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Neue Xbox Project Scorpio: Wird Microsoft eine VR-Brille beilegen?

von Tomislav Bezmalinovic29. Oktober 2016

Vor wenigen Tagen kündigte Microsoft an, dass im kommenden Jahr zahlreiche VR-Brillen für Windows Holographic erscheinen. Die Geräte entwickelt Microsoft gemeinsam mit Partnern wie HP oder Acer. Die kommende Xbox-Konsole wurde bei dieser Enthüllung nicht erwähnt. Und dass obwohl Project Scorpio laut Microsoft für “Highend-VR” konzipiert ist und Ende 2017 erscheinen soll. Wird Microsoft der neuen Konsole eine VR-Brille eines Drittherstellers beilegen? Und welche Marktchance hat diese neue Art Monitor?

Die US-amerikanische Webseite Gamesindustry hat diese Fragen einer Reihe von Analysten gestellt und recht unterschiedliche Einschätzungen erhalten. Tim Merel von Digi-Capital glaubt, dass Microsofts nächste Konsole für die Kunden attraktiver ist, wenn sie zusammen mit einer VR-Brille erscheint. Umgekehrt würde die VR-Brille nur dann zum Erfolg, wenn sie jeder Xbox beiläge.

Das Ergebnis wäre ein Wachstum der Branche: “Microsofts Brille ist für die VR-Industrie der nächste große Schritt Richtung Massenmarkt. Für Kunden bietet das Inside-Out-Tracking immense Vorteile und mit 300 US-Dollar zahlt man sehr viel weniger als für vergleichbare VR-Systeme auf PC-Basis.”

Michael Pachter von Wedbush Securities pflichtet Merel bei. Er geht davon aus, dass die neuen Windows-Brillen nur dann eine Chance auf dem Markt haben, wenn sie mit Microsofts nächster Konsole kompatibel sind.

“Es ergibt keinen Sinn, eine VR-Brille ohne passendes Zuspielgerät zu verkaufen. Wenn die Brille einen Highend-PC voraussetzt, dann werden Kunden eher zu einer Oculus Rift, einer HTC Vive oder Playstation VR greifen. Wenn sie mit Project Scorpio läuft, dann könnte sie eine Konkurrenz zu Playstation VR werden, auch wenn die Installationsbasis der neuen Konsole noch gleich Null ist.”

Die VR-Enthusiasten haben sich bis Ende 2017 lange entschieden

Stephanie Llamas von Superdata ist etwas skeptischer und glaubt nicht, dass die VR-Brille für Microsoft zu einer Wunderwaffe werden könnte: “VR-Enthusiasten haben sich bereits für ein Produkt entschieden und es gekauft. Inside-Out Tracking wird niemanden davon überzeugen, sich erneut eine VR-Brille zu kaufen.”

Llamas zufolge hat Microsoft ein weiteres Problem: Das Unternehmen müsste Zubehör von Drittherstellern als einen vitalen Bestandteil des eigenen Produkts verkaufen. Das verkompliziere die Vermarktung und mögliche Bundle-Angebote, so Llamas. “Microsoft hätte das schon vor einem Jahr tun und uns mehr Hoffnungen machen sollen als nur Oculus Rift einen Xbox-Controller beizulegen. Sie liegen jetzt schon zu weit zurück.”

In die gleiche Kerbe schlägt David Cole von DFC Intelligence. Er sieht in der Vermarktung von VR-Erlebnissen eine der größten Hürden für die Industrie: “VR ist eine neue Form des Entertainments, mit der die Menschen zuerst bekanntgemacht werden müssen. Die Branche braucht einen klaren Markttreiber, der dem Massenmarkt die Virtual-Reality-Erfahrung in einem benutzerfreundlichen Gesamtpaket und zu einem klar definierten Preis anbietet.”

Im Moment könne das nur Sony mit Playstation VR leisten, meint Cole und fügt hinzu, dass dies Microsofts großes Problem sei: “Wer kann für eine vergleichbar klare Botschaft sorgen und diese zu den Kunden tragen?”

Microsoft baut wohl keine eigene VR-Brille, sondern setzt auf Windows-Geräte

Microsofts Gaming-Chef Phil Spencer gab im vergangen Sommer im Rahmen der E3 2016 an, dass sein Unternehmen derzeit nicht plant, eine eigene VR-Brille zu veröffentlichen. Stattdessen wolle man “möglichst vielen Herstellern” von VR-Hardware die Gelegenheit geben, sich mit der neuen Plattform zu befassen.

Das klingt ganz danach, dass gängige VR-Brillen für Windows samt der dazugehörigen Software auch mit der Scorpio-Konsole laufen werden. In diesem Fall hätte Microsoft schon zum Launch der neuen Hardware zahlreiche hochwertige VR-Anwendungen im Portfolio.

| Featured Image: Microsoft (Screenshot bei YouTube)