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Magic Leap: Ehemaliger Angestellter plaudert bei Facebook

von Matthias Bastian21. Oktober 2017

Der frühere Hardware-Architekt von Magic Leap erzählt bei Facebook von den Erfahrungen, die er in seiner Zeit als Magic-Leap-Angestellter gemacht hat.

Rund zweieinhalb Jahre lang war Rob Wyatt laut eigenen Angaben bei Magic Leap für die Architektur der Augmented-Reality-Hardware zuständig. Vor etwa einem Jahr stieg er bei Magic Leap aus. Sein Kenntnisstand bezieht sich auf diesen Zeitpunkt.

Offenbar aufgeschreckt von der neuerlichen Investitionsrunde über 502 Millionen US-Dollar äußert sich Wyatt bei Facebook: Magic Leap liege “schon weit hinter dem finalen Launchdatum” und brauche das Geld wohl, da die Ausgaben “wahnsinnig hoch” seien. “Ich bin mir sicher, dass ihnen das Geld ausgeht”, schreibt Wyatt. Magic Leap beschäftigt rund 1.500 Mitarbeiter über mehrere Standorte verteilt und unterhält eine eigene Fabrik.

Magic Leap geht die Zeit aus

Schon als Wyatt im Oktober 2014 bei Magic Leap einstieg, sei es der Plan gewesen, eine Entwicklerversion innerhalb von sechs Monaten auf den Markt zu bringen. Aktuell sei dieses Versprechen vielleicht realistischer, aber immer noch “nur ein Versprechen”.

Er habe direkt nach seinem Einstieg größere Umbauarbeiten an der Renderarchitektur vornehmen müssen, die “totaler Schrott” gewesen sei. Der aktuelle Chipsatz sei zwar sehr gut, veralte aber schnell. Wenn Magic Leap nicht zügig an den Markt ginge, müsse die Konstruktion wieder neu beginnen.

Das könne sich das Unternehmen aus Zeit- und Geldgründen nicht leisten: “Dann kommen andere und stellen eine bessere Plattform”, schreibt Wyatt.

Da Qualcomm zu den Magic-Leap-Investoren gehört, dürfte wahrscheinlich ein aktueller Snapdragon-Prozessor 835 in Magic Leap One rechnen. Er kommt auch in Oculus’ autarker VR-Brille Santa Cruz und in vergleichbaren Prototypen zum Einsatz.

Externe Hardware als Stolperstein

Wiederholte Medienberichte und Patente zeigen, dass Magic Leap Teile der Brillenhardware in eine externe Prozessorbox auslagern will, die ähnlich wie ein Smartphone in der Tasche getragen und via Kabel mit der Brille verbunden wird. Die Intention: Wenig Hardware in der Brille bedeutet weniger Gewicht und einen schlankeren Formfaktor.

Laut Wyatt ist diese Konstruktion dennoch ein Fehler. Anstatt auf einen externen Prozessor – Wyatt nennt ihn “Basisprozessor” – zu setzen, hätte Magic Leap lieber Smartphones anbinden sollen. Aktuelle Modelle seien ausreichend leistungsfähig, das hätte die Kosten gesenkt.

“Magic Leap wird teuer, weil es diesen Basisprozessor hat […] Es ging zu viel Aufwand in die Entwicklung eines mobilen Geräts, das nicht wirklich mobil ist”, schreibt Wyatt. “Ich will nicht noch einen Computer mit mir herumtragen.” Die Investitionen in den Basisprozessor wären besser in die Entwicklung einer Drahtloslösung geflossen, so Wyatt.

Eine weitere Herausforderung sieht Wyatt darin, Entwickler dafür zu begeistern, eine komplett neue Plattform und Entwicklungsumgebung zu unterstützen. “Warum sollte ich Apps für Magic Leap entwickeln, wenn ich sie für Apple machen kann?”

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