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Kurzfilm “Hyper-Reality”: Wie sieht unsere virtuelle Zukunft aus?

von Matthias Bastian20. Mai 2016

Es wird viel darüber berichtet – auch bei uns – wie neue virtuelle Technologien unsere Zukunft und den Alltag verändern können. Das im Detail zu visualisieren und zu konkretisieren, ist aber gar nicht so einfach; das eigene Vorstellungsvermögen stößt schnell an die Grenzen. Der Filmemacher Keiichi Matsuda hilft uns dabei, indem er Zukunftsfantasien aufgreift und in konkrete Bilder umsetzt.

Die Vision, die Matsuda präsentiert, ist allerdings wenig erfreulich. Der Kurzfilm zeigt eine von Werbeeinblendungen überladene und übertrieben grelle Welt, in der die größte Sorge der Protagonistin die gesammelten Treueprämien aus diversen Supermärkten sind. Jedes Detail in der Umgebung ist mit digitalen Informationen unterlegt. Die reale Welt schimmert in die Virtualität hindurch, nicht umgekehrt.

Matsuda zeigt eine Art permanentes Disneyland, erschaffen von Werbern und Digitalunternehmen, in der Nutzenversprechen und Fremdsteuerung miteinander verschwimmen. Eine Verschnaufpause gönnt uns “Hyper-Reality” nur in den wenigen Sekunden, in denen das System abstürzt und für einen kurzen Moment den Blick auf eine mit RFID-Codes gepflasterte, blasse Wirklichkeit freigibt. Dann springt das Disneyland wieder an.

Der Autor selbst beschreibt den Kurzfilm, der via Crowdsourcing auf einer Internetplattform finanziert wurde, wie folgt: “Unsere physische und virtuelle Realität wachsen immer stärker zusammen. Technologien wie VR, Augmented Reality, Wearables und das Internet der Dinge deuten auf eine Zukunft hin, in der Technologie jeden Aspekt unseres Lebens umspannt. Sie ist der Klebstoff zwischen jeder Interaktion und Erfahrung, bietet unglaubliche Möglichkeiten, kontrolliert aber auch, wie wir die Welt verstehen. ‘Hyper-Reality’ versucht diese spannende aber gefährliche Entwicklung nachzuvollziehen.”

Mixed-Reality-Zukunft als Perma-Werbefläche: Wir brauchen neue Finanzierungsmodelle für VR und AR

Einen ganz sensiblen Punkt spricht der Film aus meiner Sicht an: Wie wird die virtuelle Zukunft finanziert? Wird das Werbeparadigma, das weite Teile unserer Wirtschaft und der Kommunikation nach wie vor dominiert, weiter bestehen, oder finden wir neue, alternative Finanzierungskonzepte für Service und Inhalte?

Es wird an uns, den Konsumenten, liegen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wir müssen Projekte und Unternehmen finanziell unterstützen, die hochwertige und nutzenbringende Inhalte bereitstellen, anstatt einfach nur dem nächsten Kostenlosangebot nachzulaufen, das die eigene Reichweite an das meistbietende Unternehmen verschachert oder mit unseren Daten handelt. Gerade im Kontext virtueller Technologien, die fester Bestandteil unseres alltäglichen Sehens werden könnten, sind solche bewussten Entscheidungen wichtiger denn je.