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Künstliche Intelligenz: Vernetzter KI-Marktplatz soll Singularität bringen

von Matthias Bastian23. Dezember 2017

In Zukunft könnten wir uns die Hilfestellung einer Künstlichen Intelligenz so einfach einkaufen wie ein Produkt bei Amazon. Bezahlt werden diese KI-Systeme – natürlich – in Kryptowährung. Die Plattform Singularity Net will KIs außerdem miteinander vernetzen und so die Entwicklung einer Super-KI beschleunigen.

Singularity Net soll ein dezentralisierter Marktplatz für Künstliche Intelligenz werden, auf dem Unternehmen, Organisationen oder Individuen KI-Leistungen einkaufen und verkaufen können. Die Verträge auf der Plattform werden durch ein Blockchain-System kontrolliert und zusammengehalten und von den KIs eigenständig ausgehandelt. So soll der Marktplatz den Zugang zu Künstlicher Intelligenz demokratisieren und verhindern, dass ein einzelnes Unternehmen den KI-Markt kontrolliert oder gar eine Super-KI besitzt.

Der Clou ist, dass einzelne KI-Systeme sich mit anderen austauschen lernen sollen, sodass sie ihre Fähigkeiten kombinieren und Kundenwünsche automatisiert besser erfüllen können. Der Nutzer müsste nur noch seine Problemstellung definieren, die KI-Plattform würde anschließend die optimale Kombination aus Algorithmen bereitstellen.

Der Gründer von Singularity Net ist Ben Goertzel, ein erfahrener KI-Forscher, der für das Unternehmen Hanson Robotics die Roboterfrau Sophia entwickelte. Sie ist bekannt aus dem US-TV und schoss unter anderem gegen KI-Kritiker Elon Musk.

Entmachtung der Techkonzerne vor der Singularität

Singularity Net soll KI-Entwicklern die Möglichkeit geben, Geld mit ihrem Code zu verdienen, ohne ihn an Techkonzerne abtreten zu müssen oder ihn alternativ bei Github zu verschenken. “Ein junger Entwickler könnte Millionen US-Dollar machen, wenn er seine Computer-Vision-KI auf unserem Marktplatz anbietet”, sagt Goertzel.

Das eigentliche Ziel von Goertzel und seinem Team ist jedoch nicht der Marktplatz. Er ist nur Mittel zum Zweck, um möglichst viele KI-Systeme miteinander zu vernetzen, die wiederum eigenständig neue KIs erzeugen können.

Die Plattform trägt ihren Namen nicht umsonst: Aus den vielen vernetzen KI-Systemen soll irgendwann eine menschenähnliche Künstliche Intelligenz erwachsen, die die Singularität erreicht. Der Begriff beschreibt den Punkt, ab dem eine KI klüger ist als Menschen und sich eigenständig verbessern kann.

Es ist die ultimative Vision der KI-Forschung, die – wenn sie in Erfüllung geht – die Geschichte der Menschheit grundlegend verändern würde. Die Singularität sei zwar noch Jahrzehnte entfernt, so Goertzel zu Wired, aber durchaus erreichbar.

Die Menschenliebe in die Wiege gelegt

Angst davor, dass sein KI-Marktplatz ein Endzeitszenario herbeiführen könnte, hat Goertzel nicht. Sein Ansatz ist, dass ein bestimmter Prozentsatz der KI-Knoten zum Wohle der Menschheit rechnen muss, beispielsweise für soziale Projekte, Bildung oder Forschung.

Wenn eine generelle KI auf dieser Basis entsteht, glaubt Goertzel, dann ist es wahrscheinlich, dass diese positiven Handlungen die Grundlagen ihrer Gesinnung bilden und sie im Auftrag der Menschheit handelt – auch wenn diese längst nicht mehr die Kontrolle hat.

“Es ist keine Garantie, aber ganz sicher besser als wenn sie aus Killer-Robotern oder einer Werbemaschine entsteht”, sagt Goertzel.

| Featured Image: Singularity Net (Screenshot)