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Kurzsichtig durch die VR-Brille? Augenexperte warnt vor Risiko bei Kindern

von Matthias Bastian15. November 2016

Seit gut einem Jahr sind VR-Brillen im Handel erhältlich. Wie sich die Geräte auf unsere Wahrnehmung, speziell unsere Sicht auswirken, ist nur rudimentär erforscht. Ein Augenheilkundler rät gerade bei Kindern zum vorsichtigen Umgang mit der neuen Technologie.

Bekannt ist, dass die derzeitige VR-Technologie unser gewohntes Sehverhalten grundlegend aushebelt. Das herkömmliche 2D-Display, auf dem die Inhalte angezeigt werden, befindet sich nur wenige Zentimeter vor den Augen. Fokussiert man nahe Objekte, ist das kein Problem. Blickt man jedoch in die Ferne, irritiert der eigentlich noch immer nahe Fokuspunkt auf dem Display unser Auge und Gehirn gleichermaßen.

Das kann zu Nebenwirkungen wie temporären Sehstörungen oder Zuckungen der Augenmuskulatur führen. Auch die bekannte VR-Übelkeit wird mitunter auf diesen Sehkonflikt zurückgeführt.

Der Augenarzt Dr. Joseph Rizzo von der Harvard Medical School “Massachusetts Eye and Ear” mahnt daher zum vorsichtigen Umgang mit der VR-Brille: “Es ist eine legitime Frage, ob die künstlichen Reize verändern, wie unser Gehirn visuelle Informationen akzeptiert und verarbeitet. Wir wissen es nicht.”

Erhöhtes Risiko für Kinder an Kurzsichtigkeit zu erkranken

Gerade Eltern rät Rizzo daher, ihre Kinder nicht länger als 30 Minuten in die Virtual Reality zu schicken. Ohnehin sind die aktuell erhältlichen VR-Systeme frühstens ab 12 Jahren freigegeben. “Wir müssen verstehen, ob sich das Gehirn dauerhaft verändert. Möglicherweise besteht auch ein erhöhtes Risiko, kurzsichtig zu werden”, sagt Rizzo. “Es muss viel Forschung betrieben werden. Und das sollte schnell passieren. Die Geräte sind da und über die kommenden Jahre werden sie flächendeckend verfügbar sein.”

In einem Interview mit Spiegel-Online argumentiert Dr. Christian Kandzia, Oberarzt für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Kiel, auf ähnliche Art wie Rizzo: “Ob das gut oder schlecht für die Augen ist, ist noch nicht untersucht. Man muss sich anfangs daran gewöhnen und es wird das Gehirn fordern. Möglicherweise sieht man nach einer VR-Sitzung eine Weile unscharf oder doppelt.” Kandzia rät dazu, sich nach einer langen VR-Session nicht sofort ins Auto zu setzen oder aufs Fahrrad zu steigen.

| Source: CBS Boston