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Oculus-Gründer: Virtual Reality macht das Netz menschlicher

von Matthias Bastian2. Januar 2016

In einem ausführlichen Interview mit dem US-Online-Magazin ‘Toms Guide’ stellt Palmer Luckey eine spannende These auf: Der Oculus-Rift-Erfinder glaubt, dass Virtual Reality langfristig das Potenzial hat, die Kommunikation über digitale Medien persönlicher zu gestalten.

Twitter, Textnachrichten und Co. hält Luckey für eher unpersönliche Kommunikationskanäle: „Daher treffen wir uns ja auf Veranstaltungen, damit Menschen, die hauptsächlich diese Medien nutzen, sich persönlich kennenlernen können”, erklärt Luckey gegenüber ‘Tom’s Guide’. Er glaubt, dass VR langfristig das erste Medium werden könnte, das digitale Kommunikation ‘menschlicher’ macht. Dafür müsse sich die Technologie aber deutlich weiterentwickeln: „Ich denke, in einigen Jahren können wir ziemlich gut oder sogar perfekt simulieren, dass zwei Menschen sich im gleichen Raum aufhalten. Aus meiner Sicht isolieren wir die Menschen nicht, wir verbinden sie.” Das dürfte Facebook-Chef Marc Zuckerberg gerne hören – 2014 kaufte Facebook Oculus VR, mit dem Ziel, das soziale Netzwerk auch in Virtual Reality auszubauen.

Palmer Luckey ist positiv überrascht, dass bereits in vielen verschiedenen Anwendungsszenarien mit VR experimentiert wird. Bei Oculus VR würde man sich zwar hauptsächlich auf Spiele konzentrieren, aber es gäbe viele kleine Nischenmärkte, die Virtual Reality revolutionieren könnten. Als Beispiele nennt Luckey Architektur, Lernen, Trainingsprogramme in der Medizin oder für das Militär und die Ersthilfe: „Es wird viele tolle Non-Gaming-Anwendungen geben, die außerhalb von Oculus VR entstehen”, sagt der Oculus-Gründer.

Wenig Hoffnung macht er den VR-Enthusiasten, die darauf hoffen, dass die virtuelle Realität bereits in 2016 große Erfolge feiert. Es sei zwar ein entscheidendes Jahr, weil Virtual Reality endlich flächendeckend verfügbar sei, aber er glaube nicht, dass es das Jahr werden würde, in dem jeder anfinge, sich für VR zu interessieren. „Wenn man sich schon für VR interessiert, dann wird es ein tolles Jahr”, sagt der Oculus-Gründer. Die Reaktionen auf die bereits verfügbare VR-Brille Gear VR von Samsung und Oculus beschreibt Luckey als sehr positiv. Speziell die Softwarenutzung würde langsam aber sicher steigen. Viele Käufer würden die VR-Brille täglich nutzen.

Die mobile VR-Brille sieht er als grundlegend an, wenn es darum geht, VR einem großen Markt vorzustellen. Die Einstiegshürde für PC-Brillen sei für normale Nutzer zu hoch, glaubt Luckey: „Jemandem eine VR-Brille, die Inhalte und einen High-End-Rechner zu verkaufen, das ist verdammt schwierig.” Das Problem würde sich aber in einigen Jahren von alleine lösen, da die verfügbare Hardware immer schneller und günstiger werden würde, bis in fünf Jahren auch ganz normale Notebooks anspruchsvolle VR-Apps abspielen könnten. Langfristig würde aber sowieso die nötige Hardware komplett in die VR-Brille integriert, glaubt Luckey: „Das ist nur eine Frage der Zeit, der Kosten und der Komplexität.”

„Irgendwann werden wir jedes Event aufnehmen und in VR nachbilden können.” Palmer Luckey via Tom's Guide

Auch von Nutzern selbst erstellte Inhalte findet Luckey interessant. Hier sieht er 360-Videos und -Fotos vorne. Als Beispiel nennt er die Hochzeit eines Kollegen, bei der er nicht persönlich anwesend sein konnte und die er sich daher hinterher als 360-Video angesehen habe: „Das ist die Art von Inhalten, die jeder gerne selbst kreieren möchte.”

Luckeys langfristiges technologisches Ziel ist es, Virtual und Augmented Reality in einem einzigen Gerät zu vereinen, das im Alltag problemlos getragen werden kann – wie eine Sonnenbrille. Kurzfristig sieht er aber Virtual Reality vorne: „Für Augmented Reality fehlt noch eine richtige Killer-App. Nicht, dass es die für Virtual Reality schon gäbe, aber den Menschen ist eher klar, wofür man die Technologie verwenden kann.” Luckey bezieht dieses Statement aber explizit auf den Markt für Endverbraucher – im industriellen Bereich sieht er zahlreiche sinnvolle Anwendungsszenarien für Datenbrillen wie Hololens oder Google Glass.

| SOURCE: Toms Guide