Die seit dem 8. August erhältliche Augmented-Reality-Brille One ist für Magic Leap offenbar der Startschuss für einen Tech-Marathon: Das Unternehmen will auf lange Sicht mit Apple und Co. konkurrieren können. Das kostet Geld.

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Spektakulär sollte er werden, der Marktstart von Magic Leap One, sogar ein neues Computerzeitalter einläuten und das Smartphone überflüssig machen. So jedenfalls lauteten die Versprechungen des Magic-Leap-Gründers Rony Abovitz, die er über Jahre hinweg wiederholte.

Das aus dem ganz großen Wurf vorerst nichts wird, ist nach dem Launch in der vergangenen Woche klar: Die Erstlingsbrille – das Resultat jahrelanger Forschung und einer Milliardeninvestition – ist eine solide Ausgangsbasis für zukünftige Augmented-Reality-Technologie. Aber keine Revolution.

Kann man mit Kapital Innovation erzwingen?

Der holprige Marktstart von Magic Leap One liegt insbesondere am fehlenden – aber immer wieder groß angekündigten – Durchbruch bei der Displaytechnologie: Zwar bietet das Gerät scharfe Projektionen bei einem kleinen Formfaktor. Aber das Sichtfeld ist so eng, dass sich die Brille wohl nicht als Alltagscomputer gegen den Desktop-PC, das Smartphone oder das Notebook wird durchsetzen können.

Technische Komponenten wie die Verlässlichkeit des Trackings, die Rechenleistung, Design und Formfaktor können mit mehr Kapital sicher deutlich verbessert werden. Das zeichnet sich schon ab.

Beim optischen System hingegen ist es anders: Hier steht Newtons gegen Moores Gesetz. Die Regeln der Physik konnten selbst Magic Leaps zwei Milliarden US-Dollar bislang nicht brechen.

Abovitz will noch mehr Kapital

Magic-Leap-Gründer Rony Abovitz glaubt weiter an seine Vision. Und zwar im großen Stil: Im Interview mit der Financial Times kündigt er an, dass Magic Leap beim Wettrennen um die nächste Computerplattform gegen “einige der größten Konzerne der Welt” antrete. “Wir werden wahrscheinlich immer versuchen, mehr Kapital zu bekommen”, sagt Abovitz.

Magic Leaps Ziel sei nicht unmittelbar der finanzielle Profit, sondern Wachstum und Innovation. “Wir untersuchen, was andere große Unternehmen in der Vergangenheit gemacht haben und orientieren uns daran.”

Abovitz erwähnt Apple bei seinen Ausführungen zwar nicht explizit. Allerdings steht der iPhone-Konzern ganz sicher auf seiner Liste: Angeblich arbeitet Apple schon an einer Mixed- oder Augmented-Reality-Brille, die ab 2020 erscheinen könnte. Außerdem ist Apple-Konkurrent Google Magic Leaps wichtigster Geldgeber.

Entsprechend verweist Abovitz auf die Google-Partnerschaft: “Jetzt haben wir eine Plattform und eine Entwicklungsumgebung auf dem Markt und können anfangen, tolle Inhalte von Partnern wie Google zu verbinden.” Als Beispiel nennt er Googles KI-Assistenten fürs Smartphone.


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