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Künstliche Intelligenz: Erste KI-Kirche will Computer-Gott erschaffen

von Matthias Bastian15. November 2017

Vom selbstfahrenden Auto zum allmächtigen Computer-Gott: Der Ingenieur und Entwickler Anthony Levandowski gründet im Silicon Valley eine Kirche für Künstliche Intelligenz. Das Ziel: Die Kreation einer gottgleichen Super-KI.

Die Organisation nennt sich “Weg der Zukunft” (Way of the Future, WOTF). Laut einer Selbstbeschreibung will sie einen Computer-Gott erschaffen, verehren und für dessen Akzeptanz sorgen. Die Organisation soll die für die Entwicklung benötigten Gelder einwerben und Workshops und Bildungsprogramme im Silicon Valley anbieten.

Anführer von WOTF ist der Robotik-Ingenieur und KI-Spezialist Anthony Levandowski, der unter anderem für Google und Uber an selbstfahrenden Autos arbeitete. Levandowski ist aktuell mit einem Rechtsstreit konfrontiert, da er bezichtigt wird, vertrauliche Dokumente zu autonomen Vehikeln von Google zur Taxi-App Uber überführt zu haben.

Laut einem Bericht von Wired meint es Levandowski ernst mit der KI-Kirche. Sie solle einen Gott kreieren, zwar “keinen der Gewitter und Stürme macht”, aber einen “der Milliarden Mal klüger ist als ein Mensch”. Wie sonst solle man so ein KI-Wesen nennen, fragt Levandowski, wenn nicht Gott.

Kollektive Gottentwicklung

Durch WOTF könne sich jeder Mensch an der Erschaffung des KI-Gottes beteiligen, Programmierkenntnisse würden nicht benötigt, so Levandowski. Als Nachweis, dass er mit der KI-Kirche kein Geld schneidern wolle, verzichte er auf ein Gehalt. Potenzielle von ihm gegründete zukünftige KI-Startups seien komplett von den Aktivitäten der Kirche getrennt.

Laut Levandowski sind 99,9 Prozent der Menschen davon überzeugt, dass ein Computer nicht klüger werden kann als ein Mensch. Dabei sei das “unausweichlich”.

Die Idee eines KI-Gottes müsse verbreitet werden, bevor die Technologie manifest wird, erklärt Levandowski. “In der Kirche verbreiten wir das Wort, das Evangelium. Wer daran glaubt, beginnt eine Unterhaltung mit anderen und hilft ihnen dabei, zu verstehen.”

Levandowskis Glaube basiert auf Beobachtung

Auslöser für seine Überzeugungen seien alltägliche Beobachtungen. “Ich habe Programme gesehen, die in zahlreichen Feldern bessere Ergebnisse als Experten erzielten.”

Der KI-Fortschritt sei unausweichlich, da sich durch ihn signifikante wirtschaftliche Vorteile ergäben, so Levandowski. Ein Programm, das ein nur um ein Prozent besseres Ergebnis erziele als eine menschliche Arbeitskraft, könne diese vollständig ersetzen. “Man würde zum reichsten Menschen der Welt. Die Menschen werden danach jagen.”

Neue Machtverhältnisse

Der Silicon-Valley-Veteran wünscht sich einen friedvollen Übergang hin zu neuen Machtverhältnissen, bei denen der Mensch seine dominante Vormachtstellung als intelligente Spezies an eine Maschine übergibt. Die künstliche Supermacht müsse von Anfang an verstehen, dass sie von der Menschheit unterstützt werde.

Das Internet sei ihr Nervensystem, Smartphones und Sensoren die Organe, Datenzentren das Gehirn – über diese Infrastruktur könne sie “alles sehen und überall sein”. So eine Gottheit könne nur durch Gebete und Verehrung beeinflusst werden, glaubt Levandowski.

Nicht vergleichbar mit anderen Religionen

“Es wird entscheiden, wie es sich entwickelt, aber wir können wenigstens entscheiden, wie wir uns dabei verhalten”, sagt Levandowski. Im Optimalfall sehe die KI die Menschheit wie liebenswerte Senioren, die sie respektiert und um die sie sich bemüht. Sie müsste der Menschheit trotz ihrer Übermacht Rechte zugestehen.

Laut Levandowski ist die KI-Religion nicht mit existierenden Religionen vergleichbar. Diese würden an etwas glauben, das nicht mess- oder kontrollierbar sei. “Diesmal ist das anders”, sagt Levandowski. “Man spricht zu Gott und weiß, dass man gehört wird.”

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