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Microsofts Forscher zeigen neues Augmented-Reality-Experiment

von Matthias Bastian21. Mai 2017

Microsofts Wissenschaftler versuchen, Augmented-Reality-Funktionen in ein herkömmliches Brillengestell zu bauen. Sie fangen mit dem Display an.

Für den Prototyp entwickelten die Wissenschaftler ein spezielles Projektionsverfahren, das sie als “digitale Holografie” bezeichnen. Die digitalen Grafiken werden mittels Laserlicht auf einem Display dargestellt, das nah am Auge getragen werden kann.

Der Vorteil des Darstellungsverfahrens ist neben dem kompakten Formfaktor ein vergleichsweise weites Sichtfeld von circa 80 Grad. Die Auflösung liegt bei 1.920 x 1.080 Pixeln, die Bildwiederholrate bei 60 Hz. Technologie für eine Auflösung bis zu 4K und 90 Hz ist laut dem Forschern verfügbar. Die Darstellung funktioniert derzeit nur monoskopisch. Ein Prototyp, der stereoskopisches 3D unterstützt, ist angedacht.

Die Wissenschaftler haben außerdem eine Möglichkeit entwickelt, den Fokus pro Pixel zu verschieben. Der Träger der Brille könnte so verschiedene Punkte an einem digitalen Objekt fokussieren, ähnlich wie in der Realität. Bei aktuell erhältlichen AR- oder VR-Brillen ist das Bild überall gleich scharf. Die Funktion kann laut Microsofts Wissenschaftlern die Bildschärfe für Menschen mit Astigmatismus korrigieren.

Allerdings gelingt es den Wissenschaftlern noch nicht, das weite Sichtfeld und den natürlichen Fokus gleichzeitig im Brillengestell zu verbauen. Das gleiche Problem beschreibt die Forschungsabteilung von Oculus VR bei einem aktuellen Display-Experiment.

Eine handliche Augmented-Reality-Brille ist noch nicht in Sicht

Geht man davon aus, dass die Forschung von Microsoft auf dem neuesten Stand ist, bleibt der Wunsch nach Augmented Reality in einem herkömmlichen Brillengestell wohl noch länger unerfüllt. Zwar deutet der Prototyp eine interessante Displaytechnologie an, darüber hinaus ist aber keine Hardware verbaut.

Die Daten für die digitalen Projektionen werden von einem externen PC zugespielt, der mit einer schnellen – und entsprechend großen – Grafikkarte (980 TI) ausgestattet ist. Sensoren für die Computer Vision, die die Umgebung in Echtzeit scannen und so eine glaubhafte Erweiterung der Realität überhaupt erst möglich machen, sind nicht berücksichtigt. Die Brille unterstützt auch kein Headtracking.

Ohne externe Zuspieler dürfte demnach der Helm-Formfaktor von Microsofts Hololens und Co. noch eine ganze Weile Bestand haben. Für den Massenmarkt ist die Technologie aber erst dann tauglich, wenn sie schick und kompakt ist.

Diese Erkenntnis hatte wohl auch Facebook-Chef Marc Zuckerberg, als er Mitte April auf der Entwicklerkonferenz F8 die Smartphone-Kamera zur wichtigsten Augmented-Reality-Plattform der kommenden Jahre erklärte.

“Ich dachte mal, dass Brillen die erste AR-Plattform werden. Und dass wir sie in fünf oder zehn Jahren in dem Formfaktor haben, den wir alle wollen”, sagte Zuckerberg in seiner Ansprache. “Wir benutzen keine primitiven Werkzeuge, weil wir primitive Werkzeuge vorziehen. Wir benutzen sie, weil bessere noch nicht kreiert wurden.”

Die wissenschaftliche Publikation zu Microsofts neuem AR-Display ist hier einsehbar.

| Featured Image: Microsoft

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