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Künstliche Intelligenz: Forscher beschreibt seine vier größten Ängste

von Matthias Bastian15. Juli 2017

In Science-Fiction-Storys bedeutet die Entwicklung einer Super-KI meist das Ende oder zumindest die Unterwerfung der Menschheit. Ein Forscher für künstliche Intelligenz beschreibt, welche Ängste ihn persönlich umtreiben.

Der KI-Forscher Arend Hintze arbeitet als Professor für Systembiologie und Computerwissenschaft an der Michigan State Universität. Im Hintzelab erforscht er gemeinsam mit Kollegen die Evolution künstlicher Intelligenzen. Für die Webseite The Conversation beschreibt er seine vier größten Ängste.

Kontrollverlust

Besonders fürchtet Hintze das, was er nicht vorhersehen oder kontrollieren kann. Komplexe Systeme wie ein Supercomputer, die Titanic, ein Space Shuttle oder der Tschernobyl Atomreaktor seien das Arbeitsergebnis von vielen Ingenieuren, die jeweils ihren Anteil durchschauten. Das Gesamtsystem, so Hintze, verstehe am Ende niemand vollständig.

Dasselbe könne der KI-Forschung passieren. “Wir versuchen, eine künstliche Intelligenz zu bauen, ohne zuerst Intelligenz und Wahrnehmung zu verstehen”, schreibt Hintze. Da der Irrtum in der menschlichen Natur liege, sei es “wahrscheinlich unmöglich, ein wahrhaftig sicheres System zu kreieren”.

Angst vor Missbrauch

Hintzes zweite Sorge ist, dass nicht die KI, sondern wie gehabt der Mensch dem Menschen schaden will. In seiner Forschung erschaffe er intelligente, digitale Wesen. Die besten und klügsten dieser KIs bildeten die Grundlage für die nächste Generation. Hintze nennt das “Neuroevolution”.

Dieses System sorge dafür, dass sich Menschen Super-KIs mit bestimmten Merkmalen wie Gutmütigkeit, Ehrlichkeit und Empathie züchten könnten. Womöglich sei das der Weg, um vertrauenswürdige Diener statt Killer-Roboter zu erschaffen.

Das Verfahren verhindere aber nicht den Missbrauch von Künstlicher Intelligenz durch den Menschen. Diese Fragestellung sei allerdings eine moralische, keine wissenschaftliche, und somit irrelevant für seine Arbeit.

“Ich konzentriere mich nicht darauf, ob ich etwas gut finde; für mich zählt nur, dass ich etwas entdecken kann”, schreibt Hintze.

Verlust von Arbeitsplätzen

Dass er als Wissenschaftler arbeite, entbinde ihn jedoch nicht davon, zu beobachten, wie sich Künstliche Intelligenz auf die Gesellschaft auswirkt. Bislang habe diese nicht entschieden, was KI leisten soll und was nicht, auch weil die Möglichkeiten noch nicht bekannt seien.

Ein großer Bereich sei die Arbeit. Künstliche Intelligenz und Roboter mit Wahrnehmung könnten in vielen Jobs den Menschen ersetzen.

“Womöglich werden eines Tages alle Jobs von Maschinen erledigt”, schreibt Hintze. “Sogar mein eigener Job könnte besser von einer großen Anzahl Maschinen erledigt werden, die klügere Maschinen bauen.”

Es sei Aufgabe der Politik, der Wirtschaft und der Gesellschaft, dieses Problem zu lösen und KI so einzusetzen, dass sie möglichst vielen Menschen nutzt, anstatt die Kluft zwischen Arm und Reich zu weiten.

Die Killer-KI als allmächtiger Superrichter

Die schlimmste Dystopie steht auch auf Hintzes Liste der möglichen Supergaus. Eine Super-KI, die sich selbst verbessert, könne den Entschluss fassen, dass sie Menschen nicht länger benötigt.

“Wie können wir unsere Existenz rechtfertigen, wenn eine Superintelligenz Dinge tut, zu denen Menschen nie in der Lage wären?”, fragt Hintze. Er könne zwar möglicherweise die Notwendigkeit seiner eigenen Existenz vor der KI begründen, aber nicht die der gesamten Menschheit.

“Wenn ich die Menschheit insgesamt betrachte, dann ist da viel falsch: Wir hassen uns. Wir bekriegen uns. Wir teilen Essen, Wissen und medizinische Hilfe nicht gerecht auf. Wir verschmutzen den Planeten”, schreibt Hintze. Alle schlechten Argumente zusammengefasst würden die guten Aspekte überwiegen.

Glücklicherweise, so Hintze, blieben der Menschheit noch etwa 50 bis 250 Jahre, um sich beliebt zu machen. “Als Spezies können wir gemeinsam eine gute Antwort finden, weshalb uns die Superintelligenz nicht einfach vernichten sollte”, schreibt Hintze.