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Entscheidungen auf Leben und Tod in Virtual Reality

von Carolin Albrand9. Dezember 2015

Was dem Piloten sein Flugsimulator ist, könnte die “Virtual Reality Medical Training Simulation” für Chirurgen werden. In VR sollen sich angehende Operateure zukünftig Wissen und die nötige Stressresistenz aneignen, um später auch im realen Leben erfolgreich zu operieren.

Die Entwickler von Immersive VR Education sind mit dem Anspruch angetreten, Virtual Reality als Lernmedium optimal zu nutzen. “Durch Erfahrung lernen” ist das Motto des jungen US-Unternehmens – ‘Erfahrungsbasiertes Lernen’ nennt der deutsche Didaktiker das dahinterliegende Konzept. In einem neuen Projekt entwickelt das US-Unternehmen eine App für Gear VR, die angehenden Chirurgen dabei helfen soll, sich auf Operationen vorzubereiten. Dabei formuliert Immersive VR Education einen doppelten Anspruch an das neue Medium Virtual Reality: Einerseits sollen Lerninhalte interaktiv vermittelt werden, beispielsweise an welcher Stelle genau das Skalpell anzusetzen ist.

Erfahrungsbasiertes Lernen beschreibt ein didaktisches Modell, das auf der Annahme basiert, dass erst eine unmittelbare, praktische Auseinandersetzung mit einem Lerngegenstand einem Individuum effektives, sinnstiftendes Lernen ermöglicht. Lernen setzt in diesem Modell eine konkrete Erfahrung mit Echtcharakter außerhalb artifizieller Lernumgebungen voraus. Zitat aus Wikipedia, 'Erfahrungsbasiertes Lernen'

Andererseits soll aber auch die reale Umgebung so immersiv simuliert werden, dass die lernenden Chirurgen nicht nur theoretisches Wissen vermittelt bekommen, sondern gleichzeitig auch trainieren, den Stress auszuhalten, den sie auch am realen OP-Tisch erleben. In VR stehen sie im Notfallraum und müssen unter Zeitdruck Entscheidungen fällen, die über Leben und Tod entscheiden. Damit die Erfahrung möglichst authentisch ist, wurde die App gemeinsam mit dem irischen ‘Royal College’ für Chirurgen entworfen. Laut den Entwicklern soll die VR-Experience möglichst stressig sein und viele Umgebungsvariablen simulieren, mit denen Chirurgen auch im echten Leben konfrontiert werden können, wenn sie Unfall-Patienten behandeln.

Die App soll in Kürze kostenlos im Oculus-Store für Gear VR verfügbar sein. Das macht die Sache doppelt interessant: Immerhin bekommen so auch Nicht-Chirurgen Einblicke in eine Situation, die sie, wenn überhaupt und hoffentlich nicht, nur aus der Perspektive als Patient kennenlernen. Ob das nun eher beruhigt und informiert oder uns doch eher zum Hypochonder ausbildet, können wir dann selbst herausfinden.

Ein anderes Beispiel für den Einsatz von Virtual Reality in der Medizin gibt es mit HTC VIVE: Ärzte benutzen die VR-Brille, um sich in 3D-Umgebungen, die mit bildgebender Verfahren wie dem MRT erstellt wurden, auf Operationen vorzubereiten oder um dem Patienten einzelne OP-Schritte besser zu veranschaulichen. Der Medical-Simulator ist bereits das zweite VR-Learning-Experiment von Immersive VR Education: Bekannt geworden ist das Unternehmen mit der Apollo-11-Experience, bei der Schüler in die Fußstapfen von Neil Armstrong treten und die erste Mondlandung in Virtual Reality erleben können. Einen ausführlichen Bericht mit Video gibt es hier. Die App ist noch in Entwicklung und soll 2016 für alle gängigen VR-Brillen erscheinen.

| FEATURED IMAGE: Immersive VR Education