Gemeinsam mit dem Unternehmen Metastage eröffnet Microsoft im Herzen Hollywoods ein Studio für volumetrische Filmaufnahmen.

Anders als am Computer erstellte VR- oder AR-Inhalte kann eine in 360-Grad gefilmte Szene nur aus Perspektive der Kamera angesehen werden. Spezielle Mixed-Reality-Filmstudios sollen diesen grundlegenden Nachteil lösen: Schauspieler werden von zahlreichen Kameras und Tiefensensoren aus vielen verschiedenen Blickwinkeln erfasst. Anschließend wird aus diesen Daten eine 3D-Szene rekonstruiert.

Das Ergebnis ist ein begehbares Video: Der VR-Brillenträger kann sich in eine Szene hineinlehnen oder sogar ein paar Schritte in jede Richtung machen.

Volumetrisch gefilmte Videos oder Schauspieler kann man mit der VR-Brille bereits ansehen, beispielsweise in Sonys eindrucksvollem Musikvideo “Tom Grennan VR”, in der VR-Erfahrung zu Blade Runner oder in den VR-Filmen “Vestige” und “Awake”.

106 Kameras für drei Meter VR-Raum

Für das Hollywood-Studio lizenzierte das Unternehmen Metastage Microsofts Mixed-Reality-Aufnahmetechnologie. Partner von Metastage ist unter anderem das Entwicklerstudio Magnopus, bekannt für die VR-Erfahrung zu Disneys “Coco” sowie “Blade Runner 2049”.

“Wir wollen den Aufnahmeprozess so vereinfachen, dass Schauspieler die Bühne betreten und es kann direkt losgehen”, sagt Metastage-CEO Christina Heller zu Variety.

Microsoft bastelt schon seit vielen Jahren an der Hard- und speziell der Software, die die riesigen Datenmengen der über 100 Kameras für die Weiterverarbeitung komprimiert. Das Kompressionsverfahren soll laut Metastage aus zehn Gigabyte pro Sekunde Filmmaterial zehn Megabit machen können.

Die Aufnahmefläche des neuen Studios misst rund zehn Meter im Durchmesser und ist von 53 RGB-Kameras und 53 Tiefensensoren umringt. Volumetrische Szenen können mit einem Durchmesser von circa drei Meter aufgenommen werden.

Das Studio ist recht kompakt, Szenen können nur in einem begrenzten Raum stattfinden. Bild: Metastage

Das Studio ist recht kompakt: VR-Szenen können nur in einem begrenzten Raum mit circa drei Meter Durchmesser stattfinden. Bild: Metastage

Die Auflösung der Aufnahmen ist durch die Software derzeit auf vier Megapixel beschränkt. Die Kameras unterstützen bis zu zwölf Megapixel. Heller geht davon aus, dass zeitnah mit höherer Qualität gefilmt werden kann.

Herkömmliche Kameras filmen die Szene, 3D-Tiefensensoren vermessen sie. Bild: Metastage

Herkömmliche Kameras filmen die Szene, 3D-Tiefensensoren vermessen sie. Anschließend werden die Daten zu einem 3D-Modell zusammengeführt. Bild: Metastage

Vorerst für ein Jahr und nur für Profis geplant

Metastage ist bereits das vierte volumetrische Filmstudio mit Microsoft-Technologie. Weitere Studios gibt es in San Francisco, Redmond und London.

Das Studio in Los Angeles ist vorerst für ein Jahr finanziert. Sollte es erfolgreich wirtschaften, will Metastage international expandieren.

Erste Kunden stehen schon fest: Unter anderem plant ein großer Zeitungsverlag eine AR-Produktion. Das VR-Filmstudio Springbok Entertainment möchte eine Ballerina mit tödlicher Krebsdiagnose tanzen lassen.

Der Chiphersteller Intel baut ebenfalls in Hollywood seit Anfang des Jahres ein volumetrisches Filmstudio auf. Auch in Deutschland tut sich was: Im Juni eröffnete in Babelsberg das VR-Filmstudio “Volucap”.

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