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Mobile Virtual-Reality-Brille mit Intel-Technologie

von Matthias Bastian18. Januar 2016

Eine mobile Virtual-Reality-Brille, die ohne ein externes Trackingsystem Bewegungen korrekt im ganzen Raum erkennt und die eigenen Hände als Interface nutzt – das klingt nach Zukunftsmusik. Muss es aber nicht sein, wie Intel und IonVR zeigen.

Intels RealSense-Technologie macht im Kontext von Virtual- und Augmented-Reality eine Menge Sinn. Die kleine 3D-Kamera wurde speziell für Gestensteuerung, Gesichtserkennung und das 3D-Scanning entworfen. Sie erkennt die Umgebung in Echtzeit, kann ein 3D-Modell davon berechnen und diese dem Nutzer in der VR- (oder AR-)Brille anzeigen.

Gemeinsam mit IonVR stellte Intel auf der CES eine mobile VR-Brille samt Sensor-Smartphone vor, die das Bewegungstracking direkt integriert hat. Anstatt wie HTC Vive oder Oculus Rift externe Sensoren zu verwenden, erkennt die Smartphone VR-Brille mit RealSense die eigene Postion in Relation zum Raum. So kann der Nutzer, ähnlich wie mit HTC Vive, auch mit VR-Brille auf dem Kopf frei durch den Raum spazieren.

Sogar die eigenen Hände werden korrekt erkannt und können als Interface genutzt werden, um mit der virtuellen Welt zu interagieren. “Ein Controller ist toll, aber die gibt es schon seit es Atari und Nintendo gibt. Wenn man sich visuell in einer virtuellen Welt befindet, sollte auch die restliche Interaktion mit dem eigenen Körper funktionieren, sowohl Bewegung als auch Hand-Tracking, ” sagt Paul Zhao, verantwortlich für das Marketing bei Intel Perceptual Computing.

Der größte Vorteil: IonVR braucht keine Kabel und die Bedienung ist, typisch für Smartphone VR-Brillen, denkbar einfach. Außerdem nutzt die Brille eine Technologie, die IonVR “Motion Sync” nennt. Zusätzlich verbaute Hardware, wahrscheinlich externe Sensoren wie bei Gear VR, sollen Bewegungsunschärfe und Latenz verbessern. Auch die verbauten Linsen sollen von höherer Qualität sein als bei normalen Cardboard-Lösungen. Das macht IonVR potenziell zu einem GearVR-Konkurrenten für den offenen Android-Markt, denn Samsungs VR-Brille ist bislang im “Walled Garden” von Oculus VR gefangen.

Das spezielle Tracking funktioniert allerdings nicht mit jedem beliebigen Smartphone. Intel und IonVR verwenden einen speziellen Prototypen, der Googles Experimenten mit mobilen Augmented-Reality-Anwendungen entspringt (“Project Tango”).  Das Sensor-Smartphone verbindet die präzise Bewegungserkennung der Google-Tango-Sensoren mit der Tiefenwahrnehmung von Intels 3D-Kamera. Während Googles Technologie die Umgebung erkennt und mit einem 3D-Trackingsystem eine Karte der Umgebung erstellt und speichert, isoliert und scannt das Kamerasystem 3D-Objekte in Räumen.

So sieht das prototypische Sensor-Smartphone aus. Auf der Rückseite erkennt man die Sensoren und Kameras, die für das Echtzeit-Scanning der Räume verwendet werden. Quelle: Intel

Der im Video verwendete Smartphone-Prototyp ist zwar noch nicht verkäuflich, aber auf der CES 2016 kündigten Lenovo und Google an, dass bis zum Sommer ein Smartphone für unter 500 Euro erscheinen soll, das mit vergleichbarer Technologie ausgestattet ist. Das Problem: Auch wenn die Hardware auf dem Markt ist, wird es so kurzfristig kaum eine vernünftige Auswahl an Software geben.

Intel und IonVR planen daher noch im Laufe des Jahres erste Entwicklerversionen der mobilen VR-Brille samt Sensor-Smartphone zu verschicken. Programmierer sollen die Gelegenheit haben, die neue Technologie zu verstehen und mit App-Ideen zu experimentieren. Denn ohne sinnvolle Anwendungen bleiben IonVRs und Intels Experimente nur eine technische Spielerei.

Unabhängig von der Kooperation mit Intel geht IonVRs Gear-VR-Konkurrent in den kommenden Wochen in den Verkauf, Vorbestellungen werden für 229 US-Dollar angenommen.

Eine Gruppe von jungen Entwicklern arbeitet außerdem am Projekt “Gotan”, das nach einem ähnlichen Prinzip arbeitet wie die oben beschrieben VR-Brille. Hier wird das Google Tango Tablet vor eine VR-Brille geschnallt, um ein Mixed-Reality-Erlebnis zu ermöglichen.

| VIA: The Verge
| FEATURED IMAGE: IonVR