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Mit Canvas lässt sich die eigene Wohnung in ein 3D-Modell verwandeln

von Tomislav Bezmalinovic22. November 2016

Im September brachte Occipital eine Tiefenkamera auf den Markt, die sich an ein iPhone oder iPad anstecken lässt. Mit dem “Structure Sensor” ausgerüstet, wird das Smartphone oder Tablet zu einem Gerät, das den Raum in der Tiefe ausmessen kann. Nun hat das US-amerikanische Start-Up eine App namens “Canvas” vorgestellt, mit der sich Räume innerhalb von Sekunden scannen und in ein CAD-Modell übertragen lassen.

Die App funktioniert derzeit nur mit dem iPad. Ist die Tiefenkamera angesteckt und mit dem iPad verbunden, startet man die App und beginnt, den Raum systematisch abzufahren – so als würde man die Wände streichen.

Das 3D-Modell des Raums entsteht in Echtzeit und wird auf dem Display des iPad angezeigt. Der Raum kann später virtuell ausgemessen werden, indem man zwei beliebige Punkte im 3D-Modell mit dem Finger berührt.

Wer möchte, kann das rohe 3D-Modell zur professionellen Weiterverarbeitung in eine CAD-kompatible Datei umwandeln lassen. Auf diese Weise kann man später Wände ausblenden und Grundrisse exportieren. Die CAD-Modelle werden nicht maschinell, sondern von Mitarbeitern des Unternehmens aufbereitet. Der Dienst kostet 29 US-Dollar pro Raum.

Die Canvas-App ist kostenlos für iOS erhältlich. Die ansteckbare Tiefenkamera ist in einem Software-Komplettpaket für 499 US-Dollar zu haben.

Tiefenkameras sind eine Schlüsseltechnologie für AR und VR

Tiefensensoren sind für Augmented Reality essentiell. Erst mit diesen Kameras können AR-Anwendungen die Realität perspektivisch korrekt um digitale Elemente erweitern und somit die reale und digitale Sphäre glaubhaft vermischen. Für Virtual Reality sind Tiefenkameras ebenfalls eine Schlüsseltechnologie. Sie machen externe Sensoren überflüssig und öffnen ein Fenster zur Außenwelt.

Das Lenovo Phab 2 Pro, das im Dezember erscheinen soll, ist derzeit das einzige mobile Gerät, das eine Tiefenkamera verbaut hat. Die zugrundeliegende Technologie namens Tango wurde von Google entwickelt. Asus wird im Januar das Zenfone AR vorstellen, ein Smartphone, das ebenfalls auf Googles Tiefensensor setzt.

Microsoft arbeitet mit Hololens an einer Augmented-Reality-Brille, die ebenfalls den Raum vermessen kann. Die Tiefenkameras der Hololens wurden von Microsoft selbst entwickelt; angeblich handelt es sich dabei um stark modifizierte Realsense-Kameras von Intel.

Das Unternehmen wird nächstes Jahr in Zusammenarbeit mit Herstellern wie Asus und Acer kabelgebundene VR-Brillen für Windows auf den Markt bringen, die ebenfalls das für Hololens entwickelte Trackingsystem nutzen. Die Verortung im Raum funktioniert ohne externe Sensoren wie Infrarotkameras.

Die großen Chiphersteller AMD, Intel und Qualcomm arbeiten derzeit ebenfalls an Brillen, die Tiefenkameras verwenden. Im Gegensatz zu Microsofts VR-Brillen haben diese sämtliche Komponenten im Gehäuse verbaut und kommen daher ohne externes Zuspielgerät aus. Somit entfallen sämtliche Kabel.

Theoretisch handelt es sich bei diesen Geräten um die ersten Vorläufer von echter Mixed-Reality-Hardware, die sowohl Virtual- als auch Augmented-Reality-Anwendungen abspielen kann.

| Featured Image: Occipital