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Konkurrenz für Oculus Rift und HTC Vive: DPVR E3 launcht für Steam

von Matthias Bastian2. April 2017

Der chinesische Hersteller Deepoon VR (DPVR) bringt eine VR-Brille auf den Markt, die es laut dem Datenblatt mit den Großen der Branche wie HTC Vive und Oculus Rift aufnehmen und diese sogar übertreffen könnte.

Das neue Gerät hört auf den Namen E3 – und nein, damit ist die nicht die populäre Spielemesse gemeint, die jeden Sommer in den USA stattfindet. Die Hardware ist einfach nur der Nachfolger zur Deepoon E2-Brille, einem Oculus-Rift-DK2-Klon, der seit 2015 auf dem Markt ist.

Mit der E3-Brille soll nun vieles besser werden als mit dem technisch arg limitierten Vorgänger. Dass der chinesische Hersteller HTC und Valve direkt aufs Korn nimmt, zeigt die selbstbewusste Pressemitteilung. Dort wird ein Vergleich des eigenen Trackingsystems Polaris mit dem Lighthouse-Tracking der Vive-Brille vorgenommen.

So wie Valves Erfindung nutzt das E3-System ein laserbasiertes Verfahren für die räumliche Erfassung. Als Alleinstellungsmerkmal nennt DPVR einen “dual-eye”-Laser, der im Gegensatz zum “single-eye”-Laser von Lighthouse weniger Empfänger in der VR-Brille brauche.

Lighthouse benötige 32 Empfänger, Polaris hingegen nur sechs bei gleicher Reichweite und Präzision. Zehn Patente habe das Unternehmen für das neue Verfahren bewilligt bekommen.

Das Gewicht der VR-Brille soll nur mehr bei 297 Gramm liegen. Zum Vergleich: HTC Vive wiegt gut 500 Gramm. Über das Interface verliert das Unternehmen kein Wort, aber auf dem Produktfoto (siehe Titelbild) sind 3D-Controller ähnlich den Vive-Stäben zu sehen.

Hohe Auflösung, Eye- und Face-Tracking – E3 ist die Virtual-Reality-Wollmilchsau

Nicht nur beim Trackingverfahren möchte DPVR die Konkurrenz auf die Plätze verweisen. Die E3-Brille nutzt ein AMOLED-Display von Samsung, das mit 2560 x 1440 Pixeln höher auflöst als gängige VR-Brillen. Spezielle Fresnellinsen sollen Lichtblitzer und den Fliegengittereffekt reduzieren. Das Sichtfeld liegt laut DPVR bei 110 Grad.

Die neue VR-Brille soll sogar Eye- und Faceteracking integriert haben und dadurch mehr Möglichkeiten bei der sozialen Interaktion in digitalen Welten bieten. Details nennt das Unternehmen nicht, gibt aber an, dass die Funktion bei einem Enthüllungsevent vor wenigen Tagen öffentlich demonstriert wurde.

Die vielleicht wichtigste Änderung gegenüber dem Vorgänger: Die E3-Brille unterstützt neben diversen China-Plattformen auch Steam VR. Vorausgesetzt die Spezifikationen halten, was sie versprechen, könnte das Gerät tatsächlich eine interessante Alternative zu HTC Vive oder Oculus Rift werden.

In China wird das Gerät ohne Trackingsystem für umgerechnet rund 330 Euro verkauft. Das Komplettpaket mit Raumtracking liegt bei circa 680 Euro. Das ist in Relation zur verbauten Technologie ein erstaunlich günstiger Preis.

Grundsätzlich kann man Deepoon zutrauen, ein hochwertiges VR-System auf den Markt zu bringen. Das Unternehmen ist recht großzügig von Investoren finanziert und wurde schon Ende 2015 auf einen Gesamtwert von rund 125 Millionen US-Dollar geschätzt. Laut einer aktuellen Marktuntersuchung liegt DPVR in China mit einem Marktanteil von 17 Prozent nur knapp hinter HTC (18 Prozent).

| Featured Image: Deepoon VR

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