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Mitsuku-Chatbot gewinnt wichtigen Preis für Künstliche Intelligenz

von Matthias Bastian17. Oktober 2016

Virtual Reality ist nicht allein der Blick durch die VR-Brille. Die virtuelle Realität, die uns bereits allgegenwärtig umgibt, und wie wir diese wahrnehmen und mit ihr interagieren, ist das Resultat aus vielen verschiedenen Teiltechnologien. Die Künstliche Intelligenz spielt dabei eine entscheidende Rolle. Sie bildet das Fundament für viele neue Entwicklungen.

Bei klassischen Computerspielen, dem Gespräch mit Apples Siri oder in einer Service-Hotline ist es zweifelsohne nervig, wenn Konversationen mit virtuellen Charakteren scheinbar zusammenhanglos oder seltsam abgehackt sind. Dennoch fällt es leicht, darüber hinwegzusehen, solange der reine Nutzen im Vordergrund steht.

In der Virtual Reality hingegen – also Auge in Auge mit einem digitalen Wesen – lösen die gleichen KI-Aussetzer eher Beklemmungen oder gar Angst aus. Der sogenannte Uncanny-Valley-Effekt, der die Furcht des Menschen vor unwirklichen digitalen Wesen beschreibt, greift nicht nur bei visuellen Signalen, sondern auch bei absurdem Verhalten. Gerade bei Virtual-Reality-Anwendungen werden Nutzer daher schnell hohe Maßstäbe an die Interaktion mit virtuellen Persönlichkeiten stellen.

Sogenannte Chatbots werden immer besser darin, einfache Konversationen mit Menschen zu führen, die zumindest bis zu einem gewissen Punkt die Illusion aufrechterhalten können, man unterhalte sich mit einem echten Menschen. Einer der cleversten Chatbots ist Mitsuku. Der Bot läuft auf Basis der offenen Webplattform Pandorabots, bei der seit 2008 über drei Milliarden Gespräche zwischen Mensch und Maschine stattfanden.

Mitsuku gewinnt den Loebner-Preis

Die künstliche Intelligenz hinter Mitsuku wurde bereits zum zweiten Mal mit dem Loebner-Preis ausgezeichnet  – und zwar mit deutlichem Abstand zur Konkurrenz. Als Mitsuku im Jahr 2013 das erste Mal den Preis gewann, landete Apples Siri nur auf Platz 14.

Der Wettbewerb setzt den sogenannten Turing-Test ein: Eine Person befragt über einen Chat zwei Gesprächspartner. Einer davon ein Roboter, der andere ein Mensch. Kann der Fragesteller hinterher nicht genau zuordnen, welcher der beiden Gesprächspartner nur aus Bytes bestand, gilt der Turing-Test als bestanden. Für Alan Turing, der den Test in den 50er-Jahren erfunden hat, wäre das der Beweis, dass eine Maschine denken kann wie ein Mensch.

Bislang ist es noch keinem Chatbot gelungen, diesen Beweis zu erbringen. Immer wenn ein Bot sich anschickt, den Test zu bestehen, wird die Messlatte ein wenig nach oben gelegt. Anfang der 90er-Jahre startete der Test mit einem fünfminütigen Gespräch zu einem vorgegebenen Thema. Mittlerweile ist die Themenwahl komplett offen und der Test läuft 25 Minuten. Mitsuku konnte in diesem Jahr den ersten Platz mit einer Wertung von 90 Prozent erreichen – das ist nahe dran an der perfekten Täuschung. Und es zeigt, wie rasant sich die KI-Forschung in den letzten Jahren entwickelt hat.

Wer Mitsuku in Aktion erleben will, schaut das Video unten an oder klickt hier, um ein eigenes Gespräch zu starten.

| Featured Image: Mitsuku | Source: Chatbot Magazine