Mit einer KI-gesteuerten Weiterbildungsplattform will die Politik gegen Fachkräftemangel und technologische Arbeitslosigkeit ankämpfen.

Der Bundesvorstand der CDU hat ein Konzept für die KI-gesteuerte Weiterbildungsplattform „Milla“ vorgestellt. Milla steht für „Modulares interaktives lebensbegleitendes Lernen für alle“ und orientiert sich an ähnlichen Projekten in den USA und Österreich.

Die Weiterbildungsplattform soll allen Bürgern kostenlos zugänglich sein und mit drei Milliarden Euro jährlich gefördert werden.

Aktuell werden etwa 30 Milliarden Euro pro Jahr für Weiterbildung in Deutschland ausgegeben. Die Angebote sind jedoch nicht zentral zugänglich. Das soll Milla ändern.

Milla soll das Netflix der Weiterbildung werden

Die Bildungsangebote liefern Anbieter, die Geld für jeden Absolventen ihrer Kurse erhalten. Die Programme sollen von einer staatlichen Agentur zertifiziert werden.

Eine umfangreiche Qualitätsbewertung könne aufgrund der vielen, umfangreichen Inhalte nicht vorgenommen werden, so Thomas Heilmann, Vorsitzender des Arbeitskreises „Zukunft der Arbeit“ der CDU/CSU-Bundestagsfaktion.

Die Bewertung soll stattdessen eine Künstliche Intelligenz übernehmen, die Qualität und Relevanz der Angebote überprüft und die Höhe der Vergütung für Anbieter festlegt. Der Anbieter eines Kurses zur Programmiersprache Python könne beispielsweise 7,20 Euro pro erfolgreichen Teilnehmer erhalten, so Heilmann.

Bürger trainieren die Plattform-KI

Um die Bewertungen vornehmen zu können, müsse der Algorithmus über Jahre hinweg lernen, so Heilmann. Grundvoraussetzung dafür sei eine rege Teilnahme der Bürger. Diese sollen mit Sachprämien zum Mitmachen bewegt werden.

Um eine Sachprämie zu erhalten, müssen Bürger sogenannte Kompetenzpunkte erwerben. Die gibt es mit jedem abgeschlossenen Kurs. Die Punkte können dann gegen Prämien eingetauscht werden – Payback-Punkte für die Bildung, wenn man so will.

Die Kompetenzpunkte sind gleichzeitig Nachweise für den Arbeitsmarkt: Wer mehr Kurse abschließt, hat auch mehr Punkte. Bescheinigungen können jedem Arbeitgeber zusätzlich zugesandt werden.

Milla soll vor allem eine größere Reichweite als bisherige Angebote erzielen. Nach Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung bilden sich pro Jahr drei Prozent aller Berufstätigen zwischen 30 und 60 formal weiter. Nicht-formale Weiterbildungen – also solche außerhalb des nationalen Bildungssystems – erreichen immerhin 39 Prozent.

Digitalisierung ohne Weiterbildung ist gefährlich und teuer

Grund für die Initiative sei die Digitalisierung insgesamt, so Heilmann. Es drohe ein Nebeneinander von technologischer Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel.

Ähnliche Warnungen kommen bereits seit Jahren von führenden Ökonomen und Unternehmensberatungen. Andrew Haldane, Chef-Ökonom der Bank of England, forderte kürzlich umfassende und präventive Umschulungs- und Trainingsmaßnahmen.

Experten hielten eine um zehn Prozent höhere Arbeitslosigkeit in Deutschland in den kommenden Jahren für realistisch, so Heilmann. Das würde den Staat jährlich 265 Milliarden Euro kosten – mit einem noch höheren volkswirtschaftlichen Schaden von 431 Milliarden Euro. Daher seien die Investitionen in Milla eine gute Anlage.


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