Update vom 11. Juli 2018:

Googles früherer KI-Leiter John Giannandrea ist bei Apple angekommen und übernimmt dort den generellen Chefposten für maschinelles Lernen und die Künstliche-Intelligenz-Strategie. Er übersieht die Abteilungen für maschinelles Lernen, den Sprachassistenten Siri und die KI-optimierte iOS-Programmierschnittstelle CoreML.

Giannandreas Herausforderung wird es sein, Apple bei Sprachverarbeitung, KI-Assistenz und maschinellem Sehen konkurrenzfähig zu machen speziell mit Google und Facebook. Im Unterschied zu den letztgenannten Unternehmen hat Apple keinen beinahe unbeschränkten Zugang zu Daten, mit denen KI-Systeme trainiert und fortentwickelt werden können.

Ursprünglicher Artikel vom 4. April 2018:

Beim Wettrennen um Künstliche Intelligenz ist Apple derzeit nicht auf Augenhöhe mit Google, Facebook oder Amazon. Eine neue Personalie könnte Bewegung in die Sache bringen.

Wie das Wall Street Journal und die New York Times berichten, verkündete Apple-Chef Tim Cook am Dienstag intern die Einstellung von John Giannandrea. Er leitet zukünftig Apples Abteilung für Künstliche Intelligenz. Bei Google arbeitete Giannandrea seit 2015 in ähnlicher Position.

Apple soll rund ein Jahr auf Suche gewesen sein, bevor Giannandrea anbiss. In einer E-Mail an die Mitarbeiter schrieb Cook laut der New York Times, dass Giannandrea Apples Einstellung zum umsichtigen Umgang mit privaten Nutzerdaten teile.

Den Abgang von Giannandrea bestätigte Google offiziell, seine Nachfolge wird intern durch Jeff Dean gelöst. Dean ist einer der Mitgründer von Googles KI-Abteilung Google Brain und eine etablierte Größe in der Künstliche-Intelligenz-Szene. Er ist seit 1999 im Google-Konzern tätig.

Giannandrea ist kein KI-Apokalyptiker

Warnungen vor einer KI-Apokalypse wie sie der Tech-Milliardär Elon Musk regelmäßig wiederholt, hält Giannandrea für übertrieben. Aktuelle KI erreiche nicht einmal das Niveau eines vierjährigen Kindes, erklärte Giannandrea kürzlich. Die Angst davor, dass generelle Künstliche Intelligenz plötzlich sehr viel besser und mächtiger werden könnte, sei völlig unbegründet.

Sehr wohl warnt Giannandrea hingegen vor digitalen Vorurteilen, die in den Datensätzen stecken können, mit denen Künstliche Intelligenz trainiert wird. Er fordert einen transparenten Umgang mit diesen Trainingsdaten: “Wenn man nicht weiß, mit welchen Daten der Algorithmus trainiert wurde, dann sollte man ihm nicht trauen.”

Grundsätzlich, so Giannandrea, vermeide er den Begriff Künstliche Intelligenz gerne: “Das ist wie Big Data. So ein breiter Begriff, der überhaupt nicht gut definiert ist. Ich versuche stattdessen, den Begriff ‘maschinelle Intelligenz’ zu verwenden.”

Diese wiederum hält er auch ohne grundlegendes Abstraktionsvermögen für “extrem wichtig”: “Maschinelle Intelligenz wird unsere Industrie verändern.”

Bei Apple könnte sich Giannandrea insbesondere mit der Fortentwicklung von Siri befassen. Die digitale iOS-Assistentin ist nach anfänglichem Hype deutlich hinter den Google Assistant und Amazon Alexa zurückgefallen. Bei seinem früheren Arbeitgeber war Giannandrea auch für die Entwicklung der Suchalgorithmen mitverantwortlich.

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