Eine KI-Software soll Menschen anhand ihres Gangs identifizieren können. Das Verfahren könnte insbesondere Menschenmengen flexibler überwachen als eine Gesichtserkennung.

Menschen sind voller Muster: Im Gehirn, im Gesicht – und in ihren Bewegungen. Für andere Menschen sind diese Muster vielleicht nur unbewusst und häufig gar nicht sichtbar. Für Künstliche Intelligenz hingegen sind sie das Objekt der Begierde: Sie durchwühlt große Datenmengen auf der Suche nach ihnen – und analysiert sie bis auf den Pixel genau.

Die chinesische Firma Watrix will mit dieser maschinellen Begabung Videobilder überwachen: Personen sollen anhand ihrer Körperform und ihres persönlichen Gangbilds von einer KI eindeutig identifiziert werden können.

Angeblich reichen dafür Kameraaufnahmen aus einer Entfernung von bis zu 50 Metern. Sie müssen nicht einmal hochauflösend sein. Auch die Aufnahmerichtung soll egal und das Gesicht kann verdeckt sein.

Gespieltes Hinken täuscht die KI nicht

Im Vergleich zur Gesichtsidentifikation wäre die Ganganalyse so deutlich flexibler, da sie nicht auf die Kooperation der zu identifizierenden Person angewiesen ist. Laut Watrix-Chef Huang Yongzhen lässt sich die KI-Software nicht einmal durch ein beispielsweise vorgetäuschtes Hinken aus dem Tritt bringen, da “der gesamte Körper” analysiert werde.

Die Genauigkeit der Gangmustererkennung liegt laut Huang Yongzhen bei 94 Prozent. Allerdings läuft sie noch nicht in Echtzeit: Um eine Stunde Videomaterial zu durchsuchen, braucht die KI rund zehn Minuten.

Die Stadt Beijing soll die Software bereits einsetzen, um Verdächtige aufzuspüren und unachtsame Fußgänger zu überwachen. Weitere Informationen gibt es auf der offiziellen Webseite.

Im Mai stellten Forscher der Universität Manchester und der autonomen Universität Madrid ein KI-System vor, das eine Person mit hundertprozentiger Sicherheit anhand ihres Laufstils identifiziert. Die Fehlerrate liegt bei 0,7 Prozent. Allerdings benötigt das System spezielle Bodenplatten, über die die zu identifizierende Person laufen muss. Der Einsatz ist damit auf spezielle Zonen begrenzt, beispielsweise bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen.

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