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Künstliche Intelligenz generiert realistische Straßenzüge

von Matthias Bastian15. August 2017

Sollte sich die Menschheit tatsächlich daranmachen und eine begehbare, virtuelle Zwischenwelt ähnlich der Realität entwickeln, wird das nicht ohne die Hilfe einer Künstlichen Intelligenz gelingen. Denn so viel Handarbeit kann kein noch so großes Entwicklerteam leisten. Ein neuer Algorithmus zeigt, wie realistisch eine von einer KI berechnete digitale Welt eines Tages aussehen könnte.

Die Szenen in der Aufzeichnung (siehe Video unten) wirken beinahe so, als seien sie mit einer herkömmlichen Kamera auf einer gewöhnlichen deutschen Straße gefilmt worden. Allerdings ist dieser Straßenzug auf keiner Karte eingezeichnet, denn er entspringt ausschließlich den Berechnungen einer Künstlichen Intelligenz. Kein einziges Objekt und keine Szene im Video existiert in der Realität.

Das neuronale Netz erdachte den künstlichen Straßenverlauf anhand von realen Straßendaten, mit denen es zuvor trainiert wurde. Das System startete mit Fotos, bei denen grobe Layouts klassifiziert sind, die vorgeben, welche Objekte im Bild auftauchen, beispielsweise Straße, Baum, Auto.

Basierend auf diesen Daten entwickelte der Algorithmus dann ein vollständig neues, rein künstliches Bild. Für die Demonstration lernte das KI-System anhand von 3.000 Aufnahmen deutscher Straßen.

Laut dem Entwickler Qifeng Chen von der Stanford Universität und Intel könnte man mit dem Verfahren realistische Videospiele rendern. Er experimentiere bereits damit, die digitale Welt von “Grand Theft Auto V” durch eine fotorealistische und vollständig vom Algorithmus berechnete Variante zu ersetzen.

Optische Defizite

Bis das auf grafisch hohem Niveau möglich ist, braucht es laut Chen noch viel Entwicklungsarbeit. Der Forscher gibt an, dass er bereits an einer größeren Version des Systems arbeitet, das deutlich leistungsfähiger sein soll.

Im Video ist gut zu erkennen, dass die von der KI erstellten Bilder noch unscharf, unvollständig und surreal sind – fast wie in einem Traum. Ähnliche Ergebnisse kennt man von Googles Bildverarbeitung Deep Dream oder von gering aufgelösten 3D-Scans bei Google Earth.

Der Computer-Vision-Forscher Noah Snavely von der New Yorker Cornell Universität ist von Chens KI positiv überrascht. Er gibt zu bedenken, dass eine fotorealistische Darstellung für das Metaverse womöglich gar nicht notwendig ist. In Spielen oder Filmen erwarte das Publikum sehr realistische Grafiken, bei VR seien die Erwartungen andere.

| Featured Image: New Scientist (Screenshot bei YouTube)

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