Mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar hat Google in das Augmented-Reality-Unternehmen Magic Leap investiert. Jetzt äußert Googles Hardware-Chef Rick Osterloh seine Sicht auf die nahe Zukunft von Augmented-Reality-Brillen – und färbt so die Erwartungshaltung für Magic Leaps Erstlingswerk.

Auf dem Mobile World Congress kündigte Google die Endkunden-Version der ARCore-Initiative an, die Augmented Reality auf mehr Smartphones bringen soll. Sie ist derzeit mit 13 Smartphones kompatibel und wird in den kommenden Wochen für mehr Geräte ausgerollt.

Langfristig ist dennoch klar, dass AR-Technologie aus dem Smartphone raus muss, um ihr volles Potenzial zu entfalten. Die erweiterte Realität wird dann interessant, wenn sie – so wie das mobile Internet – allgegenwärtig ist und sich nahtlos in den Alltag einfügt.

Immer erst das Smartphone aus der Tasche ziehen und ins Blickfeld strecken zu müssen, ist auf Dauer zu umständlich für den Normalverbraucher. Oder wie es ausgerechnet der Pokémon-Go-Erfinder John Hanke formulierte: es ist unbeholfen.

Augmented Reality jenseits des Smartphones

Dass Smartphone-AR nur eine Brückentechnologie sein soll, bestätigt auch Googles Hardware-Chef Rick Osterloh im Interview mit dem Telegraph: “Wir versuchen herauszufinden, wie man Augmented Reality besser erleben kann als nur mit dem Smartphone.”

Google beschäftige sich permanent mit unterschiedlichen Formfaktoren und betreibe viel Forschung, so Osterloh. Eine zeitnahe Produktankündigung solle man dennoch nicht erwarten.

“Es wird eine Weile brauchen, bis diese Technologien reif sind … es wird einige Jahre dauern. Wir werden langfristig investieren und irgendwann wird die Entwicklung mit den Vorstellungen der Menschen aufholen”, sagt Osterloh.

Ähnlich äußerten sich in den vergangenen Monaten Facebook-Chef Mark Zuckerberg, Apple-Boss Tim Cook oder Oculus-Techvisionär Michael Abrash. Letztgenannter zweifelt sogar daran, dass eine AR-Brille auf Sci-Fi-Niveau jemals gebaut werden kann. Die Regeln der Physik könnten dem im Wege stehen, glaubt Abrash. Osterlohs Prognose ist somit nicht besonders exklusiv.

Osterloh dürfte auch an Magic Leap denken

Im Kontext von Magic Leap gewinnen Osterlohs Äußerungen jedoch an Brisanz. Denn in seinen Plänen wird die Forschung und Entwicklung des gehypten AR-Unternehmens sicher eine Rolle spielen.

Google steckte bislang über 500 Millionen US-Dollar in Magic Leap, das mit alltagstauglichen AR-Brillen das Smartphone ersetzen will. Im Dezember zeigte das Unternehmen erstmals Bilder einer relativ schlanken, aber optisch dennoch sehr auffälligen AR-Brille namens “Lightwear”. Im Laufe des Jahres soll sie auf den Markt kommen.

Wenn Osterloh jetzt prognostiziert, dass AR-Technologie außerhalb des Smartphones noch Jahre davon entfernt ist, Massenmarkt-tauglich zu werden, dann sagt das viel über seine Erwartungshaltung hinsichtlich Magic Leaps Lightwear-Brille aus. Und darüber, wie langfristig im Silicon Valley für die erweiterte Realität geplant wird.

Sollten andere Magic-Leap-Investoren Osterlohs entspannte Haltung teilen, verspürt das Unternehmen womöglich gar keinen Erwartungsdruck, dass die erste Lightwear-Brille außerhalb einer Enthusiasten-Zielgruppe und der Industrie an Bekanntheit gewinnt.

Das passt nicht ganz zum Hype, den Magic-Leap-Gründer Rony Abovitz in den vergangenen Jahren bewusst provoziert hat. Wohl aber zum Reifegrad der Technologie.

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