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Laut diesem Kurzfilm werden wir zu Mixed-Reality-Psychopathen

von Matthias Bastian25. März 2017

Fortschritt ist nur ein anderes Wort für Veränderung. Und die macht häufig Angst. Kreative drücken diese Ängste künstlerisch aus, so auch im dystopischen Kurzfilm “Strange Beasts”, der die mögliche Mixed-Reality-Zukunft kritisiert.

In “Strange Beasts” ist die perfekte Mixed Reality bereits Realität. Digitale Inhalte und Wirklichkeit sind so miteinander verwoben, dass kein Unterschied mehr feststellbar ist zwischen dem, was von Natur aus existiert und dem, was der Mensch am Computer erschaffen hat.

Möglich macht das eine spezielle Kontaktlinse, die digitale Lichtfelder ins Auge projiziert. Wer sie haben will, muss sie sich mittels Laser-OP direkt auf die Netzhaut brennen lassen.

Der Kurzfilm von Magali Barbé beginnt wie eine harmloser Werbespot für eine Entertainment-App im Stile von “Pokémon Go”. Mit der Anwendung “Strange Beasts” kann der Träger der Mixed-Reality-Linse eigene Haustiere erfinden, digital kreieren und anschließend – wie mit einem realen Haustier – Zeit mit ihnen verbringen.

Die Computer-Viecher verhalten sich wie echte Haustiere, reagieren auf Zuruf, jagen einem Ball hinterher oder werden hungrig und müssen gefüttert werden. Der größte Vorteil der digitalen Lebewesen: Sie sterben nicht und begleiten ihren Erschaffer ein ganzes Leben lang.

Dystopie: Isolation auf virtuellen Inseln

Wer die Linse im Auge trägt, nimmt diese Wesen als real wahr. Wer sie nicht trägt, sieht an der gleichen Stelle, wo andere ein liebenswertes digitales Haustier vermuten…nichts.

Der Kurzfilm spielt bewusst mit diesem Kontrast und zeigt die gleiche Szene zweimal: erst aus der Perspektive des Linsensträgers und dann aus der einer außenstehenden Person.

Das lässt den Mixed-Reality-Nutzer wie einen Psychopathen wirken, der in seiner eigenen kleinen Welt existiert, in der er nur mehr mit sich selbst beschäftigt ist. Wer mal neben einem Hololens-Nutzer stand, der weiß, dass diese Vision nicht weit hergeholt ist.

“Strange Beasts” wirft eine Reihe gesellschaftlich und ethisch relevanter Fragestellungen auf. Wenn tatsächlich eines Tages eine Form der Mixed Reality existiert, in der digitale Inhalte und bekannte Realität nahtlos miteinander verbunden sind – wie teilen wir diese Welt miteinander? Hat jeder Einblick in die digitale Umgebung der anderen Menschen? Oder laufen wir alle mit imaginären Freunden durch die Welt, die wir selbst erschaffen haben – so wie Kinder, die sich einsam fühlen?

Und: Wie weit dürfen wir gehen, wenn wir virtuelle Menschen und Avatare erschaffen, die von echten Wesen kaum mehr unterscheidbar sind?

Mehr Informationen zum Film und ein Making-of gibt es auf der offiziellen Webseite.

| Featured Image: Magali Barbé (Screenshot aus dem Film)

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