Nach jahrelanger Warterei gibt es endlich handfeste Eindrücke zu Magic Leaps Augmented-Reality-Brille One. Die US-Presse sieht Potenzial, ist aber nicht euphorisch.

Jessi Hempel von Wired kann in seinem Text Virtual und Augmented Reality nicht unterscheiden – oder hält es nicht für notwendig: Magic Leap One sei auf Augenhöhe mit anderen VR- und AR-Demos, die er bislang gesehen habe, allerdings nicht “unglaublich viel besser”.

Das Sichtfeld sei weit genug, um nicht schmal zu wirken. Die gezeigten Apps – unter anderem ein Browser, eine interaktive Musikshow, ein TV-Screen und eine Inneneinrichtungsanwendung – seien “kreativ und interessant”, die Bildqualität “solide” und scharf.

Für den CNET-Redakteur Scott Stein bietet der Prototyp das bislang hochwertigste Augmented-Reality-Erlebnis – noch vor Microsofts Hololens. Jedoch sei der qualitative Abstand nicht groß und das Erlebnis ähnlich. Magic Leap One habe beim Display, dem Controller, der Grafik und der Immersion die Nase vorn.

Insgesamt sei die Brille ein Schritt nach vorne, aber keine Revolution. Das schmale Sichtfeld von circa 50 Grad in der Diagonale sei der größte Minuspunkt.

Die erfahrene Mixed-Reality-Testerin Adi Robertson von The Verge stört sich wie Stein am limitierten Sichtfeld. Es sei zwar weiter als bei Hololens, aber noch immer zu schmal. Die Bildqualität der beiden AR-Brillen ist für sie vergleichbar.

Den Tragekomfort beschreibt sie als angenehm und lobt, dass zwei unterschiedliche Größen mit verschiedenen Stirn- und Nasenauflagen angeboten werden. Enttäuscht ist sie vom bisher gezeigten App-Angebot, das substanzielle Anwendungen vermissen lasse – was Entwickler wohl nicht störe.

Magic Leap One sei besser als die meiste andere verfügbare Mixed-Reality-Hardware. Das Potenzial des Mediums könne die Brille aber nicht abrufen und sei auch noch weit davon entfernt – mit ungewissem Ausgang.

Was macht man mit dem Ding?

Rachel Metz von MIT Technology sieht es ähnlich wie Robertson: Die Demos seien unterhaltsam und interessant, visuell sogar eindrucksvoll, aber letztlich nicht grundlegend.

Sie vermisst das Gefühl, dass die digitalen Einblendungen wirklich im Raum existieren und beschreibt kleinere Darstellungsfehler bei schnellen Kopfbewegungen. Außerdem stört sie das schmale Sichtfeld. Die Hardware müsse insgesamt kleiner und besser werden.

“Die große Frage ist: Was machen Leute mit dem Ding?”, fragt Metz. Womöglich würden Entwickler sinnvolle Anwendungsszenarien finden – vielleicht aber auch nicht.

CNBC schickte den Redakteur Todd Haselton zum Magic-Leap-Test nach Florida. Haselton lobt die Bildqualität, speziell bei Videos auf einem virtuellen Screen. Er würde sich mit der Brille ein Basketballspiel anschauen. Schrift sei ebenfalls gut lesbar.

Allerdings habe ihm keine Demo glaubhaft vortäuschen können, dass das digital eingeblendete Objekt wirklich im Raum vorhanden ist, unter anderem wegen des schmalen Sichtfelds. Magic-Leap-Gründer Abovitz habe ihm im Gespräch bestätigt, dass das Sichtfeld für zukünftige Geräte verbessert werden könne, dass es aber schwierig sei, das gesamte menschliche Sichtfeld auszufüllen.

Trotz der Kritikpunkte fällt Steins Ausblick positiv aus: “Das ist die Zukunft der Computer. Wir brauchen kein Smartphone mehr oder ein TV-Gerät an der Wand. Eines Tages wird das altbacken wirken.” Allerdings müsse man auf solch ein Gerät wohl noch Jahre warten.

Weitere Eindrücke von Nutzern dürften bald folgen: Magic Leap One wird ab sofort in ausgewählten US-Städten für 2.300 US-Dollar verkauft. Magic Leap liefert das Gerät persönlich und unterstützt bei der Ersteinrichtung.


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