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Magic Leap: PR-Chef steigt aus, erste Hardware könnte “One” heißen

von Matthias Bastian15. Dezember 2016

Rund eine Woche nach der kritischen Berichterstattung einer US-Webseite steigt der PR-Chef Andy Fouché bei Magic Leap aus.

Es kann nichts bedeuten oder ziemlich viel: Eine Woche nachdem die US-Webseite The Information nach monatelanger Recherche detailliert und nachvollziehbar den Stand der Dinge bei Magic Leap offenlegte und somit den Marketing-Hype um die Mixed-Reality-Brille entzauberte, steigt der PR-Chef Andy Fouché aus.

Fouché wechselt zum geheimen Startup des Android-Erfinders Andy Rubin. Dort trifft er auf seinen früheren Kollegen Brian Wallace, der zuvor als Marketing-Chef bei Magic Leap angestellt war. Wallace wechselte ebenfalls vor wenigen Wochen vom Augmented-Reality-Startup zu Rubins neuer Unternehmung. Neue Marketing-Managerin bei Magic Leap ist Brenda Freeman, die zuvor für den National Geographic arbeitete.

Magic Leap schaltet vor dem Launch von “One” auf Schadenskontrolle um

Der Bericht von The Information offenbarte, dass Magic Leap deutlich hinter der Zeitplanung zurückliegt und der zuvor angekündigte Durchbruch im Bereich der Lichtfeldtechnologie nicht gelingt.

Leap-Gründer Abovitz bestätigte, dass in der ersten kommerziellen Hardware “Magic Leap One” – diese Bezeichnung taucht im Pressestatement zu Fouchés Abschied auf – andere Technologie verbaut sein wird als jene, mit der Investoren davon überzeugt wurden, über eine Milliarde US-Dollar in das Startup zu pumpen.

Offenbar gelingt es Abovitz’ Startup nicht, die experimentelle Lichtfeldtechnologie so zu miniaturisieren, dass sie in eine kleine Brille mit brauchbarem Formfaktor verbaut werden kann. Stattdessen wird das Unternehmen für das erste Produkt wohl auf herkömmliche Micro-OLEDs setzen, ähnlich wie andere Hersteller von Datenbrillen.

Seit dem Bericht von The Information hat Magic Leap und insbesondere Gründer Rony Abovitz auf Schadenskontrolle und Rechtfertigung umgeschaltet. Zuletzt bat Abovitz bei Twitter “um etwas mehr Geduld”. Man würde versuchen, einen “Computer mit Seele zu entwickeln” und werde erst über eine mögliche Veröffentlichung sprechen, wenn Verzögerungen ausgeschlossen seien.

Derweil sucht Magic Leap weiter nach neuen Mitarbeitern, über 1.000 sollen es bis Jahresende werden. Diese sind über mehrere Standorte in den USA und Europa verteilt. Bei der Job-Bewertungsplattform Glassdoor äußern sich 18 davon vornehmlich positiv. Vereinzelt wird Kritik geübt am Management und der Unternehmensführung. Offenbar sind sich einige der Angestellten nicht völlig darüber im Klaren, was sie eigentlich bauen.

Die kritische Berichterstattung nutzt Magic Leap

Gut möglich ist hingegen, dass der kritische Presseartikel Magic Leap auf lange Sicht mehr hilft als schadet. Der Hype um das Unternehmen erreichte eine Dimension, die unmöglich hätte erfüllt werden können. Abovitz sagt selbst: “Vielleicht denken Leute, dass wir etwas erfunden habe, das noch 50 Jahre in der Zukunft liegt.”

Nun ist der Weg für Magic Leap frei, ein Produkt zu veröffentlichen, das vielleicht nicht die Welt verändert und das Smartphone verdrängt, aber dennoch ein ernstzunehmender Wettbewerb ist für Microsofts Hololens.

| Featured Image: Magic Leap

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