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Motion Sickness: Betroffene haben sensiblere Wahrnehmung

von Carolin Albrand11. Februar 2016

Motion Sickness ist keine Schwäche der Betroffenen, sondern vielmehr ein besonderes Talent, schlägt eine neue Studie vor. Wem in der virtuellen Realität schnell übel wird, der hat wahrscheinlich eine besonders sensible 3D-Wahrnehmung.

Eines der noch ungelösten Probleme der neuen VR-Brillen ist, dass einem Teil der Nutzer in der virtuellen Umgebung übel wird. Zwar sind zahlreiche Faktoren bekannt, die diese Übelkeit auslösen können, aber das Zusammenspiel ist komplex und noch nicht vollständig geklärt. Neben Verzögerungen beim Zusammenspiel zwischen Soft- und Hardware spielen auch Interaktionsmöglichkeiten, Breite und Höhe des Sichtfelds, die Displayauflösung, die Bildwiederholrate und natürlich der Inhalt eine Rolle. Viele Hersteller von VR-Brillen hoffen darauf, dass das Problem mit der Übelkeit dank besserer Technologie in der Zukunft weniger oder gar nicht mehr auftritt. Im Kern ist Motion Sickness eine Vergiftungserscheinung: Wenn Geist und Körper unterschiedliche Wahrnehmungen haben, glaubt das Gehirn, dass man halluziniert und Gift im Blut hat. Darauf reagiert es mit Übelkeit, damit das Gift erbrochen werden kann.

Wissenschaftler der Universität Wisconsin stellen nun die Theorie auf, dass Menschen, die eine sensible visuelle Wahrnehmung für Bewegung im dreidimensionalen Raum haben, besonders anfällig für VR-Übelkeit sind. Sie testeten insgesamt 84 Probanden und zeigten diesen einen 3D-Film in einer Oculus Rift VR-Brille – allerdings ohne aktives Headtracking. Insgesamt 20 Minuten Filmmaterial hatten die Wissenschaftler parat. 37 Prozent der Teilnehmer brachen die Untersuchung vorzeitig wegen Schwindel und Übelkeit ab, darunter hauptsächlich Frauen. Eben diesen wurde aber in einem vorhergehenden Test nachgewiesen, dass sie besonders gut dreidimensionale Bewegungen wahrnehmen können. Die Wissenschaftler beschreiben das als “interessantes Paradoxon”, da ausgerechnet diejenigen, die besonders stark von der neuen 3D-Technologie profitieren könnten, auch diejenigen sind, die die geringste Toleranz für das neue Medium haben. Die vollständige Studie gibt es hier, darin formulieren die Wissenschaftler auch einige Vorschläge, wie Entwickler und Filmemacher Motion Sickness verhindern können.

| FEATURED IMAGE: Keoni Cabral bei Flickr. Lizenziert nach CC BY 2.0.