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Neuartige Soft-Prothesen können die Virtual Reality fühlbar machen

von Matthias Bastian28. Oktober 2016

Eine neue Art Soft-Prothese soll die Virtual Reality fühlbar machen. Das System simuliert Berührung mit einer Spezialflüssigkeit.

Um virtuelle Simulationen deutlich glaubhafter zu gestalten, reicht es auf Dauer nicht, wenn VR-Systeme unsere Blicke und unser Gehör täuschen. Die gerenderte Umgebung muss spürbar werden. Wie das erreicht werden kann, ist noch ein großes Rätsel.

Mitarbeiter des Interactive Architecture Lab der Universität London präsentieren einen spannenden Ansatz. Sie entwarfen eine neue Art von Prothese, die sie “Soft-Wearable” nennen.

Die einzelnen Prothesen kommen in verschiedenen Formen und Größen und werden am Hals und Nacken, dem Becken und den Hand- und Fußgelenken angebracht. An den Prothesen befinden sich kleine Kammern, die mittels einer gelartigen Flüssigkeit schnell und flexibel gefüllt werden können. Dadurch wird Berührung simuliert. Die Probanden im Test konnten allein aufgrund dieser simulierten Berührungen blind durch ein unsichtbares Labyrinth navigieren.

3D-Vision-Technologie: Wie verändert sich die Welt, wenn wir auf Knopfdruck unsere Umgebung virtualisieren können?

Die Daten für das virtuelle Labyrinth wurden zuvor mit Googles Tango-Tiefenkamera anhand einer echten Umgebung aufgezeichnet. Die Architekten gehen davon aus, dass 3D-Vision-Technologie – sofern sie so erfolgreich wird wie herkömmliche Kameras – von 70 Prozent der Weltbevölkerung genutzt werden könnte. Die Menschen seien dann dazu in der Lage, ihre Umgebung zu scannen, zu speichern und zu analysieren.

“Unser Projekt begann mit der Frage, wie diese Technologie verändern könnte, wie wir die Welt um uns sehen und mit ihr interagieren?” Unter anderem könnten die entwickelten Soft-Prothesen Menschen mit Sehbehinderung dabei helfen, sicherer durch die Umgebung zu navigieren.

Ebenso bietet sich der Einsatz auch im Kontext rein virtueller Umgebungen an, die normalerweise nur aus Luft bestehen. Füttert man die Prothesen mit den Renderdaten einer simulierten Umgebung, könnte das die digitale Sphäre fühlbar machen. Weitere Informationen zum Projekt gibt es hier.

Die Entwickler haben zwei Videos produziert. Das erste Video zeigt das Experiment und die Ergebnisse daraus, das zweite ist ein fiktives Stück und ein Blick in die Zukunft.

| Featured Image: Interactive Architecture Lab der Universität London