Magic Leap will sanften Übergang vom Smartphone in die Mixed Reality
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Magic Leap: Mitarbeiter äußern sich zur Augmented-Reality-Technologie

von Matthias Bastian10. August 2016

Der Hype ist groß um Magic Leap. Obwohl das Augmented-Reality-Startup permanent Schlagzeilen macht und es zahlreiche Tester gibt, liegen erstaunlich wenig konkrete Informationen vor. Bei Glasdoor äußern sich Mitarbeiter über die Arbeitsbedingungen und das Potenzial der neuen Technologie.

Firmengründer Rony Abovitz und seine Führungsetage sind fest davon überzeugt, dass Magic Leap das Potenzial hat, “die Welt zu verändern”. Sollte der Masterplan aufgehen, wäre diese Formulierung wohl nicht einmal eine Übertreibung. Das Startup möchte nämlich das Smartphone ablösen, das in den letzten Jahren Kommunikation und Ökonomie grundlegend beeinflusst hat. Eine mögliche Nachfolgetechnologie könnte eine ähnlich disruptive Wirkung entfalten.

“Wir wollten etwas machen, das nichts mit Büchern, Filmen oder Spielen zu tun hat. Wir haben uns gefragt, wie man in Zukunft mit Computern umgeht oder Medien und Entertainment konsumiert. Und dann haben wir die Technologie erfunden, die das möglich macht”, sagte Abovitz kürzlich auf einer Konferenz von Wired.

So ein ambitioniertes Ziel erreicht man nicht mit großen Worten und guter PR, sondern nur mit viel Arbeit und noch mehr Geld. Letzteres hat Magic Leap von Investoren bekommen. Der Gesamtwert des Unternehmens liegt bei circa 4,5 Milliarden US-Dollar. Namhafte Konzerne wie Google wetten viel Risikokapital auf den Erfolg der neuen Technologie. Und für die Arbeit hat Magic Leap hunderte Mitarbeiter eingestellt, die sowohl an Hard- als auch Software arbeiten. Einige davon äußern sich anonym auf der Bewertungsplattform Glasdoor zu den Arbeitsbedingungen.

Mitarbeiter bewerten Magic Leap bei Glasdoor: Probleme im Management, aber ein “weltveränderndes Produkt”

Auffällig ist, dass selbst die Mitarbeiter, die das Management und die Rahmenbedingungen bei Magic Leap scharf kritisieren, durchaus davon überzeugt sind, dass das eigentliche Produkt ein immenses Potenzial hat. Ein Mitarbeiter in Beschäftigung, der harsche Kritik an den Arbeitsprozessen übt und seinem Arbeitgeber nur zwei von maximal fünf Punkten gibt, spricht dennoch von einem “großen Potenzial” der Technologie und “extrem talentierten Kollegen”.

Ein weiterer Mitarbeiter beschwert sich ebenfalls über das Management, schreibt aber auch: “Man darf an etwas arbeiten, das noch nicht existiert.” Die Kritik am Management bezieht sich meist auf fehlende Transparenz bezüglich der Geschäftsstrategie, mangelnden Fokus und zu laute Großraumbüros.

Noch ein Kollege spricht ausschließlich in positiven Worten von “klugen, gebildeten und motivierten Ingenieuren”, die an einem “weltverändernden Produkt” arbeiten. Dass die Technologie das Potenzial haben soll, “die Welt zu verändern”, formuliert ein weiterer Mitarbeiter exakt genauso und schreibt außerdem von “brillanten Angestellten”.

Ein weiterer Beschäftigter ist zurückhaltender: “Ich bin gespannt, ob das Produkt erfolgreich sein wird.” In keiner der elf Bewertungen klingen Bedenken an, dass die Erfindungen von Magic Leap nur ein Luftschloss sein könnten.

Ab Ende des Jahres sollte es handfeste Informationen geben

Als relativ gesichert gilt, dass Magic Leap eine neuartige Displaytechnologie entwickelt, die das Herzstück der kommenden Mixed-Reality-Hardware ist. Sie setzt auf ein Lichtfeld statt auf Pixel und soll digitale Objekte besonders glaubwürdig in das Sichtfeld des Brillenträgers projizieren. Oder vielmehr: Auf dessen Netzhaut. Der eigentliche Projektor der Leap-Brille sitzt offenbar in einer externen Box – so groß wie ein Smartphone – der die visuellen Daten via Lichtleiter an das Hauptgerät sendet. Sowohl für die grafischen Berechnungen als auch fürs Interface dürfte außerdem ein ausgereiftes Eye-Tracking-System eine zentrale Rolle spielen.

Selbst wenn das Produkt von Magic Leap am Ende floppt, könnte das Unternehmen genug Patente und Technologie im Portfolio haben, um an den Lizenzen reich zu werden.

Die Produktion der ersten Prototypen für Entwickler soll in diesen Tagen in einer früheren Motorola-Fabrik in Kalifornien anlaufen. Spätestens Ende des Jahres sollte es also erste handfeste Analysen zur Technologie geben. Die aktuellste Demo zeigt einen Einkaufsprozess mittels Augmented Reality, bei dem eine Mutter ein Kinderzimmer einrichtet, indem sie digitale Einrichtungsgegenstände im Raum augmentiert und dann das reale Produkt bestellt. Entwickelt wurde die Demo für den Magic-Leap-Partner Alibaba, dem eCommerce-Riesen aus China.

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| Source: Glassdoor | Featured Image: Magic Leap (Screenshot bei YouTube)