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Lytro: 60 Millionen US-Dollar von Investoren, neue Lichtfeldkamera *Update*

von Matthias Bastian23. April 2017

Update vom 23. April:

In einem zweiten Making-of zum “Hallelujah”-Musikvideo erklärt Lytro mehr Details zur Produktion des Raumvideos. Die ist – das sieht man allein am massiven Aufbau vor Ort – hochgradig komplex.

Gegenüber herkömmlichen 360-Produktionen bietet das Lytro-System den Vorteil, dass die Crew wie bei herkömmlichen Drehs am Set bleiben und eine Szene ausleuchten kann. Das 360-Bild samt Tiefeninformation wird im Nachhinein aus den 95 Einzelaufnahmen der Linsen zusammengesetzt. Das erinnert an das Photogrammetrie-Verfahren, angewandt für Videos. Für Schnitt und Postproduktion des Videos können gängige Software-Lösungen eingesetzt werden.

Das Video wird derzeit auf dem Tribeca Filmfestival in New York vorgeführt und dürfte früher oder später in Withins Virtual-Reality-App auftauchen, die für alle gängigen VR-Plattformen verfügbar ist.

Update vom 12. April:

Der US-Blog Road to VR hatte Gelegenheit, den überarbeiteten Prototyp der Lichtfeldkamera vor Ort bei Lytro zu besichtigen und neues Filmmaterial anzusehen. Das zweite Modell ist ein spektakulärer Aufbau, der aus einer Wand mit 95 Objektiven besteht.

Im Vergleich zum ersten Prototyp kann das neue Modell ein Lichtfeld mit einem Winkel von 90 Grad und deutlich mehr Bewegungsfreiheit innerhalb einer Szene einfangen. Bewegungen im Sitzen sollen ohne Einschränkung in alle Richtungen möglich sein. Die Bildqualität soll deutlich besser und schärfer sein als beim kugelförmigen Vorgänger.

Produzenten möchte Lytro mit umfangreicher Software unterstützen, die den Aufnahmeprozess und die Postproduktion vereinfacht. Filmemacher mit Projektideen können sich direkt an Lytro wenden.

So spektakulär Lytros Lichtfeldkamera ist, der massive Aufbau zeigt auch, dass die Technologie noch etwas Zeit brauchen dürfte, bis sie im Alltag von Filmern ankommt.

Spektakulärer Aufbau: In das Rack passen 95 Linsen, die synchron ein Lichtfeld einfangen können. Bild: Road to VR

Spektakulärer Aufbau: In das Rack passen 95 Linsen, die im Zusammenspiel ein Lichtfeld einfangen können. Bild: Road to VR

Das Produktionsstudio “Within” drehte mit der neuen Kamera eine volumetrische Aufnahme einer Inszenierung des Songs “Hallelujah”. Das Video soll erstmals auf dem Tribeca Filmfestival Ende April in New York vorgeführt werden. Im Making-of sieht man den neuen Prototyp im Einsatz.

Ursprünglicher Artikel vom 15. Februar 2017: Lytro: 60 Millionen US-Dollar von Investoren, neue Lichtfeldkamera

Lytro erhält 60 Millionen US-Dollar, um die Lichtfeldkamera Immerge im asiatischen Raum zu etablieren. Die Kamera soll mittlerweile reif sein für die Produktion. Chris Milk hat bereits ein erstes Projekt abgedreht.

Laut der Webseite Variety wurde die vormals kugelförmige Kamera seit August grundlegend neu entworfen. In der Vergangenheit waren die Linsen am Prototyp kreisförmig angeordnet, jetzt sind sie auf einer Ebene aufgereiht.

Um dennoch ein volles 360-Bild erfassen zu können, dreht sich das Gerät. Die Besonderheit der neuen Kameratechnologie ist, dass Licht nicht nur wie bei einer klassischen Kamera statisch an einer Position, sondern in Bewegung eingefangen wird. Auf Basis der Bewegungsdaten lassen sich sogenannte Lichtfelder berechnen, bei denen Fokuspunkt und Sichtfeld nachträglich frei verändert werden können.

Die Berechnung übernimmt Lytros Software, die auf einem Server in der Cloud läuft. Aus den gesammelten Kameradaten entsteht so eine räumliche 3D-Umgebung, in der sich der VR-Brillenträger unabhängig vom Sichtfeld der Kamera in einer gefilmten Szene frei bewegen kann. Allerdings nicht völlig frei, die Kamera zeichnet Raumdaten nur in einem Radius auf, die ihrem Volumen entspricht.

Die neuerliche Investitionsrunde wird von Blue Pool Capital angeführt, einem Risikokapitalgeber, der mit dem chinesischen Ecommerce-Riesen Alibaba verbändelt ist. Seit der Gründung steckten viele namhafte Investoren insgesamt 210 Millionen US-Dollar in Lytro. Das Startup ist eines der reichsten VR-Unternehmen überhaupt.

Erste Studios filmen mit Immerge

Dass man mit dem neuen Verfahren hochwertige Inhalte produzieren kann, soll der bekannte VR-Filmemacher Chris Milk mit seinem Studio Within unter Beweis stellen. Er hat laut Lytro schon ein erstes Video abgedreht, das nun in der Postproduktion ist. Es soll im zweiten Quartal 2017 erscheinen. Neben Milk sollen weitere Partner mit der Lichtfeldkamera experimentieren.

Außerdem hat Lytro offenbar das eigene Geschäftsmodell erweitert. Das Unternehmen will die Technologie nicht mehr nur Filmemachern, sondern auch Herstellern von VR- und AR-Hardware zur Verfügung stellen.

CEO Jason Rosenthal bezeichnet das Potenzial des neuen VR-Marktes als “größer als die mobile Revolution”. Die Technologie könne im Entertainment, in der Bildung, beim Training und bei der Telepräsenz Wirkung erzielen.

Erste Aufnahmen, die mit Immerge gefilmt wurden, zeigte Lytro im vergangenen August. Im eigenen Blog feierte das Unternehmen die Veröffentlichung des Materials als “historischen Moment für die VR-Industrie”. Räumliche Videos gelten gemeinhin als technischer Quantensprung bei der Produktion von Bewegtbild für die VR-Brille.

| Featured Image: Lytro

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