Die Sammlung Kremer hat sich auf niederländische und flämische Malerei des 17. Jahrhunderts spezialisiert. Nun kann man 74 Meisterwerke der Sammlung in der Virtual Reality bewundern – in einem prachtvollen digitalen Kunstmuseum, das eigens für das Medium entworfen wurde. 

Die imposante Architektur stammt vom niederländischen Stararchitekten Johan van Lierop. Über dem Besucher thront eine an Roms Pantheon erinnernde Kuppel mit mittiger Öffnung, die den Blick ins Weltall freigibt. Vom Zentrum des Museums führen fünf strahlenförmige Brücken zur kreisförmigen Galerie.

Das virtuelle Bauwerk ist so konstruiert, dass es in Form konzentrischer Kreise beliebig erweitert werden kann, sollten mehr Gemälde hinzukommen. Der Architekt ließ sich nach eigenen Aussagen von der wissenschaftlichen und künstlerischen Vitalität des Goldenen Zeitalters inspirieren.

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Im Zentrum werden Besucher von George und Ilone Kremer begrüßt. BILD: The Kremer Collection VR Museum / Moyosa Media BV

Ein beeindruckender Museumsbesuch

Die 74 Gemälde sind dem Besucher zugewandt und schweben in der Luft, sodass sie auch von hinten angeschaut werden können. Der Grund: Sie wurden per Fotogrammetrie samt Rahmen und Rückseite als dreidimensionales Objekt digitalisiert.

Schaut man sich die Rückseite an, erkennt man mitunter persönliche Vermerke der Maler, historische Authentizitätsstempel und Schadstellen. In einem realen Kunstmuseum wird man kaum je die Möglichkeit bekommen, Gemälde aus dieser Perspektive zu sehen.

Im VR-Kunstmuseum sind Meisterwerke von Malern wie Rembrandt, Aelbert Cuyp und Frans Hals ausgestellt. Sie decken eine Vielfalt an Genres ab: von Stillleben über Landschaftsmalerei bis hin zum Porträt.

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Die Gemälde wurden samt Rahmen und Rückseite digitalisiert. BILD: The Kremer Collection VR Museum / Moyosa Media BV

Die Bilder wurden in hoher Auflösung gescannt, sodass es sich lohnt, nahe an sie heranzutreten. Selbst Lichtreflexionen der Umgebungen sind auf der Oberfläche der Gemälde sichtbar.

Die Größe der Gemälde wurde in der Virtual Reality beibehalten, sodass man eine genaue Vorstellung von deren Format bekommt. Manche der Werke sind kleiner als eine Postkarte und kommen unter der VR-Brille nur schlecht zur Geltung. Ob das an den schwachen Displays aktueller VR-Brillen oder der Scanning-Qualität liegt, ist schwer zu sagen.

Abzüge beim Komfort

Jedes Gemälde bietet einen Infokasten mit den wichtigsten Angaben und einem kurzen Text des Kurators, den man entweder lesen oder als Audiokommentar hören kann.

Der Kurator erzählt die Entstehungsgeschichte der Gemälde, erklärt, was dargestellt ist oder geht auf Einflüsse anderer Künstler ein. Eine tiefergehende Interpretation der Feinheiten der Werke fehlt leider.

Was die künstliche Fortbewegung betrifft, hinkt die App der VR-Entwicklung der letzten zwei Jahre nach: Man kann sich lediglich teleportieren und beim Teleportieren die Orientierung nicht festlegen. Künstliche Drehungen um die eigene Achse sind ebenfalls nicht möglich. Wer lediglich zwei frontale Sensoren nutzt, könnte mit dem Tracking Probleme bekommen.

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Das Goldene Zeitalter diente dem Architekten als Inspiration. BILD: The Kremer Collection VR Museum / Moyosa Media BV

Ebenfalls ärgerlich: Die Gemälde können nicht im Sitzen angeschaut werden. So zwingt die App VR-Nutzer, sich wie in einem echten Kunstmuseum die Beine in den Bauch zu stehen. Hier hätte wäre ein größeres Zugeständnis an den Nutzungs- bzw. Betrachtungskomfort, den Virtual Reality bietet, angebracht gewesen.

The Kremer Collection VR Museum ist bei Steam für HTC Vive, Oculus Rift und Windows Mixed Reality sowie im Oculus Store und bei Viveport erhältlich. Die App kostet 9,99 Euro.

| Featured Image: Moyosa Media BV

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