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Microsoft: Hololens für die Arbeit, VR-Brillen für Xbox- und Windows-Spiele

von Matthias Bastian4. März 2017

Auf der GDC konkretisierte Microsoft die Planung zu Acers kommender VR-Brille für Windows. Das Gerät soll ab 2018 sowohl mit Windows-VR als auch der “Xbox one Familie” und der neuen Konsole “Project Scorpio” kompatibel sein. Was genau Windows Holographic sein soll, weiß dennoch niemand so richtig – obwohl das Feature in rund vier Wochen ausgerollt werden soll.

Dass es Microsoft mit der Definition des Begriffs “Mixed Reality” nicht so genau nimmt, ist bekannt. Gegenüber Cnet bestätigt Hololens-Projektleiter Alex Kipman, dass auch HTC Vive oder Oculus Rift Mixed-Reality-Geräte seien – man könne ja reale Gegenstände wie 3D-Controller in der Virtual Reality anzeigen. Diese zusätzliche Begriffsverwirrung dürfte im kommerziellen Markt wenig Nutzen stiften.

Unabhängig der Ansichten von Microsofts Marketingabteilung zeichnen sich die VR-Brillen von Acer und Co. durch eine Besonderheit aus: Sie alle haben das Trackingsystem von Hololens verbaut und können sich ohne externe Sensoren räumlich orientieren.

Und: Microsoft möchte sämtliche VR- und AR-Geräte in dem räumlichen Betriebssystem “Windows Holographic” zusammenführen und verschiedene Endgeräte für unterschiedliche Nutzungsszenarien anbieten. Laut Kipman ist die AR-Brille Hololens für Arbeitsaufgaben und Unternehmen gedacht. Die vergleichsweise günstigen Windows-VR-Brillen ab 299 US-Dollar seien hingegen fürs Gaming und das Entertainment vorgesehen.

“Wir setzen auf eine universelle Plattform, die von X86 bis ARM reicht. Mixed-Reality-Erfahrungen, die sowohl mit Hololens als auch mit dem PC laufen. Das gilt auch für die Xbox. Es ist die gleiche universelle Plattform”, sagt Kipman.

Für die Zukunft seien 3D-Controller und neue Interfaces angedacht, über die Kipman noch nicht sprechen möchte. Auf der GDC wurde die Acer-Brille nur mit einem herkömmlichen Xbox-Gamepad demonstriert.

Rund vier Wochen vor dem Start ist Windows Holographic ein großes Fragezeichen

Schon in der Vergangenheit äußerte Kipman, dass man Dritthersteller wie HTC Vive oder Oculus VR nicht aus Windows Holographic aussperren würde. Im Gegenteil: Sie seien “herzlich eingeladen”. Jedoch dürften die wenig Interesse daran haben, wertvolle Nutzer aus dem eigenen Ökoystem in das von Microsoft zu spülen. Geld wird mit dem Verkauf von Software verdient, nicht mit Hardware.

Hinzu kommen technische Hürden. Zwar wäre es softwareseitig wohl ein überschaubarer Aufwand, Oculus Rift mit einer neuen Xbox oder dem Windows Store kompatibel zu machen. Jedoch müsste eine neue Konsole genug Anschlüsse bieten, um die Rift-Brille samt zwei bis vier USB-Sensoren zuzüglich weiterer Geräte aufzunehmen. Auch bei HTC Vive steigt der Konfigurationsaufwand im Vergleich zu Microsofts Acer-Brille, die mit einem einzelnen Kabel mit dem Zuspieler verbunden wird.

Auf der E3 2016 war es Oculus-Gründer Palmer Luckey, der sehr konkret von einer möglichen Partnerschaft zwischen Microsoft und der Facebook-Tochter sprach. Dieser Plan, Oculus Rift mit der neuen Xbox kompatibel zu machen, könnten wieder auf Eis liegen. Es sieht so aus, als hätte Microsoft kurzfristig die Strategie justiert, hin zu einem völlig offenen System für alle Hersteller und weg von einem fixen Kooperationspartner.

Die Zukunft von Windows Holographic ist knapp vier Wochen vor dem Launch sehr nebulös. Zwar ist das “Mixed-Reality-Portal” im neuesten Windows-Insider-Build verfügbar und wird wohl wie versprochen im April ausgerollt. Es ist jedoch nur mit der Acer-Brille kompatibel, die erst in einigen Monaten bei ausgewählten Entwicklern ankommt.

Viele Nutzer für Windows Holographic wird es demnach vorerst nicht geben. Aber weshalb auch? Bislang zeigte Microsoft nicht eine sinnvolle Anwendung, maßgeschneidert für das neue Mixed-Reality-Szenario. Das muss nicht bedeuten, dass die Visionen aus Redmond nicht Realität werden. Man sollte nur nicht damit rechnen, dass es zeitnah geschieht.

| Featured Image: Microsoft

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