzern wirken auf viele Menschen befremdlich: Da hat jemand ein Gehäuse im Gesicht sitzen und schirmt sich bewusst gegen seine Umwelt ab. Der Augenkontakt bleibt Außenstehenden verwehrt. Noch abschreckender wirkt dieses Bild, wenn man eine Gruppe VR-Nutzer vor sich hat – ein Sinnbild kollektiver Isolation. Ich habe letzte Woche ein VR-Screening besucht und wurde zum ersten Mal mit einem solchen Anblick konfrontiert. Zu meiner Überraschung fand ich ihn alles andere als unheimlich.

Es ist eine der ikonischsten Fotografien im Kontext der Virtual Reality: Mark Zuckerberg marschiert lächelnd an einem Heer von Konferenzbesuchern vorbei, die ihre Umwelt nicht mehr wahrnehmen, weil sie VR-Brillen im Gesicht tragen. Was sie sehen, so scheint es, bestimmt allein Facebooks CEO. Das Bild wirkt, als stamme es aus einer dystopischen Zukunft, die von der Gegenwart eingeholt wurde.

Marc Zuckerberg gratuliert sich selbst und seinem Team zu einem Emmy. Und kündigt große Neuigkeiten für die Connect 3 Entwicklerkonferenz an.

Zuckerberg bei der Enthüllung von Samsungs S7 auf dem Mobile World Congress. BILD: Facebook / Mark Zuckerberg

Ein etwas anderes VR-Screening

Als ich am vergangenen Donnerstag in einen Saal des Zoo-Gesellschaftshauses in Frankfurt trat, bot sich mir ein ähnliches Bild. Aber die Wirkung war eine vollkommen andere.

Hier hatten sich dreißig Menschen in einem Raum eingefunden, um sich fünf künstlerisch wertvolle 360-Grad-Filme anzusehen. Die Veranstaltung fand im Rahmen des 11. Lichter Filmfests statt, das 2018 zum zweiten Mal in Folge ein spezielles VR-Programm bietet.

Im Saal war es andächtig still. Das lag zum einen daran, dass der Raum für die Besucher des VR-Screenings reserviert war. Zum anderen hatten die Gäste Kopfhörer auf und waren in die Filme vertieft. Was ich erlebte, erinnerte an die Stille von Kunstgalerien oder sakraler Orte, in denen sich Menschen einfinden, um nachzudenken oder zu beten.

Die Filme wurden auf allen VR-Brillen synchron abgespielt, sodass jede Besucherin und jeder Besucher zum exakt gleichen Zeitpunkt dieselben Szene sahen. Die Gäste nahmen voneinander keine Notiz, aber ich konnte hören, wenn ein Raunen durch den Saal ging oder einzelne Besucher gleichzeitig lachten – als wären sie auf geheimnisvolle Weise miteinander verbunden.

Wie prägen Fotos und Videos unsere Vorstellung von Medien?

Ich habe mich oft gefragt, wie die Bilder entstehen, die sich die Öffentlichkeit von Menschen macht, die Medien konsumieren und ob bestimmte Medien deshalb gesellschaftlich eher akzeptiert sind als andere. Weshalb wirkt der Anblick eines lesenden Menschen in der Regel schön? Und weshalb ist es im Gegensatz dazu weniger ästhetisch, jemanden in einen Computerbildschirm oder Smartphone starren zu sehen?

Liegt das an dem Medium selbst und den Inhalten, die konsumiert werden? Oder wird diese Wahrnehmung durch etwas Externes bestimmt, durch mehr oder minder unbewusste gesellschaftliche Erwartungen und individuelle Wertvorstellungen?

Leseszene

Computerspiel_Szene

Smartphone_Szene

Über Massenmedien verbreitete Fotos und Videos, die Menschen beim Lesen, beim Computerspielen oder mit einer VR-Brille im Gesicht zeigen, prägen zweifellos das Bild, das sich die Gesellschaft und Individuen von diesen Medien machen. Ob sie uns gefallen oder unheimlich oder gar abschreckend wirken.

Sie zeigen jedoch niemals ein vollständiges Bild des Medienkonsums und stehen meist in einem Kontext, der den Inhalt rahmt und ihm eine bestimmte Bedeutung gibt.

Das Bild Zuckerbergs und der MWC-Konferenzbesucher wirkt deshalb so verstörend, weil es eine Zukunft vorwegnimmt, in der soziale Netzwerke wie Facebook mittels Virtual Reality einen noch stärkeren Einfluss auf das Bewusstsein ihrer Nutzer nehmen. Das macht Angst.

Das VR-Screening von letzter Woche zeigte mir, dass die Rezeption von VR-Inhalten auch ganz anders wirken kann. Zum Beispiel, indem man sie in den Kontext der Kunst stellt. Das war ein bewegendes Erlebnis.

Hinweis: VRODO war Medienpartner des 11. Lichter Filmfests. Der Autor dieses Artikels war darüber hinaus Juror der Lichter VR Storytelling Competition, die die gezeigten 360-Grad-Filme aus über 70 Einreichungen auswählte.

| Featured Image: VRODO

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