Forscher wollten mit Künstlicher Intelligenz neue optische Täuschungen kreieren. Das neuronale Netz scheiterte, doch das birgt eine wichtige Erkenntnis.

Optische Täuschungen bieten einen faszinierenden Einblick in unser visuelles System und die menschliche Wahrnehmung. Deshalb sind sie für Forscher so spannend: Sie können dabei helfen, zu verstehen, wie unser Gehirn die Welt wahrnimmt.

Facebooks oberster Realitätsforscher Michael Abrash argumentiert, dass Realität nur rekonstruiert ist. Unser Gehirn bezeichnet er als “Interpretationsmaschine” und nicht als objektiven Beobachter. Erfahrungen sind nur das, was das Gehirn aus den empfangenen Daten macht, glaubt Abrash.

Optische Täuschungen dienen seiner Beweisführung, zum Beispiel das virale Phänomen “The Dress”: Tagelang diskutierten Menschen in den sozialen Netzen, ob das Kleid nun weiß und gold oder blau und schwarz ist.

Zu wenige Daten erschweren das KI-Training

Bislang bekannte optische Illusionen wurden von wenigen Künstlern kreiert – oder von der Natur selbst.

Es wäre der Wahrnehmungsforschung sicher dienlich, hätte sie plötzlich beinahe unbegrenzten Zugang zu optischen Täuschungen aller Art in sehr feinen und individuell konfigurierbaren Abstufungen.

Das dachten sich die beiden KI-Forscher Robert Williams und Roman Yampolskiy und wollten eine Künstliche Intelligenz so trainieren, dass sie neue optische Täuschungen erschaffen kann. Sie wollten mehr herausfinden über die einzelnen Faktoren, die aus einer Darstellung eine visuelle Illusion machen und ob sich ein maschinelles Sehsystem ähnlich übertölpeln lässt wie das menschliche.

Die Herausforderung: Es gibt wenig Trainingsmaterial. Wenn sich KI-Systeme für gewöhnlich durch viele zehntausende und mehr Datensätze wühlen, mussten sich die Forscher bei optischen Illusionen mit gerade einmal rund 6.000 Bildern begnügen. Hinzu kommt, dass ohnehin nur einige Dutzend unterschiedlicher Illusionstypen existieren sollen.

KI kann keine optischen Illusionen kreieren

Das Ergebnis ist keines und das ist wiederum signifikant: Dem neuronalen Netz (GAN) gelang es nach stundenlangem Training nicht, neue optische Illusionen zu erstellen.

Ein GAN-Netzwerk untersucht Pixelstrukturen und erstellt ähnliche, aber es versteht keine Motive, selbst wenn es diese erkennen kann. Es geht um Farbwerte und die Anordnung von Bildpunkten – das ist Statistik.

Eine KI müsse wohl erst das Prinzip optischer Täuschungen verstehen, damit es das menschliche Sehsystem gezielt austricksen könne, lautet daher das Fazit der Forscher.

Sie stellen ihren Datensatz der Wissenschaft zur Verfügung, gehen allerdings davon aus, dass er zu klein ist, um Erfolge zu erzielen. Optische Täuschungen bleiben also vorerst fest in der Hand der Menschheit. Den ein oder anderen mag das beruhigen.

Via: MIT / Paper


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