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Merkel und Obama entdecken Virtual Reality auf der Hannovermesse

von Matthias Bastian25. April 2016

Obama and Merkel just jacked in. Zwei Staatsoberhäupter schütteln sich in Virtual Reality die Hände. Ein historischer Moment. Sind wir jetzt Mainstream?

Aktuell geistern Bilder von der Hannovermesse durch zahlreiche Medien, auf denen sich der US-Präsident und die deutsche Kanzlerin eine Cardboard-Brille vor die Augen halten und ihren (wahrscheinlich ersten) Ausflug in die virtuelle Realität unternehmen. Für die Fotografen vor Ort ein dankbares Motiv, besonders wegen der beiden großen Kulleraugen auf der Vorderseite der Pappbrille. Und weil das so schön albern aussieht, geht das Motiv nun um die Welt. Immerhin dürfte es bei dem einen oder anderen Interesse für das neue Medium wecken. Doch was haben die beiden Machtmenschen eigentlich angesehen?

Die Besonderheit auf den Fotos ist nicht etwa Googles Pappbrille, sondern die unscheinbare 3D-Kamera, die sich an der Oberseite des modifizierten Cardboardgestells befindet. Die 3D-Kamera basiert auf dem Time-of-Flight (ToF) Prinzip und misst die Laufzeit des durch die Kamerabeleuchtung ausgesandten Infrarotlichts zum Objekt und zurück, wodurch für jedes Pixel des 3D Bildsensors eine Entfernung gemessen werden kann. Diese kann entweder als Tiefenbild oder als 3D-Punktwolke für Messungen, Raum oder Objektscans und für Augmented- oder Virtual-Reality-Apps genutzt werden.

Einfacher ausgedrückt: Die Kamera bringt, ähnlich wie Leap Motion, die eigenen Hände als Interface in digitale Umgebungen und öffnet damit völlig neue Möglichkeiten für Anwendungen und Interaktion. “Schöne neue Welt”, kommentierte Barack Obama die Tech-Demo. Das war hoffentlich ernst gemeint und nicht an den gleichnamigen dystopischen Sci-Fi-Roman von Aldous Huxley angelehnt.

Hersteller der 3D-Kamera ist pmd. Das deutsche Unternehmen kooperiert mit Google im “Project Tango” im Bereich Tiefensensorik. Die 3D-Minikamera wird auch in Googles und Lenovos Sensor-Smartphone verbaut, das noch im zweiten Halbjahr 2016 auf den Markt kommen soll. Das Gerät ermöglicht dank der integrierten Sensorik erstmals echte Augmented Reality mit dem Smartphone, bei der digitale Objekte perspektivisch korrekt in die Umgebung eingeblendet werden – eine Art Hololens für die Hosentasche für unter 500 Euro. Die Tango-Technologie dürfte außerdem ein wichtiger Bestandteil von Googles zukünftiger Virtual-Reality-Strategie sein, über die wir Ende Mai auf der Google Entwicklerkonferenz I/O mehr erfahren.

| SOURCE: pmd | FEATURED IMAGE: pmd (Screenshot bei YouTube)